Randersacker

Skeptiker untersuchen Rätsel am Marsberg

Haben Steinzeitmenschen am Marsberg in Randersacker Grabstätten angelegt? Eine wissen- schaftliche Exkursion soll Klarheit bringen.
Skeptische Wissenschaftler: Bei einer Exkursion im Steinbruch bei Randersacker mit Eckhard Beck und Michael Link (von links) widerlegten die Würzburger Skeptiker die Theorie von steinzeitlichen Hügelgräbern auf dem Marsberg.
Foto: Fotos (4): Traudl Baumeister | Skeptische Wissenschaftler: Bei einer Exkursion im Steinbruch bei Randersacker mit Eckhard Beck und Michael Link (von links) widerlegten die Würzburger Skeptiker die Theorie von steinzeitlichen Hügelgräbern auf dem ...

Dunkelgrau-schwarz türmen sich die Wolken am Himmel auf, der Wind peitscht, Regentropfen klatschen aufs Pflaster. Die kleine Gruppe, die sich auf dem Mainparkplatz in Randersacker trifft, lässt sich vom grollenden Wetter jedoch nicht beirren. Kurzärmelig, teilweise kurz-behost und allenfalls mit dünnen Regenjacken ausgestattet, machen sich „die Skeptiker“ auf den Weg. Die Regionalgruppe der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) beschäftigt sich heute mit Walter Haugs Entdeckung.

Die Skeptiker untersuchen zweifelhafte Thesen von Para- und Pseudowissenschaftlern mit wissenschaftlichen Methoden. Ihr Thema heute: „Sensationelle megalithische Nekropole bei Würzburg gefunden“ übertitelte der Lehrer und Parawissenschaftler Walter Haug seinen Fund auf dem Marsberg bei Randersacker. Es sei eine steinzeitliche Grabstätte, was er dort in den Steinbrüchen gefunden hat, behauptet Haug. Das wollen die Skeptiker genauer erforschen bei ihrer Exkursion.

Die langweilige Schularchäologie ignoriere in ihrer Arroganz und wahrscheinlich aus reinem Neid die unglaublichen Funde der so genannten Cairn-Forschungsgesellschaft schlichtweg, behauptet Haug. Haug selbst war nicht zur Exkursion eingeladen, daher übernimmt es einer aus den Reihen der Skeptiker, der Diplom-Geologe Michael Link aus Bamberg, als Advocatus Diaboli die abenteuerlichen Thesen des Würzburger Parawissenschaftlers Haug darzulegen. Überall auf dem Marsberg seien große Quadersteine zu finden, der hohe Lehmaufbau über den alten Pyramidenmauern, die Gelände-Modellierung sowie mindestens zwei Eingänge belegten: Es handele sich einwandfrei um eine steinzeitliche, pyramidenförmige, monumentale Grablege, einen stufig aufgebauten Cairn, wie Archäologen solch ein Hügelgrab nennen.

„Zum einen haben die Steinhauer dort das Bier kühl gestellt, zum anderen sich selbst bei Sprengungen geschützt.“
Eckhard Beck über vermeintliche Hügelgräber

Es sind an jenem vermeintlichen Cairn aber auch Anzeichen neuzeitlicher Nutzung zu finden – etwa Eisenbeschläge, Backsteinbauten oder zum uralten Gemäuer nicht ganz passende Aufbauten.

Link entgegnet im Namen Haugs, dies widerlege die Nekropolen-Theorie keineswegs. „Es gibt viele Belege weltweit, dass Menschen uralte Bauten in späteren Zeiten kurzerhand für neuzeitlichere Bedürfnisse umgenutzt haben.“ Auch dass in den Grablegen so gar nichts mehr zu finden ist, was auf eine frühzeitliche Bestattung hinweist, sei einfach zu erklären: Über die vielen Jahrhunderte hätten Grabräuber auch die letzten Grabbeigaben mitgenommen.

Grabungen, die unter der Erdschicht steinzeitliche Mauern zeigen oder dies eben auch widerlegen würden, habe es bisher keine gegeben, zitiert Link Haugs Theorie weiter. Auch thermische Luftbilder, die weiterhelfen würden, existierten nicht. Link bemüht weiter Haugs Thesen: Die klassischen Archäologen hätten sich völlig unbeeindruckt von der Entdeckung gezeigt.

Während die Skeptiker den Haugschen Erklärungen zum monolithischen Bauwerk lauschen, halten die Wettergötter Ruhe. Der Wind hat sich gelegt, die dunklen Wolken werden von grauweißen Fetzchen abgelöst, die Himmelsschleusen haben sich geschlossen. Die Stimmung ist mystisch: Weist ein weiß-leuchtender, skelettierter Tierkopf vor dem Hauptportal auf übersinnliche Zusammenhänge hin? Kletten und dornige Büsche hindern am unheiligen Gang durch die Kultstätte.

Jetzt allerdings ist Schluss mit lustig: Der Diplom-Geologe Link zerpflückt die Haugschen Thesen: Er beschreibt, wie durch völlig natürliche Verwitterung die hohe Lehmschicht entsteht.

Eckhard Beck, Würzburger Skeptiker, lokal Kundiger der Randersackerer Steinbrüche und mitverantwortlich für die Exkursion, erklärt: Die so genannten Ganggräber oder Portale zum Cairn seien nichts anderes als aus Steinplatten schnell zusammengezimmerte, kühle Rückzugsorte der früheren „Steehawer“ (Steinhauer). „Zum einen haben sie dort das Bier kühl gestellt, zum anderen sich selbst bei Sprengungen geschützt.“ Mit fortschreitendem Abbau wuchsen die schlichten Gebäude in die Länge und wurden mit Abraum bedeckt. Beck bezieht sich dabei auch auf Herbert Haas, den verstorbenen Heimatpfleger und ausgewiesenen Kenner der Steinbrüche, mit dem er hier oft unterwegs war.

Auch die Geländemodulation mit ihren Gängen sei schlicht dem Steinabbau geschuldet, schließlich mussten die Steine ja mittels Fuhrwerken weggeschafft werden. Daher sind die Wege zu den Steinbrüchen auch rolliert – also nicht etwa Überreste steinzeitlicher Prozessions- und Pilgerwege.

Einen weiteren Gegenbeleg schließlich liefert Link mit seinem Geologen-Kompass, einem wissenschaftlichen Werkzeug, das zur Bestimmung der Raumlage von Gesteinsstrukturen dient. Muschelkalk, der kompakt im Steinverbund dem stetigen Druck der Kontinentalverschiebung ausgesetzt ist, bricht rechtwinklig. Das beweisen unzählige wissenschaftliche Messungen in vergleichbarem Gelände, die alle ein gleichförmiges Bruchmuster erkennen lassen. Im Muschelkalk ist das eben quaderförmig. Das erklärt die hier vorgefundenen quaderförmige Steinstruktur.

Jeder in der Gruppe kann dies unweit der neuen Hinweistafel am Lindelbacher Steinbruch sofort erkennen. Den nicht abgebauten Fels durchziehen rechtwinkelige Bruchkanten. Anders als einzelne Quader kann die geschlossene Felswand auch kein noch so kräftiger steinzeitlicher Arbeitstrupp dort hingeschafft haben. Da müsste man schon Außerirdische bemühen, will man natürliche Phänomene ausschließen …

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