WÜRZBURG

SPD-Landtagsabgeordnete solidarisch mit Hungerstreikenden

Solidarität mit Hungerstreikenden: Hassan Hosseinzadeh (rechts) und seine Mitstreiter im Gespräch mit den SPD-Landtagsabgeordneten Harald Schneider und Angelika Weikert.
Foto: Patrick Wötzel | Solidarität mit Hungerstreikenden: Hassan Hosseinzadeh (rechts) und seine Mitstreiter im Gespräch mit den SPD-Landtagsabgeordneten Harald Schneider und Angelika Weikert.

Auch am vierten Tag ihres Hungerstreiks waren neun Asylbewerber aus dem Iran wohlauf und fest entschlossen, am Vierröhrenbrunnen weiter auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. „Es ist nicht leicht. In der Nacht ist es kalt und wir trinken nur Wasser und Tee oder Kaffee. Aber wir wollen hier bleiben, bis eine zuständige Person zu uns kommt und mit uns spricht“, sagte Hassan Hosseinzadeh.

Der 34-Jährige ist der älteste der neun Männer im Hungerstreik, der jüngste ist erst 21. Im Iran war er Beamter, erzählt er. Seit fünf Jahren versucht er, in Deutschland Asyl zu bekommen. Sein Antrag wurde endgültig abgelehnt, seine Duldung muss immer wieder neu entschieden werden. „Wir haben uns immer gegen solche Ketten-Duldungen ausgesprochen und eine Regelung des Bleiberechts gefordert“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Angelika Weikert aus Nürnberg, die den neun Iranern zusammen mit ihrem Kollegen Harald Schneider (Karlstadt) einen Besuch abstattete. „Um unsere Solidarität zu zeigen“, wie Weikert betonte.

Nach der vom Landtag jetzt beschlossenen Änderung des bayerischen Asyl-Aufnahmegesetzes müsste Hosseinzadeh eigentlich auf der Stelle aus der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in der Veitshöchheimer Straße ausziehen dürfen, erklärte die SPD-Sozialexpertin: „Sein Asylverfahren ist abgeschlossen und er ist über vier Jahre hier. Die Staatsregierung müsste für die entsprechenden Unterkünfte sorgen.“ Den neun Männern geht es aber in erster Linie gar nicht um die Lebensbedingungen in der GU. Unser Protest richtet sich gegen das Asylverfahren“, so Hosseinzadeh: „Wir haben im Iran nicht gehungert oder waren obdachlos, wir haben dort Familien. Wir sind nicht aus Spaß hier oder um Geld zu verdienen. Wir wollen Asyl.“

Mit einer Anerkennung als politische Flüchtlinge könnten die Männer arbeiten, sich selbst eine Wohnung mieten und ihre Familien nach Deutschland holen. Statt dessen sitzen sie in der GU, ohne Zukunftsperspektive. Hosseinzadeh hat seine Frau und seine kleine Tochter seit fünf Jahren nicht gesehen. Mit ihnen im Iran zu telefonieren, so sagt der 34-Jährige, ist für die Familie zu gefährlich, Kontakt gibt es ab und zu über Skype.

„Passt auf euch auf, damit ihr das gesundheitlich gut übersteht“, sagte Angelika Weikert am Ende des halbstündigen Besuchs. Hosseinzadehs Antwort: „Wir sterben sowieso jeden Tag. Wir leben nicht. Wir atmen nur.“

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