Höchberg

SPD Ortsverband feiert sich selbst

Zum 50 jährigen Jubiläum traf sich der ganze SPD Ortsverein 1967 zur großen Feier mit dem damaligen Bürgermeister Alois Medon in der alten TG-Halle FOTO
Foto: SPD-OV/Wolfgang Knorr | Zum 50 jährigen Jubiläum traf sich der ganze SPD Ortsverein 1967 zur großen Feier mit dem damaligen Bürgermeister Alois Medon in der alten TG-Halle FOTO

Nach wie vor ist die Höchberger SPD mit zirka 90 Mitgliedern der größte Ortsverein im Landkreis. Im Ort ist die SPD sowohl mit einer starken Gemeinderatsfraktion präsent als auch mit dem Ortsverein und seinen Arbeitsgemeinschaften SPD-Frauentreff und SPD 60plus, jeweils angeführt von Magdalena Roßbach und Wolfgang Knorr.

Aber auch im Landkreis wird aktiv mitgearbeitet durch die beiden Kreisräte Peter Stichler und Sonja Ries, im Kreisvorstand der SPD durch Anna Stvrtecky und Sonja Ries und im Kreisvorstand der AG 60plus durch Wolfgang Knorr.

Nun feiert der Ortsverein am kommenden Sonntag (29.10.17) sein 110 jähriges Gründungsjubiläum. Wie es dazu kam, kann man in der sehr gut geführten Chronik lesen: Am 25.März 1876 erschien der 24jährige Zigarrenmacher Anselm Feineis im Höchberger Rathaus und meldete bei Bürgermeister Emil Feineis für den nächsten Tag eine Volksversammlung der Sozialdemokratischen Volkspartei im Gasthaus zum Greifen an. Damit begann eine Reihe sozialdemokratischer Aktivitäten in Höchberg, wo viele Arbeiter des nahen Sandsteinbruchs lebten. Trotz der kritischen Beobachtung durch die Polizei, wollten am 26. Juni 1876 schon mehr als 60 Männer aus Höchberg und Würzburg an der nächsten Versammlung teilnehmen.

Bis zum Sommer 1878 folgten vier weitere öffentliche Versammlungen mit bis zu 200 Teilnehmern in Höchberg. Dann wurden alle weiteren Aktivitäten durch Bismarcks Sozialistengesetz unterdrückt.

Dennoch fanden auch in Höchberg weiterhin illegale Treffen statt, wie Anselm Feineis später berichtete.

Dies erklärt, warum der Ortsverein am 23.11.1890 nach Aufhebung des Sozialistengesetzes gegründet, aber bereits am 4.4.1896 wieder aufgelöst wurde. Familienvätern musste die Ernährung ihre Familien wichtiger sein. Erst am 25.8.1907 gelang es, die Zahl der Mitglieder auf 20 zu erhöhen und einen eigenen Ortsverein zu gründen. Erster Vorsitzender war von 1907 bis 1910 der Steinmetz Johann Ruppert. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs kam das Parteileben der SPD fast völlig zum Erliegen.

Viele Sozialdemokraten wurden eingezogen und kehrten, wie viele andere Höchberger niemals aus dem Krieg zurück.

Nach Zusammenschluss von MSPD und USPD 1922 wurde am 11.2.1923 von 55 anwesenden Mitgliedern mit Kaspar Hupp ein neuer Vorsitzender gewählt. Obwohl die meisten Sozialdemokraten in Würzburg arbeiteten und jeden Tag meistens zu Fuß diese Strecke bewältigten, fanden sie die Kraft, in den Folgejahren für die Ziele der Arbeiterbewegung zu werben. Mit aller Kraft stemmte sich die SPD gegen die stärker werdenden radikalen Parteien KPD und NSDAP. Das Vereinshaus der Turngemeinde war dabei ein starkes Bollwerk der freien Arbeiterbewegung Höchbergs. Zum Schutz gegen den Terror der Nationalsozialisten durch die SA wurde 1932 von Sozialdemokraten, Gewerkschaftlern und Mitgliedern der Turngemeinde die „Eiserne Front“ gegründet. Sie hatte über 100 Mitglieder.

Am 13. März 1933 wurden das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, die „Eiserne Front“ und die Sozialdemokratische Arbeiterjugend verboten. Am 7. April folgte die Gleichschaltung der Gemeinden, der Bezirks- und Kreistage. Der bisherige Höchberger Gemeinderat wurde aufgelöst und die Mandate aufgrund des Wahlergebnisses vom 5. März neu verteilt. Dieses ansonsten für die NSDAP sehr erfolgreiche Verfahren brachte ihr in Höchberg aufgrund der starken SPD nicht den gewünschten Erfolg. Die NSDAP erhielt nur einen Sitz. Die übrigen Gemeinderäte der SPD und BVP wählten am 27. April Andreas Seubert zum Bürgermeister. Der Kandidat der NSDAP, Philipp Genheimer erhielt nur eine Stimme. Eine solche „Provokation“ ließen sich die Nazis nicht gefallen und zwangen die neun Gemeinderäte von SPD und BVP, ihre Mandate aufzugeben. An ihre Stelle rückten dann NSDAP-Mitglieder.

In Höchberg sammelten sich nach Ende des 2. Weltkriegs die alten Sozialdemokraten um Ernst Keil. Die Amerikaner ernannten ihn zum Höchberger Bürgermeister; ein Amt, in dem er 1946 von den Bürgern in geheimer Wahl bestätigt wurde und das er bis 1964 ausüben sollte. Unter der Leitung von Ernst Keil und unter Aufsicht von zwei Amerikaner trafen sich im Oktober 1945 ungefähr 20 alte Freunde im Sängerzimmer der Turngemeinde, um die Vorarbeit für die Gründung des SPD-Ortsvereins zu leisten. Am 1. Dezember konstituierte sich dann der SPD-Ortsverein. Erster Vorsitzender wurde Richard Wilhelm. Bei den Gemeindewahlen von 1946 bis 1966 erreichte sie immer die absolute Mehrheit.

„Die Erhebung der Gemeinde Höchberg zum ,Markt Höchberg‘1990 war die öffentliche Anerkennung der hervorragenden Entwicklung, die unsere Gemeinde unter der Leitung ihrer sozialdemokratischen Bürgermeister und Gemeinderäte durchgemacht hat“, so Ortsvorsitzender Wolfgang Knorr. Als Dank für seine vielfältigen Leistungen für unsere Gemeinde verlieh der Gemeinderat des Marktes Höchberg Werner Hillecke die Ehrenbürgerwürde, als er 1994 in den Ruhestand trat. Danach kam mit Peter Stichler ein Bürgermeister, der dieses Amt noch heute innehat. Bis zum Jahr 2000 lief alles in geordneten Bahnen. Peter Stichler konnte seine Wiederwahl als Bürgermeister zusammen mit der SPD erfolgreich feiern. Doch der Siegesjubel war kaum verklungen, kam wohl die schwärzeste Stunde in unserer Vereinsgeschichte, so Knorr.

Teils aus polemischen, teils aus persönlichen Gründen, spalteten sich 4 Fraktionsmitglieder vom SPD-OV ab und gründeten eine neue politische Vereinigung , die Höchberger Mitte. Es waren bekannte Mandatsträger, die noch 1996 auf der SPD-Liste eine erhebliche Anzahl von Stimmen auf sich vereinigen konnten. Trotzdem gelang es zu alter Stärke zurückzukehren. Aktuell stellt die SPD die größte Gruppierung im Gemeinderat und ist auch sonst sehr aktiv im Ortsgeschehen verwurzelt.

Wer mehr über die jüngere und ältere Geschichte der „ältesten Partei Deutschlands“ hören möchte, muss am 29. Oktober um 18 Uhr in die TG-Halle in der Jahnstraße kommen. Als Festredner konnte das ehemalige Vorstandsmitglied des SPD-OV, Steffen Hertwig, Oberbürgermeister der Stadt Neckarsulm, gewonnen werden, lädt Knorr die Bevölkerung ein, einen gemeinsamen Abend mit Historie und Zukunft zu erleben. Interessant wird sicher auch der satirische Rückblick von Dr. Gunther Schunk an diesem Abend, der musikalisch von Jo Flinner unterstützt wird.

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