Würzburg

Stadt Würzburg vergibt Bürgersozialpreis

Übergabe des Bürgersozialpreises an Sant'Egidio. Im Bild (von links) Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Angelika Wagner und Silvia Vassallo Paleologo (Sant'Egidio), Sozialreferentin Hülya Düber und Sabine Klingert (Leiterin Aktivbüro).
Foto: Sandra Pfaff | Übergabe des Bürgersozialpreises an Sant'Egidio. Im Bild (von links) Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Angelika Wagner und Silvia Vassallo Paleologo (Sant'Egidio), Sozialreferentin Hülya Düber und Sabine ...

Die Gemeinschaft Sant'Egidio und Wue-Care sind die Preisträger des diesjährigen Bürgersozialpreises der Stadt Würzburg. Der Preis wird seit 2007 alle zwei Jahre an Menschen verliehen, die sich in herausragender Weise ehrenamtlich in Würzburg engagieren. Das Motto in diesem Jahr lautete „Hilfe in Coronazeiten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg.

Gewürdigt wird das Engagement aller Organisationen und Einzelpersonen, die zu Beginn der Corona-Pandemie innerhalb kürzester Zeit Hilfsangebote auf die Beine gestellt haben, um Menschen, die durch diese Situation in Not geraten sind, zu unterstützen. 19 Vorschläge und Nominierungen waren vonBürgern im Aktivbüro der Stadt Würzburg eingereicht worden, darunter 16 Organisationen und drei Einzelpersonen. Die Findungskommission, bestehend aus Sozialreferentin Hülya Düber und den Stadträtinnen Kerstin Westphal, Christiane Kerner, Claudia Adam, Magdalena Laier und Charlotte Schloßareck sichteten alle Nominierungen, ehe die Preisträger in der Stadtratssitzung beschlossen wurden.

Koordination der verschiedenen Hilfsdienste

Der Hauptpreisträger, die Gemeinschaft Sant'Egidio, unterstützt seit 38 Jahren hilfebedürftige Menschen in Würzburg. Während des ersten Lockdowns koordinierte die Gemeinschaft Sant'Egidio gemeinsam mit dem Sozialreferat der Stadt Würzburg die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Würzburger Hilfsdiensten. So konnten Kräfte gebündelt und ein breites Netzwerk an Corona-Hilfen in der Stadt aufgebaut werden. Sant'Egidio stellte darüber hinaus auch eigene Hilfsdienste auf die Beine.

Als die Tafel kurzzeitig schließen musste, übernahm die Sant'Egidio die Lebensmittelversorgung der Tafelkunden, insbesondere derer, die der Risikogruppe angehören. Darüber hinaus wurde ein Einkaufsdienst ins Leben gerufen, telefonischer Kontakt zu alleinstehenden Senioren gehalten und Kindern Unterstützung beim Homeschooling angeboten.

Die Preisträger von Wue-Care (von links) Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Maria Scherrer (Wue-Care), Sozialreferentin  Hülya Düber, Thomas Schmidt (Wue-Care) und Sabine Klingert (Leiterin Aktivbüro).
Foto: Sandra Pfaff | Die Preisträger von Wue-Care (von links) Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Maria Scherrer (Wue-Care), Sozialreferentin  Hülya Düber, Thomas Schmidt (Wue-Care) und Sabine Klingert (Leiterin Aktivbüro).

Wue-Care ist diesjähriger Träger des Sonderpreises und mit Abstand der jüngste Verein, der je nominiert wurde. Wue-Care wurde erst im Sommer 2020 offiziell in das Vereinsregister eingetragen. Das junge Team lernte sich zu Beginn der Coronakrise in der Facebook-Gruppe „Corona-Hilfe in Würzburg und Umgebung“ kennen. Ihr Ziel war es, schnellstmöglich Hilfesuchende und Helfende zusammenzubringen und ihnen eine Austauschplattform zu bieten.

10 000 Behelfsmasken in kurzer Zeit genäht

Durch Kooperationen mit den Maltesern, der Brauchbar, der Streetbunnycrew und mit Unterstützung von über 114 ehrenamtlichen Nähern konnten in wenigen Wochen beinahe 10 000 Behelfsmasken an 77 lokale Einrichtungen und 162 Alltagshelden verteilt werden. Des Weiteren wurden Geldspenden, Desinfektionsmittel und Schutzausrüstungen an vom Coronavirus besonders stark betroffene Senioreneinrichtungen gespendet. Die Entstehung von Wue Care zeigt auf beeindruckende Art und Weise, dass bereits wenige Menschen, die das gleiche Ziel verfolgen, in kürzester Zeit Großes auf die Beine stellen können.

Doch auch die anderen 14 nominierten Organisationen zeigten enormen Einsatz in dieser außergewöhnlichen Zeit. Lajna Imaillah Würzburg, eine muslimische Frauenorganisation, machte es sich zur Aufgabe, Behelfsmasken zu nähen und unentgeltlich an Einrichtungen zu spenden. Das Kontaktcafé Flow von Condrobs ist eigentlich Treffpunkt für Menschen mit Drogenproblemen und/oder in Substitution. Während der Corona-Pandemie verteilte das Kontaktcafé Lebensmittel und warme Speisen an viele bedürftige Menschen. WiMu beteiligte sich am Netzwerk „Corona-Hilfe“, produzierte eine digitale Konzertreihe und Motivationsvideos, bot Online-Stunden an und ermittelte den elektronisch-digitalen Unterstützungsbedarf seiner Schüler.

Einkaufsservice ins Leben gerufen

HERMINE rief gemeinsam mit dem Sozialreferat Würzburg und anderen Kooperationspartnern einen Einkaufsservice ins Leben. Die Malteser Corona-Hilfe Würzburg des Malteser Hilfsdiensts baute gemeinsam mit rund 400 Ehrenamtlichen einen Einkaufsservice, einen Kurierdienst, einen Tafel-Ersatzdienst, Online-Nachhilfe für geflüchtete Kinder, Sprachtandems für Geflüchtete und viele weitere Projekte auf.

Die Tafel Würzburg stellte ihren regulären Betrieb um und versorgte ab Mitte April rund 800 Familien mit Lebensmitteln und half ihnen so dabei, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Angestöpselt verfolgt das Ziel, jedem Würzburger Haushalt Zugang zu Digitalisierung und gesellschaftlicher Teilhabe auf eine nachhaltige Art und Weise zu ermöglichen. In der Zeit der Corona-Pandemie wurden Computer für das Homeschooling aufbereitet und an bedürftige Familien ausgegeben.

Der Verein Internet - Von Senioren für Senioren bietet einen täglichen „Virtuellen Stammtisch“ an, um sich auszutauschen, in Kontakt zu bleiben, technische Fragen zu stellen oder an verschiedenen Vorträgen teilzunehmen. Der Verein Aktive Hilfe führte seine Arbeit unter Beachtung von Hygienevorschriften fort, um Risikogruppen zu schützen. So wurden beispielsweise Hausordnungen, Kleinreparaturen und Botengänge für Senioren oder Menschen mit Behinderung weiterhin getätigt.

Briefe für Senioren geschrieben

Die Kongregation der Schwestern des Erlösers, die täglich 80 bis 100 Bedürftige mit warmen Speisen versorgt, erarbeitete gemeinsam mit der Gemeinschaft Sant'Egidio ein Hygienekonzept, dass es erlaubte, die Mittagsspeisen weiterhin ausgeben zu können. Das Pfarramt St. Johannis setzte mit der „Aktion Briefe für Senioren“ das Zeichen, dass Bewohner aus Seniorenheimen nicht vergessen sind. Bürger konnten Briefe an diese schreiben und beim Pfarramt abgeben, welche anschließend an die Heime weitergeleitet wurden.

Die Nachbarschaftshilfe „Eine Stunde Zeit“ Heidingsfeld verteilte Lebensmittel, Medikamente und sonntägliche Mittagsmahlzeiten an bedürftige Bürger und richtete einen telefonischen Kontaktdienst für Senioren ein. Die „Mobile Tafel“ der AWO AnsprechBar bildete einen neuen Kreis an Freiwilligen und baute einen Einkaufsdienst in Verbindung mit einer mobilen Tafel auf. Die Ehrenamtlichen der TierTafel Würzburg unterstützten Tierbesitzer, die in eine Notlage geraten sind, indem sie sie mit kostenlosem Tierfutter und Zuschüssen zu Tierarztrechnungen versorgen.

Darüber hinaus wurden drei Einzelpersonen nominiert. Christiana Vormwald, die maßgeblich zur Entstehung und Entwicklung des „Familientreffpunkts Sanderau“ beitrug und dort Kinder aus Migrantenfamilien im Rahmen eines Lerntreffs ehrenamtlich unterstützt, hielt während des Lockdowns engen Kontakt zu ihren Schülern.

Atemschutz-Masken mit transparentem Innenteil

Hildegard Schmidt engagiert sich schon seit vielen Jahren für ihre pflegebedürftige Nachbarn. Sie begleitet sie bei Arztbesuchen, erledigt Apothekengänge oder unternimmt gemeinsame Spaziergänge mit ihnen. Nominiert wurde zudem Manfred Hartmann. Er ist bereits seit 1977 für die Belange von Hörgeschädigten aktiv und Gründer des ersten Schwerhörigenvereins in Unterfranken sowie Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten.

Er setzte sich während des Lockdowns für Atemschutz-Masken mit transparentem Innenteil um den Mund ein. Nur so bleibt die Mimik erhalten und sichtbar, welche Grundlage für die Kommunikation Schwerhöriger ist. Des Weiteren hielt er schriftlichen Kontakt zu seinen Vereinsmitgliedern und machte es sich zur schwierigen Aufgabe, nach Räumlichkeiten für die Selbsthilfegruppen zu suchen, die den Hygienevorschriften entsprechen und gleichzeitig mit Induktionsanlagen ausgestattet sind.

Der Bürgersozialpreis der Stadt Würzburg ist mit einem Preisgeld von 1500 Euro dotiert. Die Preisgelder stammen aus einer Spende des Lions Clubs Würzburg-West von 1000 Euro sowie aus städtischen Mitteln. Leider konnte in diesem Jahr die Verleihveranstaltung des Bürgersozialpreises aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen nicht stattfinden. Das Aktivbüro der Stadt Würzburg plant jedoch, die Würdigung nachzuholen.

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