WÜRZBURG

Stadtbücherei: Super-Team auf (zu) engem Raum

Hätte gerne mehr Platz: Anja Flicker, die Leiterin der städtischen Max-Heim-Bücherei im Falkenhaus.
Foto: Daniel peter | Hätte gerne mehr Platz: Anja Flicker, die Leiterin der städtischen Max-Heim-Bücherei im Falkenhaus.

Nach wie vor gehört die Würzburger Stadtbücherei zu den vier besten der 92 Großstadtbüchereien in Deutschland. „Verantwortlich für die guten Zahlen ist vor allem ein Super-Team, das Super-Arbeit leistet“, sagt Anja Flicker, Leiterin der Max-Heim-Bücherei im Falkenhaus.

684 Veranstaltungen fanden 2013 in den Räumen der Bücherei statt, die Nachfrage ist immens, zieht die Büchereichefin Bilanz. „Der Bedarf wird größer, also muss auch das Angebot wachsen. Viele kommen zu uns, weil wir parteipolitisch und konfessionell unabhängig sind und Medien- und Informationskompetenz vermitteln, man braucht nur einen Büchereiausweis.“

Rund 40 Mitarbeiter hat die Bücherei derzeit. Nicht nur personell, sondern inzwischen auch räumlich sei man an Grenzen geraten, sagt die Leiterin: „Wir arbeiten am Anschlag.“ Denn zu den eigenen, von der Bücherei organisierten 684 Veranstaltungen finden in den Räumen im Falkenhaus noch etliche sogenannte Lernwerkstätten in Kooperation mit Schulen und der Volkshochschule statt.

„Derzeit finden fast alle Veranstaltungen auf den Ausleihflächen statt.“
Anja Flicker Leiterin der Stadtbücherei

Die 3000 Quadratmeter der Bücherei inklusive Lesecafé und Max-Dauthendey-Saal reichen nicht mehr aus, sagt Flicker: „Wir brauchen nach den Standardwerten des Bibliotheksverbandes für eine Stadt dieser Größe inzwischen rund 4500 Quadratmeter.“ Die Fläche, die die Stadtbücherei derzeit im Falkenhaus für ihre Regale und Leseecken zur Verfügung hat: 3000 Quadratmeter. „Die jetzige Bücherei wurde Mitte der 90er Jahre geplant und ausgerichtet, das langt nicht mehr.“ Nicht zuletzt, weil sich das Bildungsverhalten geändert habe: „Die Menschen kommen zum Lernen in die Bücherei. Und wir bieten hier nicht nur Bücher, wir können noch viel mehr Wissen vermitteln.“

Wichtig seien Räume, die „man auch mal so lassen kann, wie sie sind“. Also zum Beispiel ein Raum für Lesungen, in dem Tonanlage und Beamer fest installiert seien und in dem man nicht vor jeder Lesung auch die Bestuhlung auf- und anschließend wieder abbauen müsse. „Derzeit finden fast alle Veranstaltungen auf den Ausleihflächen statt“, sagt Anja Flicker.

Wichtig ist der Leiterin auch die Ausstattung der Bücherei mit sogenannter RFID-Technik, wie es sie zum Beispiel in den Büchereien in Höchberg oder Dettelbach schon gebe. Mit ihrer Hilfe können Bücher automatisch ausgeliehen und vor allem automatisch zurückgegeben und sortiert werden. „Dies würde den Mitarbeitern Zeit für andere Tätigkeiten frei machen, zudem wären wir bei der Bücherrückgabe nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden“, erläuterte die Bücherei-Chefin.

Platz wäre im Falkenhaus ja eigentlich genug. In den Räumen im Untergeschoss lagern Bauakten aus dem Rathaus, für Tourist-Info und den kleinen Pralinenladen im Erdgeschoss ließe sich sicherlich ein anderes Domizil finden. Und wer den Innenhof genau betrachtet, könnte sich eine denkmalgerechte verglaste Überdachung vorstellen, die ihn ganzjährig nutzbar machen würde.

„Die Platzprobleme sind bekannt, darunter leiden wir im Rathaus, in den Schulen und eben auch in der Bücherei“, sagt Muchtar Al Ghusain, der städtische Kulturreferent, „da werden wir auch so schnell keine Antworten darauf finden.“ Man beschäftige sich im Rathaus schon seit einiger Zeit mit dieser Problematik. „Wir prüfen erste Ideen, das gibt es aber noch nichts Konkretes, wir stehen noch zu sehr am Anfang.“

Eine Verlegung der Tourist-Info sei zwar ein Bestandteil seines Wahlprogramms bei der Oberbürgermeisterwahl gewesen, sagt Al Ghusain. „Das wäre eine Option, die könnte ich mir gut an der Touristenmeile zwischen Residenz und Dom etwa in der Mozartschule vorstellen“. Aber auch da gebe es derzeit keine Überlegungen, auch wenn die Fläche im Falkenhaus gut für die Bücherei geeignet sei. „Wie gesagt, wir sammeln Ideen, da ist es noch viel zu früh, um etwas konkretes zu sagen.“

Stadtbücherei-Statistik

Zahlen aus der Bilanz 2013:

• Statistisch besuchte jeder Würzburger die Stadtbücherei im Falkenhaus fast fünfmal – oder eine der Stadtteilbibliotheken.

• Trotz der Möglichkeit der virtuellen Ausleihe bei e-medienfranken ist die Stadtbücherei weiter ein gern besuchter und genutzter Ort: 594 362 Besucher kamen 2013 insgesamt.

• An jedem Öffnungstag kamen im Schnitt 2153 Besucher.

• Rein rechnerisch hat sich jeder Würzburger im vergangenen Jahr acht Mal an Büchern, Blu-rays oder E-Books bedient. Anders gesagt: Jedes Medium wurde 5,6mal entliehen – deutlich häufiger als im Bundesschnitt (4,9).

• Über eine Million Entleihungen

verbuchte die Stadtbücherei 2013.

Trotz der dreiwöchigen Schließzeit während der Parkettsanierung in den Sommerferien gab es praktisch keine Einbußen.

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