Würzburg

Unternehmerfamilie Freier kauft das Bürgerspital-Hochhaus

Die meisten Senioren sind in das Wohnstift der Stiftung ans Hubland gezogen. Die neuen Besitzer planen Wohnungen, doch was genau mit dem Haus passiert, ist noch offen.
Hat nach 45 Jahren einen neuen Besitzer: das ehemalige Senioren-Hochhaus des Bürgerspitals in der Königsberger Straße in der Sanderau. 
Foto: Thomas Obermeier | Hat nach 45 Jahren einen neuen Besitzer: das ehemalige Senioren-Hochhaus des Bürgerspitals in der Königsberger Straße in der Sanderau. 

Ein markantes Gebäude in der Stadt hat einen neuen Besitzer. Die Freier Besitzgesellschaft (FBG), hinter der die Familie von s.Oliver-Gründer und -Chef Bernd Freier steht, hat das ehemalige Seniorenstift des Bürgerspitals in der Sanderau, das Hochhaus mit dem bekannten Dachcafe in der obersten Etage, erworben. Das hat Gregor Handreke von der Freier Besitzgesellschaft der Redaktion bestätigt. 

Ursprünglich hatte die Bürgerspital-Stiftung eine Sanierung des 45 Jahre alten Hochhauses in der Königsberger Straße geplant, das 16-stöckige Gebäude dann aber verkauft. Über den Kaufpreis gibt es keine Informationen. Viele der rund 175 Senioren, die in dem Haus lebten und ein Zimmer oder Appartement gemietet hatten oder im Pflegebereich waren, sind Ende vergangenen Jahres in das neue, nach dem Gründer des Bürgerspitals benannten Seniorenwohnstift von Steren, ans Hubland umgezogen. Seitdem steht das Haus leer.

Planen in enger Abstimmung mit der Stadt

Was die neuen Eigentümer mit dem Hochhaus vorhaben? "Es ist ein interessantes Grundstück und ein hochinteressantes Gebäude. Da können wir uns vieles vorstellen", sagt Handreke. Schwerpunkt werde natürlich das Thema Wohnen sein -"doch es geht auch darum, was der Stadtteil braucht", betont er.  Man wolle das Projekt in enger Abstimmung mit dem Rathaus entwickeln, Gespräche habe es schon gegeben. Wenn beispielsweise ein Kindergarten benötigt werde, sei vorstellbar, diesen in die Anlage zu integrieren. Die entstehenden Wohnungen würden nicht verkauft, sondern vermietet.

"Es ist ein interessantes Grundstück und ein hochinteressantes Gebäude. Da können wir uns vieles vorstellen."
Gregor Handreke, Freier Besitzgesellschaft

Doch vieles sei derzeit noch offen, erklärt Handreke.  Auf jeden Fall sei man bestrebt, den Park und möglichst viele Bäume des Areals zu erhalten. Bis Mitte des Jahres will die Freier Besitzgesellschaft ihre Vorstellungen und Pläne der Stadtbildkommission vorlegen. "Mitte bis Ende nächsten Jahres könnte dann Baubeginn sein", gibt Handreke einen Ausblick auf einen möglichen Zeitplan.  

Weshalb er das Kaufobjekt für "interessant" hält? "Es ist ein grünes Grundstück in toller Lage." Die stadtnahe ÖPNV-Anbindung und gleichzeitige Nähe zum Main sowie die vorhandene Nahversorgung nennt Handreke als Kaufanreize - und das Ganze vor dem Hintergrund, "dass die Familie Freier gerne in ihre Heimatstadt investieren möchte".            

In seiner Heimatstadt hat Bernd Freier schon viel investiert  

Das hat der 72-jährige Selfmade-Milliardär Bernd Freier, dessen Mode-Imperium 1969 mit der Sir Oliver-Herrenboutique in der Herrnstraße seinen Anfang nahm, in den vergangenen zehn Jahren reichlich getan: Im  Oktober 2009  wurde der s.Oliver Flagshipstore am oberen Marktplatz  eröffnet, 2014 nahm an der Ecke Marktplatz/Eichhornstraße das neu gebaute Geschäftshaus Hof Emeringen mit Zara und Goertz als Hauptmieter seinen Betrieb auf, im rückwärtigen Teil entstand der alte Hof Emeringen weitgehend orginalgetreu wieder. 2016 baute die Freier Besitzgesellschaft auf dem ehemaligen Gelände der Sektkellerei Oppmannin der Martin-Luther-Straße eine Anlage mit 55 Mietwohnungen, 2017 das  Vier-Sterne-plus Hotel Melchior-Parkam Hubland und ein Jahr später in der Nachbarschaft sechs Wohnhäuser mit 85 Mietwohnungen.

Die Bürgerspital-Stiftung wollte eigentlich sanieren

Und jetzt ist das Bürgerspital-Hochhaus in der Sanderau das nächste Freiersche Investitionsprojekt, nachdem die Bürgerspital-Stiftung auf eine Sanierung des Hauses verzichtete und das Haus verkaufte. Man habe untersuchen lassen, wie hoch die Kosten für die Sanierung wären und ob diese im bewohnten Zustand erfolgen könne, erklärt leitende Stiftungsdirektorin Annette Noffz gegenüber der Redaktion. Das Ergebnis der Untersuchung sei gewesen, dass eine Sanierung im bewohnten Haus nicht möglich sei. Unter anderem hätten in dem im Dezember 1974 eröffneten Gebäude neben den Fenstern und Fassaden auch die Aufzüge und die Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert werden müssen.  Daraufhin beschloss man, am Hubland ein entsprechendes Gebäude zu errichten und das Hochhaus in der Sanderau zu verkaufen. 

Das neue Wohnstift von Steren der Bürgerspital-Stiftung am Hubland.
Foto: Thomas Obermeier | Das neue Wohnstift von Steren der Bürgerspital-Stiftung am Hubland.

Dort gab es 125 Appartements, in denen rund 150 Senioren lebten und einen Pflegebereich mit durchschnittlich 25 Bewohnern. Das neue Seniorenwohnstift des Bürgerspitals in der Rottendorfer Straße am Hubland bietet ähnlich viel Platz wie das Hochhaus: "Hier haben wir 119 Appartements unterschiedlicher Größe und einen Pflegebereich mit 36 Einzelzimmern. Bis auf zwei Appartements und ein Pflegezimmer sind mittlerweile alle Räumlichkeiten belegt", erklärt Noffz.

Anfang April offizielle Eröffnung des neuen Seniorenstiftes 

Der Umzug erfolgte im vergangenen November. Anfang April soll das neue Seniorenwohnstift von Steren offiziell eröffnet werden. Einige Bewohner aus dem Hochhaus in der Sanderau zogen in die beiden anderen Einrichtungen des Bürgerspitals, ins Robert Krick-Wohnstift und in das Seniorenwohnstift Frauenland, einige in Einrichtungen anderer Träger. In den drei Seniorenwohnstiften des Bürgerspitals mit betreutem Wohnen und vielen Serviceangeboten leben insgesamt rund 300 ältere Menschen. Daneben betreibt die Spital-Stiftung die Seniorenheime Ehehaltenhaus/St. Nikolaus, St. Maria und Hueberspflege, in denen rund 350 Menschen stationär gepflegt werden. 

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