Unterpleichfeld

Vom Bauhof auf den Bürgermeistersessel

Bürgermeister Alois Fischer ist stolz auf den Neubau des Gemeindebauhofs in Unterpleichfeld.
Foto: Marcus Meier | Bürgermeister Alois Fischer ist stolz auf den Neubau des Gemeindebauhofs in Unterpleichfeld.

Als Alois Fischer im März 2014 im Rathaus von seinem Wahlsieg erfährt, besteht der Kandidat der Freien Wähler (FW) darauf, dass die Stimmen nochmals nachgezählt werden. „Als Fan von Schalke 04 bin ich da sehr vorsichtig“, betont der 45-Jährige rückblickend. Sein Lieblings-Bundesligaverein war 2001 für fünf Minuten Deutscher Meister, ehe ein Treffer auf dem gegnerischen Platz alle Träume platzen ließ. Beim Wahlabend in Unterpleichfeld passiert das nicht.

Auch beim Nachzählen setzt sich Alois Fischer mit 55 Prozent gegen den langjährigen Amtsinhaber Fredy Arnold durch. Nach 66 Jahren gelingt es ihm, die lange Riege der CSU-Bürgermeister in der 3200 Einwohner zählenden Gemeinde abzulösen.

Fischers Wahlsieg vorausgegangen war viel Vorbereitungsarbeit. 5000 Flyer hat der gebürtige Unterpleichfelder im Wahlkampf verteilt, 250 Plakate aufgehängt, in unzähligen Hausbesuchen die Wünsche der Bürgern erfragt. Mit Erfolg: Am Ende liegt der langjährige Bauhofmitarbeiter der Gemeinde mit rund 180 Stimmen vorn und löst seinen bisherigen Chef auf dem Bürgermeistersessel ab. Zudem stellen die FW neben Fischer sechs Gemeinderäte unter den insgesamt 14 Mitgliedern aus den Gemeindeteilen Unterpleichfeld, Burggrumbach und Hilpertshausen.

Schon Fischers Urgroßvater und Namensvetter Alois engagierte sich vor dem Krieg als zweiter Bürgermeister in Unterpleichfeld. Politisch aktiv waren seine beruflich in der Landwirtschaft tätigen Eltern allerdings kaum. Alois Fischer wächst in den 70er Jahren in „Pläfeld“ nur einige hundert Meter vom Rathaus entfernt auf. Nach der Schule ist damals der Sportplatz erster Anlaufpunkt der Dorfjugend. Neben dem Fußballspielen beim TSV ist der Landwirtssohn eifriger Ministrant und später aktives Mitglied der Feuerwehr. „Das war damals selbstverständlich und hat dazugehört“, schwärmt er von Zeiten, als man als Jugendlicher seine Freizeit weitgehend im Freien und an der frischen Luft verbrachte.

Bevor er in der Landwirtschaft des Vaters mitarbeitet, der Weiß- und Blaukraut und später Zuckerrüben und Getreide anbaut, steht 1985 in Würzburg die Ausbildung zum staatlichen Forstwirt an. Dort zeigt der Auszubildende Fischer erstmals Profil, als er sich mit Kollegen weigert, 50 Meter hohe und 160 Jahre alte Buchen zu fällen.

Nach der bestandenen Abschlussprüfung geht es 1988 bei der Gemeinde Unterpleichfeld weiter. „Es standen an unserem Hof viele Investitionen an“, erzählt Alois Fischer. „Da war das Angebot der Gemeinde die bessere Option.“ Als Mitarbeiter des Unterpleichfelder Bauhofs ist er fortan für den Wasser- und Forstbereich verantwortlich. Später übernimmt er den elterlichen Hof als Nebenerwerbslandwirt. Zudem bekommt er erste Einblicke in die politische Arbeit, wenn er bei Sitzungen des Gemeinderats zu seinem Verantwortungsbereichen Stellung nimmt.

So richtig aktiv wird Alois Fischer bei den Freien Wähler vor acht Jahren. Als Mitglied des Stammtischs „Die Sonntagshocker“ erfährt er, dass sein langjähriger Stammtischkollege Georg Issing nicht mehr für den Gemeinderat antritt. Fischer lässt sich für die Freien Wähler aufstellen und wird mit einem sehr guten Stimmergebnis in den Gemeinderat gewählt. Gegen die CSU-Mehrheit von elf Gemeinderäten sind die Möglichkeiten, in Unterpleichfeld etwas zu bewegen, für die drei FW-Räte in dieser Zeit begrenzt.

„Der Ort trat auf der Stelle und ich wollte etwas dagegen tun“, begründet Alois Fischer seine Motivation, sich im Februar 2013 für eine Bürgermeisterkandidatur gegen Amtsinhaber Fredy Arnold von der CSU zu entscheiden. Früh beginnt er seinen Wahlkampf zu planen, am 16. März 2014 erringt er den Wahlsieg, der mit Freibier im Sportheim gefeiert wird.

Viel tun muss Unterpleichfelds neuer Bürgermeister dann gleich an seinem ersten Tag im Amt. Am 1. Mai fährt ein Omnibus in eine Halle und er muss dafür sorgen, dass eine Baufirma die Unfallstelle sichert und die B19 wieder befahren wird.

In den vergangenen zwei Jahren seiner Amtszeit hat die Gemeinde inzwischen, so ist Fischer überzeugt, viele wichtige Projekte realisiert oder zumindest in Planung: der Neubau des Bauhofs und die Sanierung des Burggrumbacher Kindergartens sind abgeschlossen. Die Dorfplatzerneuerung, der Bau einer Kinderkrippe und die Planungen für das neue Gemeinde- und Kulturzentrum stehen ganz oben auf der Agenda des Bürgermeisters.

Überhaupt habe Unterpleichfeld viele Eigenschaften, um die man den Ort beneiden könne, stellt Alois Fischer klar: „Allein landwirtschaftlich sind wir die Nummer eins weit und breit.“ Rund 25 Vollerwerbs-Landwirte und sieben Biogasanlagen sprächen für sich. Unterpleichfeld sei zudem die einzige vollständig gentechnikfreie Anbauzone in ganz Unterfranken. Es gebe in der Gemeinde kaum Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität, dafür ein gutes Miteinander im Ort, auch mit den etwa 70 Flüchtlingen oder Hunderten von Saison-Gastarbeitern zur Erntezeit.

„Wir haben keine Opposition, wir haben einen Gemeinderat“, appelliert Alois Fischer zum Beginn seiner Amtszeit für eine konstruktive Atmosphäre bei den Sitzungen. Das klappt in der Mehrheit der Fälle. „80 Prozent unserer Entscheidungen sind einstimmig, beim Rest wird auch mal kontrovers diskutiert.“

Befragt nach seinem Lebensmotto ist der Bürgermeister pragmatisch: „Verlange nichts von anderen, was Du selbst nicht bereit bist zu leisten.“ Und dann gibt der Bürgermeister noch eine Lausbubengeschichte zum Besten: Als Schüler der 5. Klasse in Opferbaum spielte er einem Lehrer einen Streich. Den vor der Schule geparkten Citroen 2CV tragen Alois Fischer und fünf Mitschüler auf?s nahe gelegene Feld und verstecken die „Ente“ unter viel Heu. Der Lehrer allerdings fand das Ganze damals nur bedingt witzig. Er lässt die Übeltäter ein elf Seiten langes Gedicht von Theodor Fontane auswendig lernen. „Das habe ich jahrelang noch gekonnt“, erinnert sich der Bürgermeister und schmunzelt.

Sechs Fragen

1. Welches Lied passt als „Filmmusik" zu ihren ersten Erfahrungen als Bürgermeister?

Alois Fischer: Eye of the Tiger (von Survivor), der Titelsong für den Film Rocky III. Dahinter steht, dass man für das, was man erreichen will, hart kämpfen muss.

2. Welcher Teil des Bürgermeisteramtes ist für Sie der Schönste?

Fischer: Die Freude und Anerkennung der Bürgerinnen und Bürger zu spüren, die ich als Bür-germeister zu Anlässen wie Geburtstagen oder Jubiläen besuche. 3. Welcher Teil des Bürgermeisteramtes ist für Sie der Anstrengendste?

Fischer: Die Altlasten in Bezug auf den Abwasserzweckverband und die Entro GmbH. Die end-losen Diskussionen und zähen Verhandlungen entsprechen nicht meiner Gangart. 4. Welche Lektion haben Sie als Bürgermeister bereits lernen müssen?

Fischer: Dass ich meine Gangart auch mal zügeln muss.

5. Was würden Sie einem Freund

raten, der zu Ihnen kommt und sagt: Ich will Bürgermeister werden?

Fischer: Mach? es, wenn Du Mut, ein dickes Fell und die nötige Zeit hast. Aber nicht in Unterpleichfeld.

6. Welche Kompetenz Ihres gelernten Berufes können Sie im Bürgermeisteramt am besten gebrauchen?

Fischer: Meine Erfahrungen aus 25 Jahren im Gemeindebauhof und der erfolgreichen Betriebsführung meiner Landwirtschaft.

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