Ochsenfurt

Vor knapp 600 Jahren: Die Ochsenfurter ziehen in den Bürgerkrieg

Die Miniatur aus der Frieschronik zeigt das mit Harnischen, Langspießen und Sturmhauben gerüstete Fußvolk des Bischofs vor Ochsenfurt. Zwischen den Ecktürmen erhebt sich mit Stufengiebel das Palatium des Domkapitels, das oben als Standfigur bis heute den Hl. Kilian trägt. Links ist die Pfarrkirche St. Andreas zu sehen, vor dem Stadttor liegt das kleine Zollhaus aus Fachwerk, unten am Main die Mühle mit zwei  Mühlrädern.
Foto: A. Bestle | Die Miniatur aus der Frieschronik zeigt das mit Harnischen, Langspießen und Sturmhauben gerüstete Fußvolk des Bischofs vor Ochsenfurt.

Einer der umstrittensten mittelalterlichen Bischöfe Würzburgs war Johann von Brunn, der als geistlicher Hirte und Landesfürst von 1411 bis 1440 regierte. Seine negative Bewertung geht nicht zuletzt auf den Würzburger Chronisten Lorenz Fries zurück.

Absetzung des Bischofs

Auf dem Konzil von Basel (1431-1449) betrieben das Würzburger Domkapitel, dem Ochsenfurt unterstand, der Adel des Hochstifts und die Stadt Würzburg die Absetzung ihres kämpferischen Landesherrn. Vorwürfe waren skandalöse Lebensführung – der Bischof hatte eine Geliebte namens Catharina Suppan und mit ihr mehrere Kinder – , Verschleuderung von Stiftsgut und extreme Verschuldung des Landes.

Der hohe Schuldenstand war allerdings nicht zuletzt durch die zahlreichen Fehden der Amtsvorgänger zustande gekommen. 1432 wurde er schließlich in einem Baseler Schiedsspruch gezwungen, die Regierung niederzulegen. Er sollte immerhin eine beträchtliche Versorgung von 3000 Goldgulden Jahresrente erhalten.

Doch Johann lehnte ab, erreichte 1433 ein Dekret des Konzils gegen Domkapitel und Würzburger Bürgerschaft, dass ein Kompromiss zu finden sei. Der Domherr Graf Johann von Wertheim sollte als Pfleger stellvertretend die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Plötzlich starb dieser jedoch – angeblich auf Geheiß des Bischofs vergiftet. Johann widersprach unter Eid und erhielt die wichtigsten Befugnisse zurück. Der sogenannte Rundvertrag von Schweinfurt 1435 legte jedoch wiederum eine Beschränkung seiner Regierungsrechte fest, diesmal zugunsten von Adel und Domkapitel.

Ochsenfurt belagert

Der Konflikt wurde nun mit Waffen ausgetragen: vor Würzburg, Karlstadt und Ochsenfurt kam es zu offenen Kämpfen gegen die eigenen Bürger. Fries berichtet über die Ereignisse vor Ochsenfurt.

Um die Stadt zu belagern, zog Graf Wilhelm von Henneberg mit Bischof Johann auf diesen Kriegszug. Unterstützt von ihren Einwohnern wurde die domkapitelsche Stadt von Graf Michael von Wertheim verteidigt. Bischof Johann ließ alle Weinberge plündern – der Schaden soll bei 1000 Gulden gelegen haben.

Die Ochsenfurter Bürger warteten allerdings nicht ab. Bewaffnet wagten sie überraschend einen Ausfall, drangen ins bischöfliche Lager ein, erstachen etliche Feinde und erbeuten mehrere schwere Geschütze, die sie in die Stadt zogen. Ochsenfurt konnte somit nicht eingenommen werden.

Eine Miniatur aus der Frieschronik zeigt das mit Harnischen, Langspießen und Sturmhauben gerüstete Fußvolk des Bischofs vor der Stadt. Diese wohl früheste Ansicht ist für die damalige Zeit weitgehend wirklichkeitstreu.

Einige Domkapitulare und die Würzburger Bürgerschaft versuchten in Basel erneut, aber vergeblich, die Absetzung ihres Bischofs. Der Streit kam 1438 schließlich vor König Albrecht II. In einem Schiedsspruch konnte im folgenden Jahre das Domkapitel Bischof Johann als neuen Stiftspfleger Herzog Sigmund von Sachsen aufzwingen.

Text: Ulrich Wagner

In loser Folge veröffentlicht die Redaktion Beiträge zur Ochsenfurter Stadtgeschichte. Der Autor, Ulrich Wagner, ist ehemaliger Leiter des Stadtarchivs Würzburg.

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