Würzburg

Vor Konsulat in Würzburg: Journalisten-Protest gegen Verfolgung

Er vertritt weißrussische Interessen in Bayern. Doch über Menschenrechtsverletzungen in Belarus will Konsul Markus Burtscher mit dem Journalisten-Verband nicht sprechen.
Eine Delegation des Bayerischen Journalisten-Verbandes protestierte vor dem Sitz des weißrussischen Honorarkonsuls in Würzburg gegen die Verfolgung und Unterdrückung in Belarus.
Foto: Ulises Ruiz | Eine Delegation des Bayerischen Journalisten-Verbandes protestierte vor dem Sitz des weißrussischen Honorarkonsuls in Würzburg gegen die Verfolgung und Unterdrückung in Belarus.

Mit einer Aktion vor dem Büro des weißrussischen Honorarkonsuls in Würzburg hat der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) am Freitag gegen die Verfolgung und Inhaftierung von Journalistinnen und Journalisten in Belarus protestiert. Als Zeichen der Solidarität ließen BJV-Vorsitzender Michael Busch und weitere Verbandsvertreter 100 weiße und rote Luftballons mit Protestkärtchen ("Journalismus ist kein Verbrechen" ) in den Himmel steigen. Die Farben stehen für den Widerstand gegen das diktatorische Regime von Alexander Lukaschenko.

Seit einem Jahr weißrussischer Honorarkonsul mit Sitz in Würzburg

Honorarkonsul Markus Burtscher lehnte ein Gespräch mit dem Journalisten-Verband ab und verwies schriftlich auf das weißrussische Generalkonsulat in München sowie die Botschaft in Berlin. Auch auf eine Anfrage dieser Redaktion reagierte er am Freitag nicht.

Burtscher ist seit Januar 2020 ehrenamtlicher Honorarkonsul von Belarus mit Büro im Skyline Hill Center des städtischen WVV-Konzerns am Würzburger Hubland. Ansonsten fungiert er als Geschäftsführer der IQM Technology GmbH mit Sitz in Röthlein (Lkr. Schweinfurt) und der in Wien ansässigen Cotton Solution GmbH, beides Firmen der Textil- und Bekleidungsindustrie.

Eintreten für die Pressefreiheit: Diese Solidaritätskärtchen (hier mit BJV-Vertreter Ralph Bauer) trugen 100 weiße und rote Ballons in den Würzburger Himmel. Der starke Westwind trieb sie zumindest in Richtung Belarus.
Foto: Ulises Ruiz | Eintreten für die Pressefreiheit: Diese Solidaritätskärtchen (hier mit BJV-Vertreter Ralph Bauer) trugen 100 weiße und rote Ballons in den Würzburger Himmel. Der starke Westwind trieb sie zumindest in Richtung Belarus.

In Bayern gibt es derzeit 127 Konsulate – davon 45 General- und 82 Honorarkonsulate, die meisten in München und Umgebung . "Diese Vielzahl an offiziellen Repräsentanzen betont den hohen, internationalen Stellenwert des Wirtschaftsstandortes Bayern", heißt es aus der Staatskanzlei.

Burtscher ist laut eigenen Angaben zuständig für die konsularische Betreuung weißrussischer Bürger in Bayern. Außerdem wolle er die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Freistaat und Belarus fördern. So organisierte er vor zwei Jahren in Würzburg zusammen mit dem Generalkonsulat sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt ein "Rundgespräch" zum Thema "Belarus – Neue Geschäftsmöglichkeiten".

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In einem Offenen Brief an den Honorarkonsul hatte der Bayerischen Journalistenverband vor wenigen Wochen die systematische Verfolgung von Journalisten in Belarus verurteilt. Man sei angesichts der dortigen aktuellen Entwicklungen "geschockt und entsetzt".

Klingeln am weißrussischen Honorarkonsulat: Auch der Main-Post-Vertreter fand am Freitag keinen Zugang.
Foto: Ulises Ruiz | Klingeln am weißrussischen Honorarkonsulat: Auch der Main-Post-Vertreter fand am Freitag keinen Zugang.

Burtscher wird in dem Brief aufgefordert, sich für die Wiederherstellung rechtsstaatlicher Prinzipien einzusetzen. Kritische Journalisten im Land würden drangsaliert und inhaftiert, wie etwa die beiden Reporterinnen Catarina Andreeva und Darja Chulcova. "Sie haben nichts anderes getan, als ihren Beruf auszuüben und Bericht zu erstatten", heißt es. Der Prozess gegen die beiden Journalistinnen sei eine rechtsstaatliche Farce. 

Journalisten-Verband kritisiert: "Geld wichtiger als Moral"

Mit der Aktion vor dem Würzburger Honorarkonsulat wollte der BJV am Freitag ein Zeichen setzen und gegen die Festnahme von Kolleginnen und Kollegen in Belarus protestieren. BJV-Chef Michael Busch nannte weitere Namen.

"Die Welt schaut mit Wut und Verachtung auf das, was in Weißrussland passiert", sagte der stellvertretende Vorsitzende des deutschen Journalisten-Verbandes, Wolfgang Grebenhof. Er kritisierte, dass sich der Konsul dem Gespräch nicht stelle. Geld sei offenbar wichtiger als Moral. Das Regime in Minsk habe "Angst vor der Macht der Worte, Bilder und der Wahrheit".

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