Ochsenfurt

Vor rund 500 Jahren: Als der Bauernkrieg nach Ochsenfurt kam

Burgen, Stifte sowie Klöster wurden von den Aufständischen geplündert und niedergebrannt.
Foto: Hauptstaatsarchiv München | Burgen, Stifte sowie Klöster wurden von den Aufständischen geplündert und niedergebrannt.

Ziemlich genau 500 Jahre sind es her, dass sich Bürger und Bauern in Franken gegen ihre Obrigkeit zur Wehr setzten – es war eine Revolution auf deutschem Boden.  Die Gründe für den allgemeinen Aufstand waren vielfältig. Eine Agrarkrise verschlechterte die wirtschaftlichen Bedingungen für die Landbewohner. Die Bevölkerung wuchs, nicht jedoch die zur Versorgung nötige Anbaufläche.

Zunehmende Steuerlasten gegenüber Landesherrn, Bischof sowie Domkapitel, Stifte, Klöster und nicht zuletzt Adel führten zu beträchtlichen Einkommensverlusten. Die neue Auslegung des Evangeliums durch Martin Luther erlaubte es nun jedoch den Untertanen, ihre Nöte und deren Abschaffung als sittlich berechtigte Forderungen vorzubringen.

Die Burgen des Adels wurden zerstört

Im Würzburger Herrschaftsgebiet, dem sogenannten Hochstift, erhoben sich die Untertanen am 1. April 1525 in Markt Bibart im Osten des Territoriums. Der rasch Zulauf findende sogenannte Rothenburger Haufen, eine bewaffnete und gerüstete Kampfeinheit, auch Taubertaler Haufen genannt, zerstörte auf seinem Weg nach Würzburg die Burgen des Adels.

Das Würzburger Domkapitel als Stadtherr sandte zu Beginn der Aufstände drei Domkapitulare nach Ochsenfurt, damit diese den Stadtrat vor einem Anschluß an die Bauern abhalten sollten. Dort wurden angeblich bereits Schmählieder gesungen. Da die Domherren erst abends angeritten kamen, ließ man sie nicht mehr durch das Stadttor, sie mussten außerhalb campieren. Die Begründung war, man wisse zurzeit nicht, wer Freund oder Feind sei! In den späteren Verhandlungen hielt man sich bedeckt. Man scheute noch einen offenen Anschluss an die Aufständischen.

Siegel des sogenannten Taubertaler Haufens mit Bundschuh, Pflugschar, Gabel und Dreschflegel, den bäuerlichen Werkzeugen.
Foto: Ulrich Wagner | Siegel des sogenannten Taubertaler Haufens mit Bundschuh, Pflugschar, Gabel und Dreschflegel, den bäuerlichen Werkzeugen.

Am 24. April 1525 besetzte der Taubertaler Haufen Ochsenfurt, die Stadt des Domkapitels. Laut dem Würzburger Stadtschreiber Martin Cronthal sollen hier fast 10 000 Mann ihr Lager aufgeschlagen haben. Nach der Besetzung formulierten die Aufständischen ihre Forderungen in der sogenannten „Ochsenfurter Ordnung“, einer Kriegsordnung, die sie am 27. April 1525 veröffentlichten.

Man anerkannte zwar das Domkapitel noch als Stadtherrn, doch wünschte man die Predigt im evangelischen, d.h. lutherischen Sinne. Abgaben und Steuern sollten nur noch insoweit geleistet werden, als sie von der Hl. Schrift abgedeckt seien.  Die Vorrechte des Adels und der kirchlichen Einrichtungen waren zu beseitigen. Jedem Ochsenfurter Einwohner sollte freigestellt sein, sich den Aufständischen anzuschließen.

4000 Bauern wurden getötet

Als die Stadt Würzburg zu den Aufständischen überlief, zog der Bauernhaufen von Ochsenfurt zur Hauptstadt. Am zweimaligen, allerdings vergeblichen Sturm auf die Marienburg beteiligten sich Ochsenfurter Bürger. Sie kämpften ebenso in den beiden Schlachten von Königshofen an der Tauber und zwei Tage später am Pfingstsonntag 1525 in Ingolstadt südlich von Würzburg mit.

Diese Gefechte endeten für die Rebellen jeweils in einem mörderischen Fiasko. Der Chronist Lorenz Fries, Augenzeuge in beiden Angriffen, schreibt, dass allein beim letzten Aufeinandertreffen etwa 4000 Bauern erstochen sowie 400 Wagen und 25 Geschütze erbeutet wurden. Viele Aufständische seien nach Ochsenfurt geflohen, an den Straßen zur Stadt seien massenhaft Leichen gelegen. Insbesondere gegen die kriegserfahrene Reiterei des Adels waren die Fußknechte und die wenig geschulten Geschützmannschaften der Bauern- und Bürgeraufgebote chancenlos. Die Landesherren hatten sich durchgesetzt.

Text: Ulrich Wagner

In loser Folge veröffentlicht die Redaktion Beiträge zur Ochsenfurter Stadtgeschichte. Der Autor, Ulrich Wagner, ist ehemaliger Leiter des Stadtarchivs Würzburg.

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