RANDERSACKER

Wanderweg für die Wanderfische

Mehr als zehn Jahre nach Auftakt der Planungen ist das Umgehungsgerinne an der Staustufe Randersacker endlich fertig. Es ist das erste Bauwerk seiner Art am Main. Die biologische Zustand des Mains und vor allem die Fische werden davon profitieren, ist der Obermeister der Randersackerer Fischerzunft, Hubert Holl, überzeugt.
meg Fischer Rander       -  Aale gehören als Wanderfische zu den Profiteuren des neuen Umgehungsgerinnes an der Randersackerer Staustufe. Beim Fischmarkt am Samstag gehören sie zum festen Angebot, frisch oder geräuchert. Im Bild von links: Erika und Robert Engelhardt, der Obermeister der Randersackerer Fischzunft Hubert Holl und Siegfried Holl.
Foto: FOTO Gerhard Meissner | Aale gehören als Wanderfische zu den Profiteuren des neuen Umgehungsgerinnes an der Randersackerer Staustufe. Beim Fischmarkt am Samstag gehören sie zum festen Angebot, frisch oder geräuchert.

Einem natürlichen Bachlauf nachempfunden, schlängelt sich das Gerinne durch die Flussaue. Vom Beginn oberhalb der Schleuse bis zur Mündung unterhalb der Staustufe misst der Bach 1300 Meter. Zwischen 1000 und 1700 Liter Wasser pro Sekunde soll er befördern. Automatisch geregelte Schieber steuern die Wassermenge abhängig vom Wasserstand des Mains.

Die nahezu undurchdringliche Barriere, die die Staustufe für die Tier- und Pflanzenwelt darstellt, ist damit durchbrochen. Fische, aber auch die für die biologische Qualität des Flusses wichtigen Mikroorganismen können die Sperren nun überwinden.

So zumindest die Theorie. Bisher lief das Wasser nur zur Probe. Einen im September anberaumten Termin für die feierliche Eröffnung hatte das bayerische Umweltministerium kurzfristig abgesagt – die Einladungskarten waren schon verschickt.

In den kommenden Wochen werden die Schieber aufgehen, zuerst nur ein klein wenig, um den künstlichen Graben langsam zu durchfeuchten. Erst wenn die Einsaat genügend Wurzeln gebildet hat und die Böschungen nicht mehr weggespült werden können, darf das Gerinne vollständig in Betrieb gehen.

„Wir setzen große Hoffnungen in das Umgehungsgerinne“, sagt Fischer Hubert Holl. Er ist davon überzeugt, dass die Fische die neue Aufstiegshilfe annehmen. Das lehrt die Erfahrung. Schließlich seien die Fische bei hohem Wasser früher auch in die Mündung des Theilheimer Bachs aufgestiegen.

Viele Fische wandern über weite Strecken. Darunter die Lauben, kleine Weißfische, die zusammen mit Rotaugen und Rotfedern die Grundlage für die Meefischli bieten. Beim Randersackerer Fischmarkt am Samstag, 13. Oktober, gehören sie zu den begehrten Spezialitäten.

Mit den warmen Frühjahrstemperaturen beginnt die Wanderzeit der Fische, berichtet Zunftmeister Holl. In den Monaten Mai und Juni sind die Fische besonders aktiv. Ihr Wandertrieb hängt von der Wassertemperatur und wahrscheinlich auch von den Mondphasen ab, mutmaßt Holl. „Da haben wir noch wenig Erfahrung, weil man das bis jetzt kaum überprüfen konnte“, sagt er. Am Umgehungsgerinne lässt sich die Wanderung der Fische leichter untersuchen. Auch deshalb sind die Fischer gespannt auf die Inbetriebnahme.

Der Aal, bekanntester Wanderfisch im Main, gehört gewiss zu den Profiteuren des neuen Gerinnes. Die schlanken Fische legen von Natur aus große Strecken im Fluss zurück. Geschlechtsreife Tiere lassen sich in den Flüssen zurückfallen und streben ihren Laichplätzen im Meer zu. Viele der Tiere geraten dabei in die Kraftwerksturbinen und werden zerstückelt. Auf natürliche Weise können sich die Aal-Bestände schon lange nicht mehr erhalten, weil die Rückkehr der junge Aalbrut in die Flüsse durch die Stauwehre verbaut ist. Die Umgehungsgerinne nährt zumindest die Aussicht auf geringere Verluste. Dennoch besteht wenig Hoffnung, dass sich der Mainaal eines Tages wieder auf natürlichem Weg vermehren kann.

Das Umgehungsgerinne in Randersacker ist das erste seiner Art im Main. Ob weitere der rund 32 Mainkraftwerke zwischen Viereth und Kostheim bei Mainz mit Umgehungsgerinnen ausgerüstet werden, hängt vom Betreiber ab. Schließlich schmälert das abgezweigte Wasser die Ausbeute an umweltfreundlich erzeugtem Strom.

meg Fischer Rander       -  Einem natürlichen Bach nachempfunden, schlängelt sich das Gerinne durch die Uferlandschaft neben der Staustufe in Randersacker.
Foto: Gerhard Meißner | Einem natürlichen Bach nachempfunden, schlängelt sich das Gerinne durch die Uferlandschaft neben der Staustufe in Randersacker.
meg Fischer Rander       -  Drei automatisch geregelte Schieber leiten je nach dem Wasserstand des Mains zwischen 1000 und 1700 Liter Wasser pro Sekunde in den künstlichen Bach.
Foto: Gerhard Meißner | Drei automatisch geregelte Schieber leiten je nach dem Wasserstand des Mains zwischen 1000 und 1700 Liter Wasser pro Sekunde in den künstlichen Bach.
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