Würzburg

Warum Schulkinder immer schlechter Fahrrad fahren können

Ab Dienstag sind wieder jeden Morgen Kinder auf dem Weg zur Schule, viele mit dem Fahrrad. Doch immer mehr Grundschüler haben Probleme, die Radprüfung zu bestehen. Wieso?
Die Fahrradprüfung in der Grundschule bereitet immer mehr Kindern Probleme.
Foto:  Corbinian Wildmeister | Die Fahrradprüfung in der Grundschule bereitet immer mehr Kindern Probleme.

In Bayern beginnt das neue Schuljahr, und Eltern stehen wieder vor der wichtigen Frage: Sollen sie ihr Kind mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen? Gerade in der dunklen Jahreszeit ist die Unfallgefahr groß. Die Polizei empfiehlt, Kinder nur dann alleine mit dem Rad loszuschicken, wenn sie die Fahrradprüfung in der vierten Klasse erfolgreich bestanden haben. 

Die Radfahrausbildung ist in Bayern seit 15 Jahren verpflichtend und im Grundschul-Lehrplan festgeschrieben. Laut Innenministerium fallen bayernweit jährlich acht Prozent der Kinder durch die Prüfung, die Tendenz ist steigend. Die Zahlen des Polizeipräsidiums Unterfranken bestätigen den Trend für die Region: 2018 nahmen 10.643 Grundschüler an der Prüfung teil - 608 von ihnen (5,7 Prozent) fielen durch. Im Jahr zuvor fielen 472 von 10.655 Kindern durch die Prüfung (4,5 Prozent).

In den Jugendverkehrsschulen werden die Kinder auf das Radfahren im Straßenverkehr vorbereitet. Dafür absolvieren sie in der vierten Klasse eine theoretische und eine praktische Prüfung.

Die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern nimmt immer mehr ab

Vor drei Jahren wertete die Deutsche Verkehrswacht im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen Langzeitstudien aus, die sich mit der motorischen Leistungsfähigkeit bei Kindern befassen. Diese Fähigkeit hat demnach bei Kindern alle 25 Jahre um zehn Prozent abgenommen. Doch gerade beim Radfahren spielt sie eine große Rolle, sagt Martin Kraft von der Deutschen Verkehrswacht, der an der Studie mitgearbeitet hat: "Beim Radfahren gibt es große Anforderungen an die Gleichgewichtsfähigkeit, das Reaktionsvermögen und die Koordination, da viele Wahrnehmungen und Reize gleichzeitig verarbeitet werden. Wenn das nicht gelingt, ist die Folge eine deutlich unsichere Fahrweise."

Für diese Entwicklung gebe es viele Ursachen. "Schulische Förderung auch am Nachmittag, zu viel Medienkonsum, übervorsichtige Eltern - insgesamt ist wohl unsere gesamte moderne Lebensweise dafür verantwortlich zu machen", sagt Kraft. Sein Rat an Eltern: Kinder zu Bewegungsspielen anregen und öfters gemeinsame Radtouren unternehmen.

Kinder müssen frühzeitig Fahrrad fahren lernen

Laut Polizeihauptkommissar Rainer Hellmann sieht die Durchfallquote in Würzburg etwas besser aus: Rund vier Prozent der Grundschüler fallen jährlich durch die Prüfung, sagt der Verkehrserzieher. Auch er berichtet von motorischen Defizite der Kinder beim Radfahren. Für Hellmann gibt es allerdings einen weiteren Grund für das Durchfallen: "Abnehmende Konzentrationsfähigkeit ist meiner Meinung nach die Hauptursache für ein Nichtbestehen der Fahrradprüfung. Vor allem wenn es darum geht, bei neuen Lerninhalten aufzupassen und diese dann praktisch umzusetzen", sagt Hellmann.

Der Verkehrserzieher rät Eltern, ihren Kindern frühzeitig das Radfahren beizubringen: Schon im Kindergartenalter empfehle es sich, mit einem Laufrad zu üben. "Die Kinder lernen, das Gleichgewicht zu halten und stellen fest, dass sie auf zwei Rädern schneller vorankommen. Dieses positive Erlebnis werden sie dann mit einem eigenen Fahrrad weiter praktizieren."

Die Zahl der Radunfälle auf dem Schulweg ist in der Region indes so niedrig wie lange nicht mehr: Nach Angaben des Polizeipräsidiums Unterfranken kam es im vergangenen Jahr zu insgesamt 39 Schulwegunfällen. Dabei wurden 40 Kinder verletzt, 14 Unfallbeteiligte waren Radfahrer. Die gute Nachricht: Seit Jahren ist in Unterfranken kein Kind mehr auf dem Schulweg ums Leben gekommen.

Tipps des Polizeipräsidiums Unterfranken zum Schulanfang:
Sehen und gesehen werden: Sichtbarkeit ist das A und O. In der dunklen Jahreszeit sorgen helle und bunte Kleidung sowie Reflektoren auf Jacken und Schulranzen für eine bessere Sichtbarkeit der Kinder.
Übung macht den Meister: Die Polizei rät, den Weg zur Schule mehrmals abzulaufen, damit die Kinder schon an die Route gewöhnt sind. Außerdem sollte man nicht den kürzesten Schulweg wählen, sondern den sichersten.
Keine Hektik enstehen lassen: Auch für die Eltern ist am ersten Schultag alles neu. An den ersten Tagen sollte man früh genug aufstehen, damit man sich ohne Zeitdruck auf den Weg machen kann.
Kindersicherung im Auto: Wer sein Kind mit dem Auto zur Schule bringt, muss es stets ordentlich sichern. Bequemlichkeit und Zeitersparnis sind keine Ausrede.
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