Würzburg

Was aus der Initiative für traumatisierte Flüchtlinge wird

Der Spendenfonds ist bald aufgebraucht und ab Januar soll sich einiges ändern. Wie geht es jetzt weiter mit der Initiative für traumatisierte Flüchtlinge?
Die Initiative für traumatisierte Flüchtlinge will den Betroffenen helfen, ihr Leben zu stabilisieren.
Foto: Getty Images | Die Initiative für traumatisierte Flüchtlinge will den Betroffenen helfen, ihr Leben zu stabilisieren.

Menschen mit Fluchterfahrung kommen oft mit traumatischen Erfahrungen in Deutschland an. Die Initiative für traumatisierte Flüchtlinge will den Betroffenen helfen, ihr Leben zu stabilisieren. Das Projekt wurde im Jahr 2016 gegründet. Damals erhielt das Bayerische Rote Kreuz (BRK) eine private Großspende, um traumatisierte Personen mit Fluchterfahrung zu unterstützen. In den vergangenen drei Jahren konnten hier 146 Personen psychosozial beraten werden. Da der Spendenfonds nun zu Ende geht, wird sich ab Januar einiges ändern. Sozialpädagogin Anna-Klara Glosser und Pädagogin Sabrina Böck haben das Projekt betreut und sprechen im Interview über die Ziele, Erfolge und die Notwendigkeit eines Fortbestehens der Initiative.  

Frage: Worauf konzentriert sich die Initiative für traumatisierte Flüchtlinge?

Anna-Klara Glosser: Wir hatten nur wenige Vorgaben – so konnten wir schauen, was notwendig ist. Zu Beginn des Projekts haben wir eine Bedarfsanalyse durchgeführt und festgestellt, dass vor allem in der psychosozialen Beratung und der Qualifizierung der Sprachmittler ein großer Bedarf da ist.

Was bedeutet es, Sprachmittler zu qualifizieren?

Sabrina Böck: Es gibt einen Unterschied zwischen dem alltäglichem Übersetzen und dem Dolmetschen für therapeutische Zwecke: Während einer Therapie ist es wichtig, dass der Sprachmittler wortgenau übersetzt. Auch der Tonfall spielt eine große Rolle, da sich manche Probleme in sprachlichen Besonderheiten äußern. Wir haben dafür Dolmetscherschulungen angeboten, in denen die Sprachmittler auch Basiswissen zu psychischen Krankheiten bekommen.

Wie sieht eine solche psychosoziale Beratung geflüchteter Personen aus?

Sabrina Böck: Häufige Themen sind Schlafstörungen, Stress oder Flash-Backs - die können durch verschiedene Auslöser hervorgerufen werden: Oft genügt dafür eine Menschenmasse oder Uniformen auf der Straße. Wir versuchen ein Verständnis dafür zu entwickeln und zu erklären, wie der Körper darauf reagiert. Dafür gehen wir individuell auf unsere Klienten ein: mit Entspannungs- und Imaginationsübungen, Spaziergängen oder Reittherapie. Außerdem hatten wir bisher auch Gruppenangebote: eine Entspannungsgruppe, Yoga und verschiedene Gesprächsgruppen. 

Wie unterscheidet sich die Beratung traumatisierter Geflüchteter von anderen psychosozialen Beratungsgesprächen?

Anna-Klara Glosser: Es ist wichtig, dass wir uns gut in der Versorgungslandschaft auskennen und den Überblick über verschiedene Projekte bewahren. So können wir den Klienten helfen, ihre äußeren Baustellen zu klären und beispielsweise eine Wohnung oder Arbeit zu finden. Das Besondere in den Beratungsgesprächen ist außerdem, dass oft eine dritte Person, der Sprachmittler, mit im Raum ist.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Projekt?

Anna-Klara Glosser: Das Bayerische Rote Kreuz bemüht sich um eine Weiterfinanzierung des Projektes. Uns ist wichtig, dass die Struktur, die wir geschaffen haben, weiterbesteht. Wir werden das Projekt ab dem neuen Jahr statt mit 40 Stunden pro Woche mit nur noch zehn Stunden pro Woche anbieten und es so fortsetzen bis eine Weiterfinanzierung möglich ist. So bleiben wir weiterhin die Initiative, beschränken uns aber auf die sozialpsychiatrische Beratung. Fortbildungen und Gruppenangebote sind so jedoch nicht mehr möglich.

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