Untereisenheim

Was den Wiedehopf mit Weinschorle verbindet

Von der findigen Idee eines hessischen Bio-Bauern profitieren fränkische Jungwinzer und einer der seltensten Vögel Bayerns.
Im April dieses Jahres gelang  Main-Post-Leser Klaus Sanzenbacher im Landkreis Kitzingen dieses Foto eines Wiedehopfs. Der etwa spechtgroße, orange-schwarz gefiederte  Vogel mit seiner markanten Federhaube ist in Bayern extrem selten geworden. 
Foto: Klaus Sanzenbacher | Im April dieses Jahres gelang  Main-Post-Leser Klaus Sanzenbacher im Landkreis Kitzingen dieses Foto eines Wiedehopfs.

Die clevere Geschäftsidee hat fränkische Jungwinzer, den Landesbund für Vogelschutz (LBV) und den nordhessichen Bio-Landwirt Christoph Jestädt zusammengebracht. Entstanden ist ein Projekt, das dem hierzulande fast ausgestorbenen Wiedehopf und vielen anderen Vogelarten wieder Lebensraum bieten soll - finanziert mit einem Bio-Weinschorle, das inzwischen unter anderem in der Frankfurter Club-Szene viele Freunde gefunden hat.

Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr und einer Spende in Höhe 2500 Euro konnte Jestädt nun weitere 3500 Euro an den LBV- Bezirskgeschäftsstellenleiter und Gebietsbetreuer für die Agrarlandschaft Mainfranken, Marc Sitkewitz, übergeben. Orts des Geschehens war eine Streuobstwiese in den Weinbergen von Untereisenheim. Dort findet der auffällig gefiederte Wiedehopf beste Voraussetzungen, heimisch zu werden. 

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"Wir hoffen, dass sich der Wiedehopf hier wieder ansiedelt", sagte Sitkewitz. Vielen Menschen sei der seltene Vogel nur noch als Textzeile aus der Vogelhochzeit bekannt. Woran das liegt? Der Wiedehopf ist bei uns so gut wie ausgestorben. Während er früher in zahlreichen nachhaltig bewirtschafteten Weinbergen und Streuobstwiesen heimisch war, ist er mittlerweile fast komplett von der Bildfläche verschwunden.

"In Bayern haben wir unter 20 Brutpaare", so der Geschäftsstellenleiter. Mit Christoph Jestädt habe der LBV einen großzügigen Partner gefunden, um die Situation positiv zu verändern. Jestädt, studierter Theologe, hat vor fünf Jahren den elterlichen Hof in der zehnten Generation übernommen und setzt seitdem auf Bio. Unter dem Namen "Lieber Schorli" hat er ein fertig gemixtes Weinschorle auf den Markt gebracht. Pro Flasche gehen fünf Cent an den LBV für Maßnahmen, die Lebensraum für den Wiedehopf schaffen sollen oder ihn aufwerten.

3 500 Euro für den Vogelschutz: LBV- Bezirksgeschäftsstellenleiter Marc Sitkewitz nahm auf einer Streuobstwiese mitten in den Untereisenheimer Weinbergen den Scheck von Sponsor und Bio-Landwirt Christoph Jestädt entgegen.
Foto: Peter Pfannes | 3 500 Euro für den Vogelschutz: LBV- Bezirksgeschäftsstellenleiter Marc Sitkewitz nahm auf einer Streuobstwiese mitten in den Untereisenheimer Weinbergen den Scheck von Sponsor und Bio-Landwirt Christoph Jestädt ...

Für 70 000 Flaschen hat Jestädt in diesem Jahr bereits Freunde gefunden, die den Erlös von 3 500 Euro für den LBV einbrachten. Im Vorjahr waren es 50 000 Flaschen und 2500 Euro für den LBV. Die Untereisenheimer Streuobstwiesen sind deshalb nicht die ersten Flächen im Landkreis Würzburg, auf denen der Naturschutzverband für den Wiedehopf aktiv ist. "Mit den Erlösen aus der Schorle-Aktion gestalten wir in den Weinbergen der beteiligten Winzer natürliche Lebensräume und Rückzugsgebiete für den Wiedehopf und weitere Tiere", erklärte Sitkewitz.

"Heute gehören gerade die Streuobstwiesen zu einer aussterbenden Nutzungsart."
Marc Sitkewitz, Landesbund für Vogelschutz

Spenden würden auch dafür verwendet, relevante Streuobstbestände aufzukaufen und diese aufzuwerten. So habe man mit den Einnahmen aus "Lieber Schorli" bereits 2019 zwei wertvolle Flächen in Böttigheim, einem Gemeindeteil von Neubrunn, mit einer Größe etwa 7300 Quadratmetern gekauft und dauerhaft für den Wiedehopf gesichert.

Sitkewitz betonte, dass nicht nur der Ankauf von Flächen sondern auch deren langfristige Pflege und Betreuung wichtig seien. "Heute gehören gerade die Streuobstwiesen zu einer aussterbenden Nutzungsart." Im Sinne der Biodiversität, aktivem Umweltschutz und der Wiederentdeckung alter Obstsorten sei die Anlage neuer Streuobstwiesen daher ein wichtiger Schritt. Extensive Pflege, Pflanzung von Hochstammbäumen, Betonung des Einzelbaumcharakters und die Kombination von Obstanbau und Grünland charakterisieren eine echten Streuobstwiese. Mit Informationstafeln macht der LBV auf die hohe Bedeutung solcher Naturräume aufmerksam.

Der Wiedehopf

Der Lebensraum des Wiedehopf sind warme, trockene Gebiete mit dünnem Baumbestand und lückiger Vegetation. Er zählt zu den seltensten Brutvögeln in Deutschland und ist fast vollständig von der Bildfläche verschwunden. Einst war er auf den nachhaltig bewirtschafteten Weinbergen und Streuobstwiesen in Deutschland weit verbreitet. Seine Hauptnahrung sind größere Insekten, aber auch Asseln, Spinnen und Würmer. Er nistet in Baumhöhlen, Mauern oder Erdlöchern. Die Jungvögel verlassen nach etwa 24 Tagen das Nest. Von Oktober bis März überwintert der Zugvogel in Afrika.
Quelle: pf/Kosmos Vogelführer, Nabu, LBV
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