Rupprechtshausen

Was für den Falkner pures Glück bedeutet

Ein Würzburger Verein kümmert sich um kranke und verletzte Greifvögel. Diesmal hatten die Mitglieder ein ganz besonderes Erfolgserlebnis.
Mit kraftvollen Flügelschlägen fliegt die Sumpfohreule davon. Falkner Dellert freut sich über die Genesung des seltenen Tiers.  
Foto: Irene Konrad | Mit kraftvollen Flügelschlägen fliegt die Sumpfohreule davon. Falkner Dellert freut sich über die Genesung des seltenen Tiers.  

Falkner Harald Dellert strahlt, als er in der Abendsonne auf einem Feld zwischen den beiden Unterpleichfelder Ortsteilen Rupprechtshausen und Burggrumbach eine Sumpfohreule in die Freiheit entlässt. Vor kurzem war sie etwa an gleicher Stelle vermutlich durch ein Auto verletzt worden. Dass die Eule nach dem Ausheilen wieder majestätisch davon fliegen kann, sei für ihn "pures Glück", sagt der Eulenexperte. 

"Für solche Momente machen wir das alles", meinte der Falkner unter dem zustimmenden Nicken einer Handvoll Freunde vom Verein Greifvogel- und Eulenhilfe Würzburg. Rund 80 Mitglieder unterstützen ehrenamtlich die Auffang- und Pflegestationen in Oberdürrbach und Veitshöchheim.

120 gefiederte Patienten pro Jahr

Etwa 120 verunfallte, kranke, unterernährte oder misshandelte Greifvögel nimmt die Auffangstation pro Jahr auf. Sie werden versorgt, behandelt und gesund gepflegt - mit dem Ziel, sie wieder auszuwildern. Daneben betreibt der Verein Aufklärungsarbeit und ist finanziell auf Beiträge, Spenden und Tierpatenschaften angewiesen.

Seit sechs Jahren leitet Falkner Dellert die Auffang- und Pflegestation. Sie wurde 1980 von Jürgen Färber gegründet. In den knapp 20 Jahren seiner Mithilfe hat Harald Dellert erst zwei Mal eine Sumpfohreule behandelt. Vor acht Jahren überlebte ein Exemplar aus dem Raum Ochsenfurt ihre Verletzungen nicht. Die Unterpleichfelder Sumpfohreule hat es geschafft.

Verletzt und hilflos fand Christopher Putz am 3. Februar die seltene Sumpfohreule auf einem verschneiten Feld. 
Foto: Christopher Putz | Verletzt und hilflos fand Christopher Putz am 3. Februar die seltene Sumpfohreule auf einem verschneiten Feld. 

Spannend wie ein Krimi hört sich die Geschichte von Christopher Putz aus Rupprechtshausen an. Am 3. Februar war der 32-Jährige mit seinem Hund unterwegs, als er neben einem Feldweg und nur wenige Meter von der Straße entfernt die ausgewachsene Eule im Schnee entdeckte. Zerrupft sah sie aus und habe beim Näherkommen geflattert und Laute von sich gegeben.

"Wenn kein Schnee gelegen wäre, hätte ich sie nicht gesehen", meint der Rupprechtshäuser. Er habe nicht gewusst, was er tun soll. Aber liegen lassen wollte er das verletzte Tier nicht. Deshalb hat er dank seines Handys im Internet Hilfe gesucht. Vom Würzburger Tierheim wurde er an Harald Dellert verwiesen. Diese Zusammenarbeit klappte bestens.

Besorgt über den Zustand der Eule

Der Falkner riet dem Finder, seine Jacke auszuziehen und über die Eule zu legen. So könne er sie aufheben und nach Hause tragen. Das hat Christopher Putz gemacht. Trotz der Eiseskälte am frühen Vormittag stapfte er tapfer und frierend den guten Kilometer nach Hause. Daheim legte er die Eule nach Rat des Experten in eine Schachtel und deckte diese ab.

Falkner Dellert kam schon zwei Stunden später und war gleichermaßen begeistert von der Sumpfohreule wie auch besorgt über deren Zustand. Die ersten Tage in der Krankenstation seien kritisch gewesen. Er brachte die Eule zum Tierarzt zum Röntgen und musste sie intensiv füttern.

Nach rund zwei Wochen Pflege ist die Sumpfohreule bereit für die Rückkehr in die Freiheit. 
Foto: Irene Konrad | Nach rund zwei Wochen Pflege ist die Sumpfohreule bereit für die Rückkehr in die Freiheit. 

Der Tierarzt war der Ansicht, dass die Flügel nicht gebrochen, sondern nur geprellt sind. Trotzdem: Auf den eigenen Krallenfüßen stehen konnte die Eule zunächst nicht. Aber nach drei Tagen begann sie, wieder selbst zu fressen. Ein gutes Zeichen.

Sumpfohreulen stehen auf der roten Liste. In Mitteleuropa gelten sie als stark gefährdet und vom Aussterben bedroht. Eigentlich lieben sie baumfreie Feuchtgebiete, also Moore oder Küstenstreifen. Sie brüten auf dem Boden und fressen vor allem Mäuse. In Europa kommen sie vor allem in Russland, Finnland, Schweden oder im Nordteil Großbritanniens vor.

Wintergast aus Russland oder Skandinavien

"Vielleicht ist unsere Sumpfohreule als Wintergast aus Russland, Skandinavien oder Nordfriesland zu uns gekommen", mutmaßt Sibylle Schneider. Falkner Dellert bezeichnet sie als "rechte Hand" im Hilfsverein. Eine solche Rarität zu Gesicht zu bekommen und ihr helfen zu können, das mache alle Vereinsmitglieder stolz, sagt Schneider.

"Total klasse" findet Falkner Dellert die Genesung der Sumpfohreule. In den vergangenen Tagen habe er auch sechs Bussarde und drei Turmfalken wieder in die Freiheit entlassen. "Wenn die Bäume grün werden" will er seine genesenen Schleiereulen, Waldohreulen, Waldkäuze und einen Uhu auswildern. Auch um Platz zu schaffen für die Jungtierzeit, die im Frühling heranbricht. Junge Eulen und Greifvögel stürzen nämlich oft ab, wenn sie fliegen lernen, und verletzen sich dabei. Wohl denen, rechtzeitig gefunden werden, um von der Greifvogelfreunden gesund gepflegt zu werden. 

Weitere Infos: www.greifvogelhilfe-wuerzburg.de

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