Wein ist menschlich

Ausdrucksstark: Caroline du Bled (von links), Martin Heesch und Ina Maria Jaich stellen Weine dar.
Foto: Gabriele Brendel | Ausdrucksstark: Caroline du Bled (von links), Martin Heesch und Ina Maria Jaich stellen Weine dar.

Was passiert, wenn Schauspieler in die Rollen von Reben und Weinen schlüpfen? Die Antwort darauf erhielten die rund 100 Besucher der Aufführung „Es gärt“ im Weingut Bürgerspital in Würzburg. Auf seiner Tournee durch Deutschland machte das Berliner Ensemble „Weinkörper“ in Franken Station und begeisterte auch hier die Zuschauer.

Zum Auftakt der außergewöhnlichen Theateraufführung gab es im Weinkeller eine kleine Weinverkostung und einen Prolog, Schauspielerin Ina Maria Jaich verwandelte sich nacheinander in drei Burgunder-Rebsorten, um sich letztendlich in der Weißwein-Cuvée „Johannes von Steren“ wiederzufinden und sich Gedanken über das traditionelle „Hockerle“ des Bürgerspitals zu machen, das dem neuen „Weinhaus unterm Glockenspiel“ weichen muss: „Wie bei mir so verschachtelt sich auch hier Altes und Neues ineinander.“ Neben dem Auftritt der jungen Schauspielerin überraschte Winzer Erhard Stumpf (78) aus Fahr die Gäste mit einer Gesangseinlage.

In der Kelterhalle des Bürgerspitals, auf einer spartanisch ausgestatteten Bühne, die aus drei Stapeln von Holzpaletten bestand, verwandelten sich die Schauspieler Ina Maria Jaich, Caroline du Bled und Martin Heesch ausdrucksstark in verschiedene Rebsorten und zogen die Besucher magisch in ihren Bann. Ob Riesling, Silvaner, Spätburgunder, Müller-Thurgau oder auch Tauberschwarz – sie alle kamen zu Wort. Es ging um Gärung, Cuvéebildung und Versektung. Aber auch das Frieren der Reben auf der Insel Sylt und das Schwitzen von Weinen bei unsachgemäßer Lagerung wurden thematisiert. Selbst ein kritischer Rückblick auf die 70er Jahre, in denen in Deutschland süße und billige Weine angesagt waren, fehlte nicht. „Irgendwann gären sie alle – die einen stürmischer, die anderen kontrollierter“, und es wurde klar, dass es nicht nur in den Gärtanks „brodelt“. Auf einmal waren Stuttgart 21, Nordafrika, Griechenland und die FDP mit im Spiel.

„Ich bin beeindruckt, wie ausdrucksstark die Schauspieler die Weine im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert haben“, meinte der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes Artur Steinmann. „Unser Ziel ist es, die seit der Antike gefeierte Verwandtschaft von Wein und Theater wörtlich zu nehmen und zu erneuern – und damit Weinkultur und Theaterkultur zu bereichern und zu erweitern“, sagt Regisseur und Autor Heiko Michels.

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