Sommerhausen

Wie die Walnuss als regionale Spezialität Karriere macht

Marketing rund um die Nuss: Die "Winterhäuser Walnussknacker" vernetzen sich und fordern Betriebe aus der Region auf, gezielt Produkte mit heimischen Walnüsse anzubieten.
'Versucherle' zum Walnusswein: Walnussbrot, Dattel-Walnusscreme und Rote-Beete-Walnuss-Meerettich-Aufstrich.
Foto: Antje Roscoe | "Versucherle" zum Walnusswein: Walnussbrot, Dattel-Walnusscreme und Rote-Beete-Walnuss-Meerettich-Aufstrich.

Noch stecken die Walnüsse in der Trockenphase. Geknackt sind sie auch noch nicht – aber ihre Vermarktung ist angelaufen: Die "Winterhäuser Walnussknacker", ein Netzwerk für die Verarbeitung heimischer Walnüsse, das seit 2012 besteht, hat die ILE MainDreieck mit ins Boot geholt und versucht, die Walnuss als Spezialität der Region bekannt zu machen.

Birgit Linkes Restaurant "Vogelhaus" in Sommerhausen ist der erste Gastronomiebetrieb, der das neue Logo "Walnüsse aus dem südlichen Maindreieck" verliehen bekam. Ein saftiges Dinkel-Walnussbrot hat Linke zur Feier des Tages gebacken, Dattel-Nusscreme und Walnussbutter zum Kosten angerührt. "Eine Kleinigkeit, etwa ein Gruß aus der Küche, ist ein guter Anfang und leistbar", ermuntert Initiatorin Maria Maak von den Winterhäuser Walnussknackern. Einen Vin de noix (Walnusswein), der geschmacklich an Sherry erinnert, vom Maindreieck hat sie mitgebracht, angesetzt aus Bio-Rotwein, Schnaps, Zucker und grünen Nüssen, die an Johanni unreif gesammelt und eingelegt wurden. Just wenn die Spargelzeit endet, beginnt die Zeit der Walnuss.

Für heimische Walnuss-Produkte machen sich stark (v.l.): Initiatorin Maria Maak, Sommerhausens Bürgermeister Wilfried Saak, ILE Managager Bastian Lange, Gabriele Schmoll (Winterhäuser Walnussknacker), Bäcker Andreas Rother, Gastronomin Birgit Linke, Imker Andreas Richter, Anika Richter.
Foto: Antje Roscoe | Für heimische Walnuss-Produkte machen sich stark (v.l.): Initiatorin Maria Maak, Sommerhausens Bürgermeister Wilfried Saak, ILE Managager Bastian Lange, Gabriele Schmoll (Winterhäuser Walnussknacker), Bäcker Andreas ...

Warmes Weinklima tut auch den Nüssen gut

Maak und ihre Mitstreiter wollen der Walnuss als heimischem Edelobst, das vom Nährwert gar als Superfood zu deklarieren ist, einen angemessenen Stellenwert verschaffen, ihre Besonderheit gewürdigt wissen. Es gibt sie nur in sehr schwankenden Mengen und zeitlich begrenzt, gibt Maak zu bedenken. Ihre Verarbeitung ist Handarbeit und eine Aufgabe, die bislang keine Maschine zufriedenstellend löst. "Wir lesen die geknackten Nüsse immer zweimal nach Schalen durch", gibt Gabriele Schmoll einen Einblick in den Aufwand vom Auflesen, Trocknen, Knacken und Auspulen.

150 Kilogramm Nüsse haben die Walnussknacker letztes Jahr auf diese Weise in geselliger Runde gewonnen. Es gilt die Faustregel, dass jeweils nur ein Drittel des ursprünglichen Gewichtes übrig bleibt. Genauso verhält es sich beim Pressen mit dem Öl. Dafür ist der Geschmack der vielfältigen heimischen Sorten von Streuobstwiesen, von Wegen und aus Gärten unvergleichlich gut ausgeprägt, schwärmen Maak und Andreas Rother. Rother, Inhaber der Winterhäuser Bäckerei Fuchs, wartet deshalb auch schon sehnsüchtig auf die heimischen Walnüsse, des Geschmacks wegen, den die importierten Plantagen-Nüsse nicht haben. Das Terroir, der Boden und das warme Weinklima tun auch den Nüssen gut, so Maak.

Weihnachtsmarkt-Leckereien steigern Ansehen der Walnuss

In Winterhausen ist das Ansehen der Nüsse mit den Leckereien, die die Walnussknacker seit 2012 für den Weihnachtsmarkt produziert haben, bereits erheblich gestiegen. Auch Imker Andreas Richter hat schon über die Nachfrage gestaunt. Er wird die Walnüsse wieder in würzigen Waldhonig einlegen. Und Klaus Trunk verfeinert seine Wurst für den Hofladen mit Walnusskernen.

Zu den drei Winterhäuser Betrieben, die die Walnüsse von den angeblich 1000 Bäumen bereits schätzen und verarbeiten, sollen möglichst viele weitere kommen und gezielt Produkte mit heimischen Walnüsse anbieten. Unter anderem Bäcker, Gastronomen, Metzger, Konditoren, Brenner und Betreiber von Ölmühlen aus den Mitgliedsgemeinden der ILE Maindreieck sind nun am Zug. Mittelfristig soll dazu in Kooperation mit der Allianz Maindreieck ein Netzwerk entstehen, bei dem sich Anbieter von Nüssen aus der Umgebung und Verarbeiter finden können. Maak kann sich eine Art Genossenschaft vorstellen, für die sich auch eine professionelle Nussknackmaschine lohnen könnte.

Dass die Nachfrage ungeahnt groß ist, erfahren die Walnussknacker jedes Jahr mit ihren Spezialitäten auf dem Winterhäuser Weihnachtsmarkt. Im Vordergrund hat dabei immer gestanden, die Nüsse, wie auch das Streuobst, nicht verkommen zu lassen und mit dem Erlös Gutes zu tun. Das soll beibehalten werden, auch wenn der Weihnachtsmarkt dieses Jahr wegen Corona ausfällt.

Dieses Logo zeichnet ab sofort Anbieter am Maindreieck aus, die heimische Walnüsse für ihre Produkte verwenden.
Foto: Antje Roscoe | Dieses Logo zeichnet ab sofort Anbieter am Maindreieck aus, die heimische Walnüsse für ihre Produkte verwenden.

Zeit für Lobby-Arbeit rund um die Nuss

Dafür ist nun Zeit für Lobby-Arbeit. Die Winterhäuser Walnussknacker haben die Förderung aus dem Regionalbudget der ILE Maindreieck genutzt, um Walnuss-Marketing speziell für die Region Südliches Maindreieck anzugehen, wo noch so viel mehr Walnüsse zur Verfügung stünden. Nun gibt es einen Info-Folder mit Rezepten und das neu konzipierte Logo. Wer es nutzen möchte, wendet sich an den Allianz-Manager Bastian Lange bei der Stadt Ochsenfurt, der es mit den Verträgen entsprechend den Nutzungsbedingungen vergibt.

Die Walnussknacker selbst verstehen sich lediglich als Motor und Unterstützer bei der Wiederentdeckung der hochwertigen Baumfrucht - mit inzwischen viel Erfahrung: Jede Menge Verarbeitungs- und Rezeptideen haben sie parat, sowie aktuell eine Ausstellung rund um die Nuss. 

Die Ausstellung ist am Samstag, 17. Oktober, und Freitag und Samstag, 23. und 24. Oktober, jeweils ab 13 Uhr im Gewölbekeller Vogelhaus in Sommerhausen zu sehen. Gezeigt wird die Vielfalt der heimischen Walnüsse und was daraus produziert werden kann, außerdem eine Sammlung von Nussknackern sowie ein Film des Bayerischen Rundfunks über die Winterhäuser Walnussknacker.

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