Allersheim

Wie Herr Buntz die Bibel rauchte und zu Gott fand

14 Jahre saß er im Gefängnis, rauchte dort die Bibel und fand schließlich zu Gott. Seine Lebensgeschichte beschreibt Wilhelm Buntz in seinem Buch "Der Bibelraucher".
Nichtmal mehr sein Vater glaubte an ihn, doch nach 14 Jahren Gefängnis ist Wilhelm Buntz mittlerweile resozialisiert.
Foto: Rolf Krüger | Nichtmal mehr sein Vater glaubte an ihn, doch nach 14 Jahren Gefängnis ist Wilhelm Buntz mittlerweile resozialisiert.

Nach seiner schweren Kindheit führte Wilhelm Buntz jahrelang ein Leben als Verbrecher, bis eine Bardame auf St. Pauli den gesuchten Straftäter erkannte. Im Gefängnis führte er seine Laufbahn nahtlos fort, bis er durch die Bibel zu Gott fand und sein Leben änderte. Seine Lebensgeschichte hat er nun aufgeschrieben und lädt am kommenden Freitag zu einer Lese- und Erzählrunde in den Kartoffelkeller nach Giebelstadt. Dieser Redaktion hat er schon vorher einen Teil seiner Vergangenheit erzählt.

Frage: Können Sie Ihr Leben in Kurzform zusammenfassen?

Wilhelm Buntz: Als Kind wurde ich von meiner Mutter ausgesetzt, war dann psychologisch schwer geschädigt, kam ins Heim und begann mit 18 eine Karriere als Krimineller mit Bankraub, Menschenhandel und Totschlag. Nach 14 Jahren im Gefängnis war ich geläutert und begann ein neues Leben. 

Was hat Sie dazu gebracht Ihr Leben zu ändern?

Buntz: Am 12. September 1983 hab ich die Entscheidung getroffen mit Gott zu leben. Ich war innerhalb meiner Gefängniszeit viel in der Arrestzelle, weil ich viele Dummheiten gemacht habe. Dorthin habe ich immer die Bibel mitgenommen, hauptsächlich um sie zu rauchen, nicht um sie zu lesen. Innerhalb von sechs Jahren habe ich das Alte Testament weggeraucht. Ich kam bis zur Bergpredigt, und dann hab ich angefangen darüber nachzudenken, was in der Bibel steht. Ich habe Gott herausgefordert: "Wenn du einen Plan hast mit meinem Leben, dann musst du mich besiegen. Aber ich lasse mich nicht besiegen. Du musst stärker sein als ich."  Das war er auch. Das war meine Lebensrettung. Der Direktor des Gefängnisses bemerkte die Veränderung und setzte sich für meine bedingte Entlassung ein.

Was haben Sie nach Ihrer Entlassung gemacht?

Buntz: Ich hab mich noch im Gefängnis bei einer Möbelfabrik als Hofkehrer beworben. Das war mein erster Job. Schon ein Jahr später hatte ich eine Tankstelle gepachtet. Dann ging ich nach Südafrika und hab dort eine Bibelschule absolviert. 1989 kam ich zurück nach Deutschland und wurde Abteilungsleiter in einer Papierfabrik. 1993 bin ich nach Freiburg gezogen. Dort war ich zuerst Büroleiter bei einer Möbelagentur, bevor ich ins Blindenheim bin, um die Bewohner zu betreuen. In diesem Job bin ich richtig aufgegangen.

Wann immer er in einer Arrestzelle landete, besorgte sich Wilhelm Buntz Tabak und rauchte die Bibel.
Foto: Rolf Krüger | Wann immer er in einer Arrestzelle landete, besorgte sich Wilhelm Buntz Tabak und rauchte die Bibel.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht in das alte Leben als Verbrecher zurückzukehren?

Buntz: Ich hatte einmal noch Kontakt. Ich wurde am Anfang von den Christen sehr enttäuscht, weil mir niemand getraut hat. Ich hab mir eine Pistole gekauft und den Stuttgarter "Zuhälterkönig" bewacht. Doch nach einigen Wochen kam mir die Erleuchtung. Gott hat mich nicht hierfür aus dem Gefängnis geholt. Dann bin ich zurück in mein neues Leben.

Wie reagieren Menschen, wenn Sie Ihre Geschichte hören?

Buntz: Ich hab noch nicht einen Menschen erlebt, der negativ auf mich reagiert hat. Ich hatte auch nie Probleme, eine Arbeit zu finden oder Kontakte zu knüpfen. Immer, wenn mich jemand darauf angesprochen hat, hab' ich gesagt, dass es hinter mir liegt, und ich bin nun ein neuer Mensch. Auch meine Frau hat sehr positiv reagiert, denn sie kann sich bis heute nicht vorstellen, dass ich mal so war. Sie sagt: "Das war das Leben früher, aber ich kenne dich so wie du jetzt bist, und so liebe ich dich." Mit meinen Kindern ist es so ähnlich. Mein ältester Sohn hat mich sogar in der Schule mal als Gangster präsentiert.

Was halten Sie davon, dass Sie von der Kirche auf eine Art Podest gestellt werden?

Buntz: Ich finde es nicht gut, dass die Kirche mich als Mensch in die Höhe hebt. Mein Leben hat sich krass verändert, aber man sollte den lebendigen Gott ehren und nicht Wilhelm Buntz. Die Bedingung war, dass Jesus auf den Leuchter gestellt wird. Nicht meine Straftaten, sondern was Gott in meinem Leben getan hat.

Die Bibelseiten las Buntz, riss sie heraus und drehte sich daraus vier Zigaretten.
Foto: Rolf Krüger | Die Bibelseiten las Buntz, riss sie heraus und drehte sich daraus vier Zigaretten.

Können Sie sich vorstellen, Kindern, die in Ihrer Situation sind, zu helfen?

Buntz: Ja, denn durch meine eigene Geschichte weiß ich, wie Kinder ticken. Kinder rebellieren, weil sie zu wenig Liebe bekommen haben. Wenn sie einem Kind von klein auf sagen: Du kannst, bist und wirst nichts, dann werden sie später auch nichts können, sein und werden. Wir müssen Kinder genau so, wie sie sind, lieb haben.

Erinnern Sie sich an das Gefühl, dass Sie hatten, wenn Sie einen Raub oder Überfall begangen haben?

Buntz: Wenn ich einen Bankraub gemacht habe, habe ich nichts gefühlt. Ich habe mir mit elf Jahren verboten, Gefühle zu haben. Denn ich wusste, wenn ich Gefühle habe, kann man mir weh tun. Und ich wollte nicht mehr, dass man mir weh tut. Und so hab' ich meine Gefühle abgestellt. Sie kamen erst wieder, nachdem ich eine ganz klare Entscheidung für Gott getroffen habe.

Geben Sie Ihrer schweren Kindheit eine Mitschuld für Ihre Vergangenheit?

Buntz: Ja, die Gefühlskälte kam aus meiner Kindheit, aber ich wollte es so. Ich finde es doof, wenn Leute, die eine ähnlich schwere Kindheit haben, alles darauf schieben. Egal, wie schwierig man aufwächst: Man weiß, was gut und schlecht, was richtig und falsch ist. Das Kind trifft die Entscheidung selbst. Das ist meine Erfahrung.

Was halten Sie dann von den beiden traditionellen Kirchen in Deutschland?

Buntz: Ich finde es traurig, wie diese beiden Kirchen immer mehr von der biblischen Wahrheit abdriften, wenn ich daran denke, wie einfach das Glaubensleben ist und wie viel Bürde den Menschen auferlegt wird, die eigentlich gar nicht notwendig wäre! Und währenddessen geschieht es auch. Wenn ich aber in einen Gottesdienst gehe und gehe trauriger 'raus als 'rein, dann ist irgendwas verkehrt.

Was wünschen Sie sich noch für Ihr restliches Leben?

Buntz: Ich bin jetzt Rentner. Ich wurde in den vergangenen 34 Jahren in Freiheit so reich von Gott beschenkt. Ich selbst habe keine großen Pläne mehr. Ich will gesund bleiben und noch viel für junge Menschen tun. Ich bin lebenssatt. Ich hab' 34 Jahre lang alles, was ich mir hätte wünschen können, erreicht. Ich bin glücklich.

Eine Lesung und Erzählung mit Wilhelm Buntz findet am Freitag, 29. März um 19 Uhr im Kartoffelkeller in Giebelstadt statt. Der Eintritt ist frei, freiwillige Spenden werden erbeten.

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