Frauenland

Nachruf: Wie Ex-OB Klaus Zeitler die Stadt Würzburg prägte

Über 20 Jahre lang war Klaus Zeitler Oberbürgermeister und fast nochmal so lang Mitglied des Stadtrats gewesen. Jetzt ist der Altoberbürgermeister gestorben. 
Klaus Zeitler überreicht 1988 Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass den Leonard-Frank-Ring.
Foto: Silvio Galvagni | Klaus Zeitler überreicht 1988 Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass den Leonard-Frank-Ring.

Er war eine große Persönlichkeit, ein Mann mit Bildung, Charakter und viel Humor, Kommunalpolitiker und Senator, vor allem aber war er 23 Jahre lang Würzburgs Oberbürgermeister, der zur modernen Umgestaltung der Stadt wesentliches und sichtbares beigetragen hat. Nun ist Altoberbürgermeister Klaus Zeitler im Alter von 91 Jahren gestorben.

Dies bestätigte auf Anfrage dieser Redaktion seine von ihm sehr geschätzte Tochter Anne-Christin Zeitler, die ihren Vater auf seinem letzten Weg begleitet hat. Zeitler war bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit. In den letzten Monaten habe er an einigen Krankheiten herumlaboriert und sei dann doch schnell und ohne Schmerzen gegangen, sagt die Tochter.

Am Tag vor Heiligabend ist er nach ihren Worten im Krankenhaus des Juliusspitals so friedlich eingeschlafen, wie er sich es gewünscht hat. Einen Tag vor seinem Tod hat er noch einmal einer seiner Leidenschaften gefrönt: eine Zigarre zu rauchen. Der Stumpen wird für seine Tochter nun ein Stück sichtbarer Erinnerung bleiben.

Sein reiches Leben hat Zeitler selbst in Büchern festgehalten: In "Jahrgang 1929" berichtet er über (s)eine Jugend in Deutschland, über die Endzeit der Weimarer Republik, über das Dritte Reich und die Nachkriegszeit, die er hautnah miterlebt hatte. Das Buch "Wohlauf die Luft geht frisch und rein" hält die "Erinnerungen eines Oberbürgermeisters" fest.

Nach Studium und Promotion in Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre trat Zeitler 1950 in die SPD ein und wurde 1956 jüngstes Mitglied des Würzburger Stadtrates. Nach Verwaltungstätigkeiten in Düsseldorf, Bielefeld und München ging 1968 für ihn ein Traum in Erfüllung, wie er einmal sagte. Nachdem Oberbürgermeister Helmuth Zimmerer in politische Schwierigkeiten geraten war, bewarb er sich für die SPD als Oberbürgermeister und gewann dann die Stichwahl sehr knapp gegen den CSU-Kandidaten Reinhold Vöth. Sein Wahlprogramm damals: "Würzburg von morgen".

Der "Grüne Klaus" holte die Landesgartenschau nach Würzburg

Würzburg in die Zukunft zu steuern, war Zeitlers Ziel. So gründete er das Büro für Bürgerhilfe, sorgte dafür, dass Würzburg Europastadt wurde, für einen neuen Marktplatz ohne Autos, für den Ausbau der Straßenbahn, für Eingemeindungen . . . Auch die Entwicklung des Heuchelhofes, der Bau des Congress Centrum am alten Schlachthof, das Jugendzentrum Falkenhof, das neue Kaufhaus am alten Schwanengelände, der neue Alte Kranen stehen auf seiner Erfolgsliste als Oberbürgermeister. Besonders stolz war er auf den Spitznamen der "Grüne Klaus", weil er die erfolgreiche Landesgartenschau 1990 nach Würzburg gebracht und sich für Stadtbegrünung stark gemacht hatte.

1970 kam der damalige Bundesbauminister Lauritz Lauritzen nach Würzburg, um sich über das Heuchelhofprojekt zu informieren. Unser Bild zeigt, vor dem Modell der ersten geplanten Wohnbauten von links: Minister Lauritz Lauritzen, Oberbürgermeister Klaus Zeitler, Professor Gerhard Günther Dittrich und Heuchelhof-GmbH-Geschäftsführer Gerhard Vogel. 
Foto: Hans Heer | 1970 kam der damalige Bundesbauminister Lauritz Lauritzen nach Würzburg, um sich über das Heuchelhofprojekt zu informieren.

Nicht alles verlief in Zeitlers Leben glatt. So löste es einen Riesenwirbel aus, als er 1989 überraschend seinen Rücktritt ankündigte, nachdem die CSU Barbara Stamm als seine Herausforderin bei den nächsten OB-Wahlen nominiert hatte.  Einen Sturm der Entrüstung löste Zeitler aus, als er den Sozialdemokraten den Rücken kehrte und 1992 zu den Republikanern wechselte. Von 1996 bis 2003 saß Zeitler für die Republikaner im Stadtrat. Dann wechselte er zur Würzburger Liste. 2014 schied er aus dem Stadtrat aus.

Die Beisetzung von Klaus Zeitler findet am 4. Januar am Würzburger Waldfriedhof im engeren Kreis von Verwandten und Freunden statt. Es werde, wie es Zeitler sich gewünscht habe, eine kleine Feier werden mit einer persönlichen Spende für eine gute Sache, sagt seine Tochter. Eine Ansprache zur Trauerfeier hält der Vorsitzende der Hetzfelder Flößerzunft Lothar Hartlieb, in der Zeitler das gesellschaftliche Leben genauso gepflegt hat, wie bei seinem Stammtisch im Bürgerspital.

"Ich danke auch den Bürgern meiner Stadt, dass ich das werden durfte, was ich geworden bin."
Altoberbürgermeister Klaus Zeitler

Einen Blick in das erfüllte Leben ihres Vater, das er immer mit Demut betrachtet habe, wird seine ihn bewundernde Tochter mit persönlichen Zitaten geben, die sie über lange Jahre festgehalten hat. Auch einem ihm sehr wichtigen Satz wird man da hören: "Ich danke auch den Bürgern meiner Stadt, dass ich das werden durfte, was ich geworden bin."

1974 empfängt OB Klaus Zeitler Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) im Wenzelsaal des Rathauses.
Foto: Hans Heer | 1974 empfängt OB Klaus Zeitler Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) im Wenzelsaal des Rathauses.

Trauerbeflaggung am Rathaus

„Sein Anspruch war es, ein Oberbürgermeister für alle zu sein“, würdigt OB Christian Schuchardt in einer Pressemitteilung den politischen Stil seines Amtsvorgängers. „Pragmatisch an die Dinge herangehend, mit klarem Blick für das Machbare und mit großem taktischem Geschick hat sich Dr. Klaus Zeitler im Stadtrat in wichtigen Fragen immer um eine breite Zustimmung bemüht. Wir werden ihn und sein Wirken immer ehrend im Andenken behalten.“ 

Zum Andenken an Altoberbürgermeister Zeitler wird ab Dienstag, 29. Dezember, auf den städtischen Facebook-Seiten ein virtuelles "Kondolenzbuch" freigeschalten. Das Rathaus wird in den kommenden Tagen trauerbeflaggt.

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