Würzburg

Wie Tilman Riemenschneider Würzburger Bürgermeister wurde

Selbstbildnis Tilman Riemenschneiders im Marienaltar der Herrgottskirche in Creglingen (1505/08).
Foto: Ulrich Wagner | Selbstbildnis Tilman Riemenschneiders im Marienaltar der Herrgottskirche in Creglingen (1505/08).

Weit über Franken hinaus ist Tilman Riemenschneider als Bildschnitzer, als der „fürsichtige und weise Meister“, eben als herausragender mainfränkischer Künstler aus der Zeit um 1500 bekannt. Indes leitete Riemenschneider nicht nur die größte spätmittelalterliche Bildschnitzerwerkstatt Würzburgs. Vielmehr war er auch politisch aktiv, d. h. als wohlhabender Bürger nahm er Spitzenämter in der Stadtverwaltung ein. Im November 1520, vor 500 Jahren, gelang es ihm schließlich, zum Würzburger Bürgermeister gewählt zu werden.

Karriere in Würzburg

Als Sohn eines Münzmeisters um 1460 im thüringischen Heiligenstadt geboren, ist Riemenschneider seit 1478/79 in Würzburg belegt, offensichtlich befand er sich dort zunächst als Geselle auf Wanderschaft. Zudem war sein Onkel Nikolaus hier einflussreicher Notar. 1483 kam Riemenschneider endgültig in die Stadt am Main und wurde als Maler in die Lukas-Bruderschaft aufgenommen, in der Bildschnitzer, Glasmaler und Maler vereint waren.

Die Sterblichkeit war hoch, daher war er insgesamt vier Mal verheiratet. Allerdings erleichterte ihm seine erste Ehe mit Anna Schmidt, der Witwe eines Goldschmiedes, 1485 den Eintritt in das städtische Bürgerrecht und die Übernahme der Meisterwürde. Damit war der gesellschaftliche Aufstieg gesichert, denn die Goldschmiede zählten zu den angesehensten Handwerkern der Stadt.

Herausragende Werke

1491 erhielt Riemenschneider vom Stadtrat den Auftrag für die freistehenden Plastiken von Adam und Eva am Portal der Marienkapelle. Acht Jahre später schloss er das prächtige Grabmahl mit dem realistisch porträtierten Bischof Rudolf von Scherenberg für den Dom ab, 1506 gestaltete er den berühmten Drei-Wappentisch für das Würzburger Rathaus. Das Original steht heute im Museum für Franken.

Adam und Eva am Marktportal der Marienkapelle.
Foto: Ulrich Wagner | Adam und Eva am Marktportal der Marienkapelle.

Für den Würzburger Dom schnitzte er den Hochaltar, ein beeindruckendes Kunstwerk, das allerdings 1710 abgebrochen wurde. In ähnlicher Qualität und Dimension präsentiert sich heute noch der Marienaltar in Creglingen. Die Großaufträge, wie etwa auch das Kaisergrab im Bamberger Dom, waren Anerkennung seiner außergewöhnlichen Meisterschaft. Er beherrschte ja nicht nur die kunstvolle Bearbeitung des weichen Lindenholzes, sondern auch des Solnhofener Kalksteins und des Untersberger Marmors.

Spitzenämter in der Stadt

Steil verlief auch seine politische Karriere: 1504 wurde er in den Würzburger Stadtrat berufen, 1505 zum Stadtbaumeister und 1512 zum Steuerherrn bestellt. Mehrfach vertrat er die Stadt als Abgeordneter im bischöflichen Oberrat. Im November 1520 wählten ihn die Ratsherren um Martini, den 11. November, zum Bürgermeister, 1521 ernannten sie ihn zum Altbürgermeister.

Fatale Entscheidung im Bauernkrieg

Gedenkstein für Konrad von Schaumberg in der Marienkapelle. Der Ritter verstarb auf der Rückfahrt von einer Wallfahrt ins hl. Land 1499.
Foto: Ulrich Wagner | Gedenkstein für Konrad von Schaumberg in der Marienkapelle. Der Ritter verstarb auf der Rückfahrt von einer Wallfahrt ins hl. Land 1499.

Weniger glücklich agierte Riemenschneider im großen Konflikt von 1525 zwischen Bauern, Bürgern und dem Fürstbischof: dem blutigen Aufruhr des sogenannten Bauernkrieges. Als sich die Stadt Würzburg im Mai 1525 nach der Flucht des Landesherrn Konrad von Thüngen zu Kurfürst Ludwig V. in Heidelberg zum Anschluss an die Aufrührer entschied, geriet auch er in den Sog der Ereignisse. Die vernichtenden Niederlagen zweier Bauernheere bei Königshofen und Ingolstadt nahe Reichenberg sowie der erfolglose Sturm auf die Marienburg brachten die Wende.

Nachdem Bischof Konrad, unterstützt von den Pfalzgrafen bei Rhein und dem Feldherrn Jörg Truchsess, seine Residenzstadt wieder eingenommen hatte, wurde Riemenschneider mit dem Stadtscheiber Martin Cronthal, den Stadträten und weiteren Bürgern verhaftet und auf dem Marienberg eingekerkert. Jörg Truchsess, der Obderbefehlshaber des siegreichen Heeres des Schwäbischen Bundes, drohte mit ihrer Hinrichtung.

Nach neun Wochen Gefangenschaft entlassen

Nach neunwöchiger Gefangenschaft entließ der Fürstbischof Riemenschneider mit den Stadträten gegen Urfehde, d. h. dem Schwur, Frieden zu halten. Laut Cronthal, der die Ereignisse in seiner Chronik vom Bauernkrieg eindringlich schildert, wurde Riemenschneider „hart gewogen und gemartert“, demnach auf der Folter mit Gewichten gestreckt; zudem verlor er einen Teil seines Vermögens. Dass man ihm die Hände brach, ist nicht belegt.

Grabstein Riemenschneiders (Museum für Franken).
Foto: A. Bestle | Grabstein Riemenschneiders (Museum für Franken).

In den nächsten Jahren führte er, unterstützt von seinem Sohn Jörg, noch einige Aufträge aus. 1531 verstarb er etwa 70-jährig. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof am Dom. 1822 entdeckte man dort seinen von Söhn Jörg geschaffenen Grabstein bei Bauarbeiten. Das Original steht heute im Museum für Franken, an der Nordwand des Doms ist eine Kopie angebracht.

Bleibende Verdienste

Über 40 Jahre hat Riemenschneider in Würzburg als Steinbildhauer und Bildschnitzer gewirkt. Hier gelangte er zu materiellem Wohlstand und hohem gesellschaftlichem Ansehen. Innerhalb der Ratsherrschaft erreichte er die höchsten Ämter.  Durch sein erfolgreiches künstlerisches Schaffen ist er bis heute weit über den mainfränkischen Raum hinaus bekannt.

Text: Ulrich Wagner

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