Würzburg

"Wir holen die ermordeten Menschen in den Alltag zurück"

Benita Stolz bei der Stolpersteinverlegung.
Foto: Thomas Obermeier | Benita Stolz bei der Stolpersteinverlegung.
Frau Stolz seit 2005 verlegen Sie mit ihrer Initiative Stolpersteine in Würzburg. Was war der Auslöser für Ihr Engagement?

Ich war damals als Touristin in Hamburg und hatte noch nie von Stolpersteinen gehört. Dort sah ich dann eine Straße voll mit diesen Steinen und begann mich in die Thematik einzulesen. In Würzburg fragte ich dann Dr. Schuster (Präsident des Zentralrats der Juden), was er von dem Konzept hält und er fand das gut. Anschließend stellte ich dann einen Antrag im Stadtrat und erklärte ihnen ein Jahr lang das Konzept. Eine große Unterstützung war hier auch Pia Beckmann.

Inzwischen haben Sie über 500 Stolpersteine verlegt. Gab es ein Ereignis, dass sie besonders berührt hat?

Besonders berührend fand ich, als 2012 die Nachkommen und Angehörige ehemaliger Würzburger Bürger auf Einladung von Oberbürgermeister Georg Rosenthal nach Würzburg kamen. Diese direkte Konfrontation, die Enkelkinder an den Stolpersteinen zu sehen, hat mich sehr berührt.

In anderen Städten gibt es immer wieder kritische Stimmen, die Stolpersteine als Andenken nicht optimal finden, da auf diesen oftmals achtlos rumgetrampelt würde. Wie sehen Sie das?

Für mich sind Stolpersteine eine eingängliche Form des Erinnerns. In Würzburg machen die Steine an vielen Ecken aufmerksam auf die Vergangenheit. Wir holen die ermordeten Menschen damit in den Alltag zurück. Es ist dabei den Passanten überlassen, ob sie die Gelegenheit zum Gedenken nutzen, oder nicht. Das Geniale dabei ist, dass wir die Hausbesitzer nicht nach ihrer Erlaubnis fragen müssen. Wäre das anders, gäbe es deutlich weniger Steine in Würzburg.

Seit diesem Jahr sind Sie Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Sehen Sie diese Würdigung auch als Zeichen dafür, dass der Gedenkkultur von der Gesellschaft die angemessene Anerkennung entgegengebracht wird?

Hier in Würzburg auf jeden Fall. Hier stehen alle Türen offen. Von Seiten der Politik, der Medien und auch von der Bevölkerung. Wir hatten noch keinen Fall, in dem Stolpersteine beschädigt wurden.

Nun wurde aber erst in den letzten Tagen eine Stele in der Kaiserstraße mutwillig beschädigt.

Ja darüber sind wir natürlich erschüttert und verunsichert. Das ist für Würzburg eine neue Dimension. Für uns heißt das, dass wir unsere Arbeit fortsetzen müssen. Der Fokus liegt dabei auf der Arbeit mit Jugendlichen. Wir haben auch aus der Region sehr starken Rückhalt und Unterstützung deswegen bekommen. Es wäre schön, wenn dies ein Einzelfall bliebe.

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