Würzburg

Würzburg: Ein Viertel der über 80-Jährigen ist geimpft

Das Corona-Impfprogramm in Stadt und Landkreis hat Fahrt aufgenommen. Trotzdem reißen die Klagen von Impfwilligen zur Terminvergabe und der Zuordnung der Impfzentren nicht ab.
Seitdem die beiden Impfzentren in Giebelstadt und Würzburg kurz nach Weihnachten ihren Betrieb aufgenommen haben, wurde rund ein Viertel der über 80-Jährigen aus Stadt und Landkreis Würzburg geimpft. 
Foto: Gerhard Meißner | Seitdem die beiden Impfzentren in Giebelstadt und Würzburg kurz nach Weihnachten ihren Betrieb aufgenommen haben, wurde rund ein Viertel der über 80-Jährigen aus Stadt und Landkreis Würzburg geimpft. 

Im Vergleich zu den vergangenen Wochen hat das Corona-Impfprogramm in Stadt und Landkreis Würzburg zwar deutlich an Fahrt gewonnen. Trotzdem reißen die Klagen von Impfwilligen über die schleppende Vergabe von Impfterminen und die Zuordnung zu den beiden Impfzentren in Würzburg und Giebelstadt nicht ab. Im Landratsamt ist man um Lösungen bemüht, allerdings bislang nicht mit dem gewünschten Erfolg.

Seit Mittwoch haben mit wenigen Ausnahmen alle Bewohner von Altenpflegeheimen ihre zweite Impfung erhalten, teilt Michael Dröse, der Verwaltungsleiter der Impfzentren, auf Anfrage der Redaktion mit. Inzwischen sind die mobilen Impfteams in stationären Einrichtungen für Menschen mit Behinderung unterwegs. Bis zum 17. März sollen die Zweitimpfungen dort abgeschlossen sein.

Insgesamt 5600 Impfdosen pro Woche

Insgesamt wurden mit Stand vom Donnerstag von den mobilen Impfteams 4553 Erst- und 4050 Zweitimpfungen verabreicht. Einschließlich der Impfzentren beträgt die Zahl der Erstimpfungen in Stadt und Landkreis 8987. Davon haben 6203 Personen bereits die zweite Impfung erhalten. Hinzu kommen 5574 Impfungen in Würzburger Kliniken, wie die Stadt am Freitag mitteilte. 

Lesen Sie auch:

Inzwischen seien in Stadt und Landkreis rund 5500 Menschen über 80 geimpft, so Dröse weiter. Das entspricht einer Quote in dieser Altersgruppe von 26 Prozent.  Stetig steigt auch die Menge des verfügbaren Impfstoffs. Waren es Ende Januar nur 924 Impfdosen des Herstellers Biontech, die den Würzburger Impfzentren pro Woche geliefert wurden, so seien für die kommende Woche 3606 Dosen von Biontech und weitere 2000 Dosen des Herstellers Astra Zeneca angekündigt. Im Impfzentrum an der Talavera sollen bis einschließlich kommenden Montag rund 2500 Erst- und Zweitimpfungen verabreicht werden, in Giebelstadt 720.

Schlechte Verbindung zum Impfzentrum

Unmut unter den Betroffenen löst aber weiterhin die Zuordnung zu den Impfzentren aus. So werden Bewohner aus dem westlichen Landkreis trotz schlechter ÖPNV-Anbindung nach Giebelstadt verwiesen. "Inzwischen weiß ich, dass meine Eltern (aus Waldbüttelbrunn) nach Giebelstadt müssen, obwohl die Talavera viel näher ist", schreibt eine Leserin aus Norddeutschland an die Redaktion. "Ich fahre an der Talavera vorbei, um am Bahnhof in den Bus nach Giebelstadt umzusteigen", schreibt ein Betroffener aus Helmstadt. Mindestens eineinhalb Stunden dauere die einfache Fahrt.

"Ich denke, die Leute haben inzwischen verstanden, dass die Termine nicht nach dem Prinzip 'Wer zuerst kommt, mahlt zuerst' vergeben werden."
Stefan Krüger, Pressesprecher BRK

Grund dafür ist die landesweit eingesetzte Software zur Terminvergabe, die die Zuordnung der Landkreisgemeinden zu den Impfzentren festlegt. "Wir haben sowohl direkt mit dem Staatsminister, als auch über die Koordinatoren an der Regierung von Unterfranken die Notwendigkeit einer Wahlmöglichkeit kommuniziert, insbesondere im Hinblick auf die mögliche Erweiterung von Impfangeboten neben den Impfzentren", schreibt Michael Dröse. Bislang allerdings ohne Erfolg.

Nachbesserungen an der Software angemahnt

Schon seit November seien neben den beiden Impfzentren auch dezentrale Impflinien für Menschen mit eingeschränkter Mobilität in den Gemeinden geplant, so Dröse weiter, "aber die Vorgaben der Software bilden diese Möglichkeiten nicht ab". Eine Anfrage der Redaktion an das Gesundheitsministerium, wann mit einer entsprechenden Nachbesserung der Software zu rechnen sei, blieb bislang unbeantwortet.

Lesen Sie auch:

Nachgebessert wurde hingegen bei der Online-Registrierung. Zum Start der Software konnte sich dort nur registrieren, wer über eine eigene Email-Adresse verfügte. Viele ältere Menschen stellte dies vor schwer lösbare Probleme. Die Folge war eine heillose Überlastung im Callcenter, das das Bayerische Rote Kreuz im Auftrag des Landkreises für die telefonische Registrierung eingerichtet hat. Den 500 bis 600 Registrierungen, die die acht Mitarbeiter an den Telefonen täglich bewältigen konnten, standen damals an einem einzigen Vormittag 17 000 registrierte Anrufversuche gegenüber

Inzwischen können sich mehrere Familienangehörige über eine gemeinsame Email-Adresse registrieren, sagt Stefan Krüger, Pressesprecher des BRK Kreisverbands Würzburg. Außerdem wurde die Zahl der Mitarbeiter im Callcenter auf 16 verdoppelt. "Das hat alles ein wenig entspannt, trotzdem schaffen wir es nicht, jeden Anruf gleich entgegen zu nehmen" sagt Krüger. Den rund 1000 täglich geführten Gesprächen stünden aktuell 1700 bis 1800 Anrufversuche gegenüber. Die Chancen seien also hoch, spätestens beim zweiten Versuch einen Gesprächspartner zu erreichen.

Terminvergabe streng nach Priorität

Allgemeine Fragen zur Impfung und zur Terminvergabe, die die Arbeit des Callcenters zusätzlich belastet hatt  en, seien ebenfalls seltener geworden, so der BRK-Sprecher. "Ich denke, die Leute haben inzwischen verstanden, dass die Termine nicht nach dem Prinzip 'Wer zuerst kommt, mahlt zuerst' vergeben werden." Das Computerprogramm weist, abhängig von der Prioritätsstufe der Impfwilligen und der Zahl der verfügbaren Impfstoffdosen, selbstständig die Reihenfolge der Terminvergabe zu. Später einmal, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht, soll es möglich sein, bei der Registrierung gleich einen Impftermin zu vereinbaren. 

Weit über zehn Prozent der knapp 300 000 Einwohner von Stadt und Landkreis Würzburg seien inzwischen registriert, so BRK-Sprecher Krüger. In welchem Umfang die rund 21 000 Menschen über 80 Jahren bereits erfasst seien, lasse sich aber leider nicht feststellen. "Das wäre auch für uns interessant, aber da ist die Software leider nicht sehr ergiebig", meint Stefan Krüger. Michael Dröse geht aber derzeit davon aus, dass Angehörige der zweiten Prioritätsstufe, also unter anderem über 70-Jährige, Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und Kontaktpersonen, ab April Impftermine vereinbaren können.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Würzburg
Gerhard Meißner
Behinderte
BioNTech
Coronavirus
Gesundheitsministerien
Impfungen
Mitarbeiterzahl
Regierung von Unterfranken
Regierungen und Regierungseinrichtungen
Robert-Koch-Institut
Rotes Kreuz
Senioren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (24)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!