Würzburg

Würzburger Adventskalender: Als Benno sich den Braten schnappte

Adventskalender-Autorin Bärbel Krumme war mit ihren Brüdern zum Weihnachtsbesuch bei ihrer Tante. Der Tisch war bereits fein gedeckt, als alles durcheinander geriet.
Der Tisch war schön gedeckt, doch dann geschah es.
Foto: Ralf Dieter | Der Tisch war schön gedeckt, doch dann geschah es.

Die Tante war kurz vor Weihnahten mit Kindern und Hund „Benno“ in ihr neues Haus gezogen. Es war ihr ganzer Stolz. Vor dem Einzug wurden noch die Biedermeiermöbel neu bezogen. Weihnachten sollte gefeiert werden. Wir waren eingeladen.

Pünktlich zum Mittagessen klingelten wir festtäglich gekleidet, worauf unsere kleinen Cousinen zur Tür eilten. Es gab eine freudige Begrüßung. Meine Tante kam mit gerötetem Gesicht aus der Küche in den Flur, nachdem sie ihre Schürze abgestreift hatte. „Fröhliche Weihnachten! Ihr kommt gerade zur rechten Zeit“, rief sie uns entgegen. „Gerade ist der Braten fertig geworden. Er steht bereits auf dem Tisch.“ An meine großen Brüder gewandt, fügte sie hinzu: „Ihr habt sicher einen Bärenhunger!“

Die Cousinen führten mich ins Wohnzimmer, wo der Tisch gedeckt war. Ein leises Knurren empfing uns. Benno, von den Kindern liebevoll „Benni“ genannt, saß mit seinem Hinterteil auf einem Stuhl, mit den Vorderbeinen auf dem Tisch, ein riesiges Stück Fleisch im Maul, unserem Weihnachtsbraten!

Seine Umgebung schwamm in Bratensoße: das weiße Tischtuch, die Tischdekoration, der frisch bezogene Biedermeierstuhl. Benno verteidigte leise knurrend seine Eroberung.

Die restliche Familie folgte unseren Schreckensrufen. Der Tante standen Tränen in den Augen. Sie hatte sich so viel Arbeit gemacht. Benno hatte die kurze Zeit unserer Begrüßung genutzt und alles zerstört. Ich konnte mit ihr fühlen. Mein jüngster Bruder stürzte zu Benni, worauf sein weißes Hemd ebenfalls in Soße getunkt wurde.

Erst als die Tante entsetzt „Benno“ schrie, ließ dieser von seiner Beute und sprang mit sichtlich schlechtem Gewissen und eingekniffenem Schwanz vom Biedermeierstuhl. Aber zu spät: Der Braten war hin, die festliche Tafel verwüstet.

Meine Mutter fing sich als Erste und begann die Aufräumaktion. Die Flecken ließen sich entfernen, ein frisches Tischtuch finden. Es wurde ein vegetarisches Weihnachtsessen. Nur der Bezug des Biedermeierstuhls war unrettbar dahin. Benni winselte sehnsüchtig, als wir ihn wegtrugen. Er roch so gut nach Soße.

Wir Kinder lachten als Erste und steckten die Erwachsenen an. Selbst die Tante lachte schließlich mit. Der Humor siegte.

Text: Bärbel Krumme

Bärbel Krumme ist Ärztin und leitete viele Jahre am Missionsärztlichen Institut die Arbeitsgruppe „Not und Katastrophenhilfe“.

In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Würzburg
Braten
Cousinen
Katastrophenhilfe
Saucen
Tischdekoration
Weihnachten
Weihnachten - Essen und Trinken
Weihnachtsbesuch
Weihnachtsbraten
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!