Würzburg

Würzburger Adventskalender: Salziger Schock  beim Plätzchenessen

Adventskalender-Autorin Eva-Maria Bast hat so ihre Erfahrungen in der Weihnachtsbäckerei gesammelt – darunter auch ziemlich traumatische aus der Kindheit.
Würzburger Adventskalender: Salziger Schock  beim Plätzchenessen
Foto: Benjamin Nolte, dpa

Alljährlich, pünktlich Mitte November, verfalle ich in einen langanhaltenden Rausch. Dann höre ich Weihnachtslieder in Dauerschleife, dekoriere jede verfügbare Fläche mit Glitzerhirschen und Sternen, die Treppengeländer werden mit Tannengirlanden umwunden. Nur der Plätzchenduft, der zieht erst seit einigen Jahren durch unser Haus.

Ich hatte nämlich gleich mehrere traumatische Erfahrungen in dieser Angelegenheit. Die erste ereignete sich in meiner Kindheit:  Ich war neun. Und hatte gebacken. Das erste Mal. Ich kam auch wirklich gut zurecht. Nur was eine Prise ist, wusste ich nicht. Zwei Prisen Salz sollte ich zugeben. Ein Teelöffel könnte das nicht sein, dachte ich in meiner neunjährigen Logik, denn Teelöffel war mit TL abgekürzt. Also, schlussfolgerte ich, müsste es sich um einen Esslöffel handeln. Ich gab zwei Esslöffel Salz in den Teig – und wie schön die Plätzchen aussahen! Sie glitzerten so herrlich!

Die Eltern probierten die Plätzchen und lächelten tapfer

Stolz präsentierte ich sie meinen Eltern. Die aßen jeder ein Plätzchen und lächelten tapfer und zuckersüß. Ich probierte auch – und erstarrte buchstäblich zur Salzsäule. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich mich wieder ans Plätzchenbacken wagte. Als ich Mama wurde, fand ich, das müsse eine gute Mutter tun und rührte hektisch zwischen Schreiben, Kinderbespaßen und Einkaufen einen Teig zusammen. Die Plätzen gelangen einfach nie! Entweder waren sie zu weich oder zu hart. Man empfahl mir, zu harte Plätzchen in eine Kiste mit Apfelschnitzen zu legen. Machte ich. An Weihnachten waren die Apfelschnitze samt Plätzchen verschimmelt. Wieder nichts.

Doch inzwischen klappt es mit dem Backen. Und zwar wie im Bilderbuch: Die Kinder und ich versammeln uns in der Küche, hören Weihnachtslieder und fabrizieren ganze Berge von Plätzchen. Das beste aber ist: Sie schmecken! Und sind weder verschimmelt noch zu hell oder zu dunkel.

Plätzchenbacken hat etwas mit Entschleunigung zu tun

Was sich verändert hat? Ganz einfach: Vor einigen Jahren widmete mich dem Thema Plätzchenbacken sozusagen beruflich. Nein, ich mutierte nicht zur Konditorin. Aber ich besuchte in der Weihnachtszeit jeden Tag eine plätzchenbackende Frau. Schrieb über sie. Über Rezept, Tradition, Stimmung. Ich spürte der Faszination des Backens nach. Und begriff in diesen weihnachtlichen Küchen: Plätzchen backen hat etwas mit Entschleunigung zu tun. Das kann man nicht zwischendrin mal eben so erledigen. Darauf muss man sich einlassen. Teig kneten. Mit Liebe und Geduld.

Plätzchen backen zwingt einen, ruhig zu werden in dieser hektischsten Zeit des Jahres, die ja eigentlich die stillste sein sollte. Insofern: Besinnliches Backen, guten Appetit und frohe Weihnachten!

Text: Eva-Maria Bast

Eva-Maria Bast ist Verlegerin, Journalistin und Autorin (u. a. "Würzburger Geheimnisse").

In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Würzburg
Advent
Adventskalender
Backen und Backrezepte
Mütter
Teelöffel
Teig
Weihnachten
Weihnachtsfeiern
Weihnachtsgebäck
Weihnachtszeit
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!