Würzburg

Würzburger Hafensommer und großer Spaß: 3 Höhepunkte der zweiten Woche - und was jetzt noch passiert

Der Oberbegriff für das Festival 2022 im Alten Hafen in Würzburg? Ganz klar: Er muss Vielfalt lauten. Bei Bands wie Publikum. Unsere Kurz-vor-Schluss-Bilanz.
Wenn die brennende Sonne dann mal weg ist, bekommt auch die schwimmende Bühne die Chance, ihre Ausstrahlung zu entfalten.
Foto: Patty Varasano | Wenn die brennende Sonne dann mal weg ist, bekommt auch die schwimmende Bühne die Chance, ihre Ausstrahlung zu entfalten.

Dieses Würzburger Hafensommer Festival 2022 ist programmatisch so (abwechslungs-)reich – selbst den Machern und Organisatoren fällt es schwer, nach knapp zwei Wochen ihren Hit, ihren Höhepunkt zu nennen. Spezielle Veranstaltungen wie die Songs an einem Sommerabend, der Familiensonntag mit einem stark besuchten Konzert am Mittag, der Junge Hafen . . . und dazu lauter unterschiedliche Musikstile von Abend zu Abend: "Für uns war das Besondere des diesjährigen Hafensommers, dass wir so ein überaus heterogenes Zielpublikum erreichen konnten", sagt Sophia Kippes vom Fachbereich Kultur der Stadt.

Was das Publikum betrifft: Die stärksten Abende nach Zahl der verkauften Tickets waren die Konzerte von Web Web x Max Herre, den Herren von Quadro Nuevo und Les Yeux D'La Tête. Jeweils 800 bis 1000 Besucherinnen und Besucher saßen, schwelgten, tanzten da auf der Treppe am Alten Hafen.

Hier ein kleiner Blick auf drei der vielen Höhepunkte, die Bewährtes und Ungewöhnliches vereinen. 

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Die bewährten Weltmusiker ohne Wasserscheu: Quadro Nuevo

Da war er noch trocken: Saxofonist Mulo Francel mit der Band Quadro Nuevo am Montag auf der schwimmenden Bühne beim Würzburger Hafensommer.
Foto: Patty Varasano | Da war er noch trocken: Saxofonist Mulo Francel mit der Band Quadro Nuevo am Montag auf der schwimmenden Bühne beim Würzburger Hafensommer.

Wie lässig klingt ein 7:1 der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Brasilien? Ziemlich lässig, ziemlich entspannt, ziemlich angenehm – zumal, wenn Quadro Nuevo auf dem Platz stehen, also auf der Bühne. Das Ensemble, das schon seit fast drei Jahrzehnten durch die Welt tourt, weiß zu betören und verzaubern mit musikalischer Leichtigkeit. Und weil Saxofonist Mulo Francel und seine drei Mitstreiter an Akkordeon und Trompete, Bass und Schlagzeug und Gitarre gerne selbstgeschriebene Stücke mit Klassikern der Weltmusik und Kompositionen befreundeter Musiker ergänzen, gibt's immer auch ein bisschen Werkeinführung zur Erklärung und Horizonterweiterung.

Jazz, Tango, Orientalisches – ziemlich gut, ziemlich bewährt, immer und ewig schön. Eine Band, die man gerne wieder und wieder live hört. Die Pandemie-Zwangspause nutzte Quadro Nuevo zum Produzieren von Kinderlieder-CD und Spirituosen – der "Kultur-Laden", also Merchandising-Stand, ist entsprechend gehaltvoll bestückt. Zum Werbeblock vor der Pause gibt's das Versprechen, dass "einer von uns hier, sollte das letzte Lied tatsächlich gespielt sein, hier ins Ikarische Meer springt".

Und, springt einer? Nach den schönen Klängen, flotten Rhythmen, seelenschmeichelnden Stücken legt Mulo Francel das Saxofon weg, schnappt sich einen Zuschauer – und hüpft unter Jubel in den warmen Main. Die Zugabe? Gibt's dann in Unterhosen.

Der maximal unmögliche Musikmix: Minyo Crusaders aus Japan

Bandleader Katsumi Tanaka kokettiert mit seinen lückenhaften Fremdsprachenkenntnissen: 'We are Minyo Crusaders!'
Foto: Patty Varasano | Bandleader Katsumi Tanaka kokettiert mit seinen lückenhaften Fremdsprachenkenntnissen: "We are Minyo Crusaders!"

Eine sehr viel unwahrscheinlichere Mixtur könnte man sich kaum ausdenken: traditionelle japanische Volkslieder, Minyo genannt, wie sie sonst von Bergarbeitern, Sumoringern oder Seeleuten gesungen werden (oder eher wurden) und südamerikanische, karibische und afrikanische Rhythmen, Jazz, ein wenig Rock und sehr viel Coolness. Das ist die japanische Band Minyo Crusaders.

Es hört sich genau so an, wie man es sich vorstellt: kunstvoll komplizierte Melodien, die sich für westliche Ohren endlos und ein wenig schräg anhören, unterlegt – nein: verschmolzen mit nahezu allem, was rhythmisch und melodisch abgeht, also Cumbia, Son, Salsa, gerne auch mal gerade und ungerade Metren gegeneinander. Das ist ungeheuer bannend und regt gleichzeitig fast unausweichlich zum Mittanzen an. Was denn auch alle auf der Treppe zur extra eingeübten Choreografie tun.

Freddy Tsukamoto singt mit riesigem Umfang und charakteristisch hellem Timbre hypnotische Weisen, die von Liebe und anderen Lebenslagen handeln (man kann das im Netz recherchieren, erklären tut es keiner). Gitarrist und Bandleader Katsumi Tanaka kokettiert mit seinen lückenhaften Fremdsprachenkenntnissen: "We are Minyo Crusaders", liest er ein ums andere Mal vorgeblich von seinem Zettelwust ab. Und: "Vielen Dank Wurzbach!"

Dazu kommen Saxofon, Trompete, Bass, Keyboard und reichlich Percussion. Die Band, die Ry Cooder als eine der besten überhaupt bezeichnet haben soll, ist in der Tat von erlesener Qualität. Eindrucksvoller, unterhaltsamer kann man die weltumspannende Kraft der Musik kaum demonstrieren. So viel Perfektion mit so viel Lockerheit. Der Italiener nennt das Sprezzatura und meint damit die Fähigkeit, Schweres leicht aussehen zu lassen. Aber das wäre dann vielleicht doch eine kulturelle Querverbindung zu viel.

Trügerisch romantische Musette-Walzer: Les Yeux d’la Tête aus Paris

Les Yeux d'la Tete in Aktion: Die Band ist bestens eingespielt.
Foto: Patty Varasano | Les Yeux d'la Tete in Aktion: Die Band ist bestens eingespielt.

Von Wurzbach nach Würzbürg: Les Yeux d’la Tête aus Paris, Frankreich, spielen am Donnerstag vor fast ausverkaufter Treppe, anfangs noch bei Temperaturen in den hohen Dreißigern. Der Bandname ist dem Ausdruck "Ça coûte les yeux de la tête" entnommen – das kostet die Augen des Kopfes. Meint: Etwas ist sehr teuer. Les Yeux d’la Tête, die 2018 schonmal beim Hafensommer waren, spielen einen sehr tanzbaren Mix aus Musette, Klezmer, Balkan- und Latino-Klängen, iberischen und arabischen Einsprengseln, Rock und natürlich Chanson.

Was nicht heißt, dass man nicht auch ein Blitzmedley von Led Zeppelin über Deep Purple, Nirvana bis hin zu Britney Spears einstreuen kann: "I don't speak English". Neben der altbekannten Schwierigkeit der Franzosen, Fremdsprachen zu lernen, geht es in den schnellen, witzigen, oft auch sarkastischen Texten um freie Rede ("Laisse-moi chanter"), den atemlosen Wahnsinn der Neuen Medien ("Bonne nouvelle", "Like me") und natürlich um die Liebe.

Ober um deren Unmöglichkeit: "M'en veux pas" ist ein romantisch klingender Musette-Walzer  (zu dem sich etliche Pärchen im Publikum innig umarmen), der aber um die eine Textzeile kreist: "Sei mir nicht böse, wenn ich nicht lieben kann. Aber für dich kann ich singen." Und singen können sie, spielen übrigens auch: Benoît Savard (Gesang, Gitarre), Eddy Lopez (Saxofon), Émilien Pottier (Bass), Xavier Hamon (Schlagzeug) und Rodrigue Fernandes (Akkordeon) sind eine bestens eingespielte Live-Band. Das Publikum ist begeistert.

Endspurt an diesem Wochenende: Was jetzt noch kommt

Die in Berlin lebende Irin Wallis Bird pflegt eine Mischung aus Rock, Pop, Soul und Irish Folk.
Foto: Tobias Ortmann | Die in Berlin lebende Irin Wallis Bird pflegt eine Mischung aus Rock, Pop, Soul und Irish Folk.

Das letzte Hafensommer-Wochenende 2022 lockt nochmal mit großer Vielfalt. Am Samstag betreten ab 19.30 Uhr  zwei charismatische Sängerinnen die schwimmende Bühne: Wallis Bird und Janine Cathrein mit ihrer Band Black Sea Dahu. Die in Berlin lebende Irin Wallis Bird pflegt eine Mischung aus Rock, Pop, Soul und Irish Folk. Black Sea Dahu aus Zürich wiederum spielen melodischen, gitarrenbetonten Indie-Folk. Den Abschluss am Sonntag macht um 20 Uhr die Münchner Jazzrausch Bigband mit ihrer Fusion aus House, Techno und Jazz.

Näheres und Karten unter www.hafensommer-wuerzburg.de

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