Würzburg

Würzburgs Literaten haben eine Menge in der Mache

Fertiges in Händen, Manuskripte im Blick: (von links) Erhard Löblein, Ulrike Sosnitza, Ulrike Schäfer, Pauline Füg und Amadé Esperer versprechen ein spannenden Literaturjahr. PAT CHRIST
Foto: Foto: | Fertiges in Händen, Manuskripte im Blick: (von links) Erhard Löblein, Ulrike Sosnitza, Ulrike Schäfer, Pauline Füg und Amadé Esperer versprechen ein spannenden Literaturjahr. PAT CHRIST

So knackig dürften Veranstaltungen öfter sein. In nur 50 Minuten schaffte es der Würzburger Autorenkreis am Donnerstag im proppenvollen Max-Dauthendey-Saal der Stadtbücherei, den offiziellen Teil seines Neujahrsempfangs über die Bühne zu bringen. Die ausgewählten Appetithappen machten Liebhabern des geschriebenen Worts Lust auf das, was die 25 Mitglieder des Kreises in der Mache haben. Und das ist eine Menge, verdeutlichte Gunter Schunk vom Sprecherduo der Gruppe.

So arbeitet Ulrike Schäfer gerade an einem Theaterstück, das zum 700-jährigen Jubiläum des Bürgerspitals Anfang Juli in der Kelterhalle des Spitals uraufgeführt werden soll. „Danach wird es endlich wieder zurück zur Prosa gehen“, verrät die Autorin, die im vergangenen Jahr mit ihrer im Mainfranken Theater uraufgeführten Bühnenfassung „Die Jünger Jesu“ nach Leonhard Frank auf sich aufmerksam machte.

Ein längeres Manuskript warte darauf, wiederaufgenommen zu werden, sagt Schäfer. Im Mittelpunkt steht eine junge Architektin aus Berlin, die sich ein Haus kauft und dieses Haus umbauen will. Dabei gerät sie in eine Lebenskrise.

Ulrike Sosnitza hat es geschafft, die renommierte Literaturagentur Hoffman in München für sich zu interessieren. Die Agenten wiederum konnten den neuen Roman der Würzburgerin – „Novemberschokolade“ – im Münchner Heyne-Verlag platzieren. Protagonistin ist eine Chocolatiere, deren Laden vor dem Ruin steht. Aufgrund dieser Turbulenzen entdeckt sie ein Familiengeheimnis.

Pauline Füg gab beim Neujahrsempfang einen Einblick in die 2015 erschienene dritte Anthologie des Autorenkreises. „Worte Welten Wirklichkeiten“ ist das knapp 200 Seiten starke Buch betitelt. Mit ihrem Gedicht „Ganze Welten“ entführt Füg darin metaphorisch in die Welt der Schwerelosigkeit. „Der Text entstand, als ich in einem Hotel N24 geschaut habe“, verriet die Wortakrobatin. Eine Dokumentation über Menschen im Weltraum flimmerte über den Bildschirm. An den Satz: „Ich führe Experimente mit Schwerelosigkeit durch“ dockte Füg sofort an. Welche Poesie für einen solchen Sender!

Ihr persönlicher Rückblick auf 2015 fällt äußerst positiv aus. Füg: „Das Jahr lief literarisch einfach prima.“ So wurde eine „Spoken-Word-CD“ ihres Elektropoesie-Projekts „großraumdichten“ im November im Würzburger Stellwerck Verlag veröffentlich: „Zudem konnte ich zwei Preise einheimsen, den Kulturförderpreis der Stadt Würzburg und den Sprachbewahrerpreis.“

2016 plant Füg einige Reisen, von denen sie sich neuen Input erhofft. Außerdem hat sie ein Sachbuch über Poetry Slam im Unterricht in der Mache. „Und hoffentlich finde ich auch noch ein bisschen Zeit für meinen Roman.“ Für „Würzburg liest ein Buch“ entsteht auch ein neuer Text: „Und dann ist da noch Friedrich Rückert mit seinen ,Kindertotenliedern?, dem ich gerade eine Antwort schreibe.“

Amadé Esperer präsentierte sich beim Empfang als wacher politischer Lyriker. „Denk ich an Deutschland, dann denk ich“ lautete der Titel einer der beiden Gedichte, die er vortrug. Seinen Lesebeitrag widmete er dem zum Tode verurteilten palästinensischen Lyriker Ashraf Fayadh. Wurde doch am Donnerstag, was ohne Esperer an Würzburg vorbeigegangen wäre, ein weltweiter literarischer Protesttag für die Freilassung des 35-Jährigen Regierungskritikers aus der saudi-arabischen Todeszelle organisiert.

Heuer wird sich Esperer kritisch mit dem Thema „Altern“ in unserer Gesellschaft befassen. „Im Hades“ lautet ein Zyklus innerhalb des neuen Gedichtbands, an dem er gerade arbeitet. Auch politische Gedichte werden wieder beinhaltet sein.

Politisch wird auch Erhard Löbleins neuer Roman, in dem er auf die Nazizeit zurückgreift. Es geht um die Geschichte eines von der Nazi-Ideologie begeisterten Jungen: „Nach der NS-Zeit hat er große Schwierigkeiten, sich abzunabeln.“ Immer wieder sickert das, was ihm als Junge eingebläut wurde, durch. „Ich hatte schon lange vor, dieses Buch zu schreiben“ so Löblein, der auf diese Weise auch eigene Erfahrungen verarbeiten will.

Einfach werde es nicht werden, den Roman zu verfassen. Auch werde es kein Happy-End geben. Allenfalls ein offenes Ende.

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