WÜRZBURG

Zweckverband Abfallwirtschaft: Mit Mut an die Spitze Europas

Als 1979 der Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg für die Stadt und die Landkreise Würzburg und Kitzingen ins Leben gerufen wurde, gab es nur harschen Gegenwind. Verbrennung von Abfällen war Neuland. Heute gilt die Würzburger Anlage hinsichtlich ihrer ökologischen und wirtschaftlichen Arbeitsweise immer noch in ganz Europa als Vorbild.
Die Zweckverbandsvorsitzende Landrätin Tamara Bischof verabschiedete gestern Landrat Waldemar Zorn und OB Pia Beckmann, die seit Jahren bei der Abfall-Entsorgung mit in der Verantwortung waren.
Foto: FOTO D. Zwirner | Die Zweckverbandsvorsitzende Landrätin Tamara Bischof verabschiedete gestern Landrat Waldemar Zorn und OB Pia Beckmann, die seit Jahren bei der Abfall-Entsorgung mit in der Verantwortung waren.

Bei der 100. Zweckverbands-Sitzung am Montag zog die amtierende Vorsitzende des Verbandsrates Tamara Bischof (Kitzingen) gestern Bilanz. Die Ursprungs-Idee, aus Abfall Energie zu gewinnen, war ein absoluter Volltreffer. In der Verbrennungsanlage Würzburg ist die Idee fast perfektioniert.

Deshalb war es auch eine kluge Entscheidung, zur Jubiläums-Verbandsversammlung die Gründer, Ideengeber und Zweckverbandsräte der ersten Stunde ins MHKW einzuladen. In ihrer Ansprache nannte Bischof neben den mutigen politischen Entscheidungsträgern vor allem auch die Mitarbeiter im technischen Bereich, die absolute Pionier- und Überzeugungsarbeit geleistet haben. Zu verabschieden hatte sie gleichzeitig die Verbandsvorsitzenden Landrat Waldemar Zorn und OB Pia Beckmann, die vor allem wichtige Weiterentwicklungen des Zweckverbandes mitzutragen hatten.

Vater des Müllheizkraftwerkes

Zu den politischen Gründervätern gehörten der damalige Würzburger OB Klaus Zeitler und die Landräte Georg Schreier und Rolf Bauer. Im technischen Bereich gilt der frühere Stadtwerke-Direktor Helmut Stumpf als „Vater“ des Müllheizkraftwerks mit seiner Kombination von Energie und Ferndampf bei der Abfall-Verbrennung. Der 87-jährige Helmut Stumpf war bei der Jubiläums-Sitzung ebenfalls dabei. Für die Optimierung der Rauchgas-Reinigung sorgte dann der Ingenieur und Tüftler Gerhard Kerber. Heute ist er ebenso im Ruhestand wie Günther Grötzbach, der für ein tragbares System der Reststoffe sorgte. Auf der wirtschaftlichen Seite hatte der Zweckverband großes Glück mit Geschäftsführer Ferdinand Kleppmann. Seiner Expansionspolitik ist es zu verdanken, dass die Verbrennungsgebühren für die Zweckverbandsmitglieder deutlich gesenkt werden konnten.

War das Müllheizkraftwerk am Faulenberg am Beginn noch grundsätzlich umstritten, entspann sich vor Jahren abermals eine große öffentliche Diskussion wegen der Erweiterung um die dritte Ofenlinie. Diese führte zu einer deutlichen Vergrößerung der Verbrennungskapazitäten, die den Bedarf des Verbandsgebietes deutlich überstiegen. Zumal im gleichen Zeitraum die heute selbstverständliche Abfall-Trennung mit der Verwertung von organischen Stoffen und Kunststoffen immer perfekter geworden war. Darüber diskutiert heute niemand mehr.

Internationales Ansehen

Heute genießt das in Würzburg entwickelte System internationales Ansehen, weil die beste Technik vor allem in der Rauchgasreinigung eingesetzt wird. Vor allem Kerber „bastelte“ aus den Angeboten auf dem Technologie-Markt eine Anlage, die heute als technisch besonders robust gilt. In dieser Zeit wurden viele Systeme der Abfall-Entsorgung in anderen Städten zu den Akten gelegt. Trotz vieler Investitionen im Gesamtwert von mehreren hundert Millionen Euro ist die Würzburger Anlage derzeit praktisch schuldenfrei. 30 Millionen Euro Schulden auf dem Papier stehen ebenso hohe Rücklagen entgegen.

Wie vorausschauend die Entscheidung für die Abfall-Verbrennung vor 29 Jahren war, zeigt die Tatsache, dass der Rat der Europäischen Union erst vor kurzer Zeit einstimmig beschlossen hat, die Müllverbrennung als thermische Abfallverwertung anzuerkennen. Bei der derzeitigen Betriebsweise werden durch die Energienutzung bei der Abfallverbrennung im MHKW jährlich 23 Millionen Liter Heizöl oder 25 Millionen Kubikmeter Erdgas eingespart. Eine Deponierung von Haushalts- und Industrieabfällen ist inzwischen gesetzlich ohnehin nicht mehr möglich. Ferdinand Kleppmann beklagte lediglich eine problematische Grauzone auf dem Abfallmarkt, den die EU in den osteuropäischen Ländern offenbar nicht in den Griff bekommt.

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