Hammelburg

Nicht begeistert von Geisterspielen

Bei den Heimpartien der Hammelburg Volleys können derzeit Fans und Bewirtungskräfte nicht dabeisein. Sie verfolgen die Begegnungen fleißig am Livestream. Welche Vorteile das hat und was sie dennoch vermissen.
Leere Saaletalhalle, leere Ränge: Fans und Verantwortliche finden eigene Wege, bei Heimspielen der Hammelburg Volleys live dabei zu sein.   Foto: Jens Feistle       -  Leere Saaletalhalle, leere Ränge: Fans und Verantwortliche finden eigene Wege, bei Heimspielen der Hammelburg Volleys live dabei zu sein.   Foto: Jens Feistle
| Leere Saaletalhalle, leere Ränge: Fans und Verantwortliche finden eigene Wege, bei Heimspielen der Hammelburg Volleys live dabei zu sein. Foto: Jens Feistle

Geisterspiele. Höchstwahrscheinlich bis zum Ende dieser Saison. Damit müssen sich alle bei den Hammelburg Volleys abfinden, damit der Ligabetrieb auch während Corona weitergehen kann. So an diesem Samstag, 18 Uhr, daheim gegen den TSV Mühldorf. Doch wie erleben jene diese Spiele, die sonst immer in der Saaletalhalle waren - ob als Zuschauer oder Mitglied des Funktionsteams? Die Redaktion hat nachgefragt.

Samstag, 20 Uhr? Dieser Termin war für "Edelfan" Christian Gartenmeister stets geblockt, zumindest während der Saison. Diese Abende verbrachte der Hammelburg-Fan immer mit, beim und für den Volleyball. Alle zwei Wochen selbstverständlich auf der Tribüne der Saaletalhalle.

Das funktioniert gerade nicht. Zuschauer sind nicht zugelassen. Gartenmeister muss sich mit dem Platz auf dem heimischen Sofa begnügen. Immerhin: Er kann die Spiele seiner Volleys im Livestream genießen. So auch gegen Mühldorf (www.sporttotal.tv).

Doch der glühende Fan vermisst sie: die Live-Stimmung in der Halle, das Fachsimpeln mit Freunden, das Zusammenstehen in den Pausen und nach der Partie im Foyer. "Es ist schade; mir fehlt die Atmosphäre. Die ist eine ganz andere als in der Halle."

Dennoch: Gartenmeister ist froh, die Spiele seiner Lieblingsmannschaft zumindest online schauen zu können. "Das ist besser als sonst der Liveticker. Da wusste man ja nicht, wie der Punkt zustande kam beziehungsweise gespielt wurde." Für ein bisschen Austausch sorgt eine WhatsApp-Gruppe, in der sich langjährige Hammelburger Fans zusammengefunden haben.

Der Liveübertragung mit den Kommentatoren Oliver Wendt und Sebastian Becker bescheinigt er ein hohes Niveau, vielleicht gar "1. Liga". Andere Livestreams aus anderen Hallen seien damit nicht vergleichbar - die Qualität der Kommentierung, die manchmal seltenen Blickwinkel aufs Spiel.

Diese Saison sieht sich Christian Gartenmeister nicht mehr bei Heimspielen in der Saaletalhalle. Im Herbst vielleicht, wenn die neue Spielzeit beginnt. Insgeheim rechnet der Fan aber damit, dieses Jahr ohne Live-Volleyball bestreiten zu müssen. Trotzdem unterstützt er seinen Verein mit dem Kauf von reichlich Online-Streamingtickets - obwohl die Übertragung eigentlich nichts kostet.

Mehr mitbekommen im Livestream

Ein generelles Zutrittsverbot für die Saaletalhalle gilt für Vilma Bindrum nicht. Sie ist Mitglied der Abteilungsleitung und für den weiblichen Nachwuchs verantwortlich. Die 57-Jährige führt auch das Catering-Team, nimmt Einteilungen vor, kauft ein, packt mit an. Doch weil Essens- und Getränkeausgabe untersagt ist, fällt die Bewirtung flach. Und so schauen Bindrum und ihre 15 bis 18 Mitstreiter die Volleys-Spiele daheim im Livestream. Und bekommen sogar mehr mit als früher.

Vor Corona waren die drei, vier Mitglieder des jeweiligen Catering-Teams zwei Stunden vor der Partie in der Halle, schmierten Brötchen, holten Getränke aus dem Wagen. "Da war Wallung in der Küche", sagt Bindrum. Die Fans kamen vor und nach dem Spiel zur Ausgabe, zwischen den Sätzen und in der Zehn-Minuten-Pause. Da blieb wenig Zeit, sich selbst mal für ein paar Punkte auf die Tribüne zu setzen. Zumal es nach dem Spiel hieß: aufräumen.

Und obwohl das jetzt entfällt, sagt Vilma Bindrum: "Jeder freut sich, bald wieder in der Halle zu stehen, auch wenn man nicht alles mitbekommt."

Das unbekannte Team aus Oberbayern und ein Mini-Comeback

Verzögerung Drei Anläufe brauchte es, dass beide Teams zum allerersten Mal in dieser Saison aufeinandertreffen. Am 8. November sollten die Volleys zum Auswärtsspiel anreisen; es wurde wegen einer Quarantäne bei Mühldorf auf den 19. Dezember verlegt. Auch dieses Spiel fiel wegen ausgesetzten Spielbetriebs aus.

Ohne zwei Zehn Tage mussten acht Hammelburger Spieler wegen positiver Corona-Tests bei den Volley Youngstars Friedrichshafen in Quarantäne verbringen. "Zehn Tage, in denen vor allem unser Teammanager Matthias Benner täglich unzählige Telefonate mit Gesundheitsämtern, Laboren, den betroffenen Vereinen und der Volleyball-Bundesliga geführt hat", so Pressesprecher Olly Wendt. Jeweils zwei PCR-Tests mussten die Betroffenen machen. Seit Mittwoch ist ein Großteil des Teams wieder im Training; allerdings müssen die Volleys auf zwei Spieler verzichten, die noch in Quarantäne sind, denen es nach Aussage der Teamverantwortlichen aber gut geht.

Rückkehr Nico Bitsch wird in den kommenden Wochen vor allem die angespannte Lage auf der Mittelblockerposition entspannen. Auch wenn Luca Dierks nach Fußbruch ins Training einsteigen konnte.

Der Gegner Die Aufsteiger auch Oberbayern mischen die Liga auf. Dabei sind sie nur dabei, weil nach coronabedingtem Abbruch der Dritten Liga Eibelstadt auf den Aufstieg verzichtete. Für Mühldorf ist es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte . Trainer Michael Mayer verfügt über ein sehr junges Team mit vielen Eigengewächsen, darunter die Brüder Ferdinand, Leonhard und Johannes Tille. Mühldorf konnte im männlichen Bereich vier deutsche Meistertitel gewinnen. Der Aufsteiger beeindruckt mit schneller, dynamischer Spielweise und gefährlichen Aufschlägen, so dass vor allem Hammelburgs Blockspieler viel Arbeit haben werden. Vor der Niederlage gegen Gotha beeindruckte man mit sechs Siegen in Folge. Der Lohn: 28 Zähler aus 16 Spielen und ein stabiler Tabellenrang 7. olly

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