Nürnberg

Grethlein erhält die meisten Stimmen

Die Club-Mitglieder halten dem alten und wohl auch neuen Aufsichtsratsvorsitzenden die Treue. Auch Ex-Profi Pagenburg wird bei der virtuellen Mitgliederversammlung zu später Stunde gewählt.
Stand vor einer Kamera statt vor den Mitgliedern: Thomas Grethlein, bisheriger Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Nürnberg, bei der virtuelle Mitgliederversammlung. 
Foto: 1. FC Nürnberg | Stand vor einer Kamera statt vor den Mitgliedern: Thomas Grethlein, bisheriger Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Nürnberg, bei der virtuelle Mitgliederversammlung. 

Mitgliederversammlungen des 1. FC Nürnberg sind immer anstrengende Mammutveranstaltungen. Da machte die erste virtuelle Ausgabe keine Ausnahme. Erst um 1.40 Uhr am Mittwochmorgen war sie nach über siebenstündiger Dauer beendet, trotz einer straffen Leitung und tadellos funktionierender Technik. Zwei Chat-Fenster, in denen Fragen gestellt werden konnten, beanspruchten eben ähnlich viel Zeit wie die Aussprachen zu Corona-freien Zeiten in der altehrwürdigen Meistersingerhalle.

In der Geschäftsstelle des 1. FC Nürnberg hielten sich die Vorstände und der bisherige Aufsichtsrat bei der virtuellen Mitgliederversammlung auf. Draußen sahen bis zu 4000 Mitglieder zu.
Foto: 1. FC Nürnberg | In der Geschäftsstelle des 1. FC Nürnberg hielten sich die Vorstände und der bisherige Aufsichtsrat bei der virtuellen Mitgliederversammlung auf. Draußen sahen bis zu 4000 Mitglieder zu.

Die durch die virtuelle Form gebotene Möglichkeit, lieber ins Bett zu gehen, wurde genutzt. Von den knapp 4000 Mitgliedern, die anfangs online waren, beteiligte sich nur noch rund die Hälfte an der turnusmäßigen Wahl von drei der neun Aufsichtsräte, die am Ende der Tagesordnung stand. Thomas Grethlein  hat die im Umfeld des Fast-Abstiegs der Profis aus der 2. Bundesliga aufgekommene Kritik an seiner Person und am Aufsichtsrat nicht geschadet. Der bisherige und wahrscheinlich auch künftige Aufsichtsratsvorsitzende erhielt mit 1108 Stimmen das mit Abstand beste Wahlergebnis.

Aus der großen Zahl von 18 Bewerbern, die sich mit dreiminütigen Videos vorstellten, schafften auch Uni-Professor Matthias Fifka (799 Stimmen), ein Wirtschaftswissenschaftler, und der ehemalige Club-Profi Chhunley Pagenburg (696 Stimmen), heute Immobilien-Unternehmer, für drei Jahre den Sprung in das wichtigste Gremium des Vereins.  

Nicht vereinsschädigend gehandelt

Grethlein schrieb sich in seiner Rede, die er in der Geschäftsstelle hielt, die finanzielle Konsolidierung des Vereins in den letzten sechs Jahren auf die Fahnen. Auch für die derzeitige Saison müsse man sich keine Sorgen machen. Als größte persönliche Niederlage bezeichnete es der 62-Jährige, dass in seiner Amtszeit schon drei Sportvorstände vorzeitig gehen mussten. Mit dem im Juli verpflichteten Dieter Hecking solle auf dieser Position nun Kontinuität einziehen.  In der Aussprache wurde Grethlein auch dazu gefragt, dass er bei den Relegationsspielen gegen Ingolstadt mit Bier und Zigarre auf der Tribüne gesehen worden war. Grethlein sagte, er könne dabei kein vereinsschädigendes Verhalten erkennen und gab zu verstehen, dass die Genussmittel zur Beruhigung seiner Nerven beigetragen hätten.  

Ex-Profi Pagenburg, der 2007 zum Pokalsieger-Aufgebot gehört hatte, versprach den Mitgliedern,  fachliche Expertise im Kontrollgremium einzubringen, die bisher gefehlt habe. Professor Fifka lehrt an der Universität Erlangen-Nürnberg strategisches und werteorientiertes Management und berät auch professionelle Sportvereine. Als sein zentrales Anliegen bezeichnete er es, den Verein dabei zu unterstützen, sich dauerhaft in der ersten Liga zu etablieren. Fifka brachte auch einen Stadion-Neubau ins Spiel. 

Der Antrag von Mitglied Fritz Sörgel, die Wahlen auf das Frühjahr zu verschieben, um den Mitgliedern bessere Möglichkeiten zu geben, die Aufsichtsratskandidaten kennenzulernen, war zu Beginn des Abends durch die Genehmigung der Tagesordnung verworfen worden.  Der Antrag der Verwaltung auf Satzungsänderungen wurde wegen der fortgeschrittenen Zeit gestellt mit Mehrheit abgesetzt.

Will eine positivere Grundhaltung zum 1. FC Nürnberg erreichen: Sportvorstand Dieter Hecking.
Foto: 1. FC Nürnberg | Will eine positivere Grundhaltung zum 1. FC Nürnberg erreichen: Sportvorstand Dieter Hecking.

Hecking hört zu viel Negatives

Der neue Sportvorstand Hecking gestaltete seinen Premierenvortrag sehr detailliert und informativ. Im Zentrum seiner Ausführungen stand aber ein Appell an die Mitglieder: "Geben Sie dieser Mannschaft Vertrauen!" Obwohl der Club in den letzten zwei Jahren sportlich durchgeschüttelt worden sei, werde zu viel Negatives über den Verein und die Spieler geäußert, meinte Hecking, nicht nur in den Medien. "Da müssen wir dagegen angehen." Er forderte mehr Realismus bei sportlichen Bewertungen. Hecking berichtete, die engere Verzahnung des Profibereichs mit dem Nachwuchsleistungszentrum habe er schon vorangetrieben. Es gebe aber nie die Garantie, dass es eigene Jugendspieler zu den Profis schaffen.

Finanzvorstand Niels Rossow berichtete von einem positiven Ergebnis im Geschäftsjahr 2019/20. Trotz der Corona-Pandemie mit Einnahmeausfällen hatte der Club zum Stichtag 30. Juni einen operativen Jahresüberschuss von 1,8 Millionen Euro nach Steuern und stockte das Eigenkapital damit auf 10,4 Millionen Euro auf. Rossow sprach aber auch von einem schwierigen aktuellen Geschäftsjahr, je nach Andauer der Corona-Effekte. Erstmals hat der Club sein breites soziales Engagement in einem 90-seitigen Berichtsheft zusammengefasst. Rossow distanzierte sich für den Verein von allem rechtsradikalen Gedankengut, nachdem Ultras vor einigen Wochen in einem Transparent am Stadion  einen verstorbenen Rechtsradikalen gedacht hatten, der auch Club-Fan war.

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