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TSV Westheim: Mit Spaß zurück zum Erfolg

Freiwillig marschierte der frühere Bezirksligist vor zwei Jahren in die B-Klasse. Und mischt dort die Liga auf. Wohin der Weg führen soll und was dabei oberste Priorität hat.
Komplett verwaist ist das 'Winkelberg-Stadion' des TSV Westheim. Sportleiter Christoph Schwab und seine Jungs wollen sich den Spaß aber trotzdem nicht verderben lassen.
Foto: Matthias Lewin | Komplett verwaist ist das "Winkelberg-Stadion" des TSV Westheim. Sportleiter Christoph Schwab und seine Jungs wollen sich den Spaß aber trotzdem nicht verderben lassen.

19. Mai 2019: Trotz der 2:3-Niederlage gegen Untersteinbach am letzten Spieltag der Saison 2018/19 konnte der TSV Westheim den Klassenerhalt in der Kreisklasse Schweinfurt 3 feiern. Oder eben auch nicht. Denn der Verein entschied sich kurz darauf, freiwillig zwei Klassen zu überspringen – und zwar nach unten – ein Schritt mit Seltenheitswert. "Uns fehlt eindeutig die Qualität für die Kreisklasse", begründete das damalige Vorstandsmitglied des einstigen Bezirksligisten, Uwe Jilke, den Re-Start des Vereins in der B-Klasse.

Gesundschrumpfen nennt man das gemeinhin. Bereut haben die Westheimer diesen ungewöhnlichen Gang bisher nicht. Nach 20 absolvierten Partien und nur einer Niederlage steht der TSV mit komfortablem Vorsprung an der Tabellenspitze der B-Klasse Schweinfurt 5 und ist bereit für den Aufstieg in die A-Klasse.

101 Tore in 20 Saisonspielen

101 Treffer in 20 Partien stehen für den TSV bislang zu Buche. Lediglich der Saisonauftakt beim FC Knetzgau II ging mit 1:2 verloren, danach gab es ausschließlich Siege – 19 an der Zahl. Darunter die beiden gegen die Verfolger aus Dürrfeld (3:0) und Steinsfeld (1:0). 

Die hohe Trefferquote mit durchschnittlich fünf Toren pro Spiel versucht Christoph Schwab, der Sportleiter des TSV, allerdings zu relativieren: "Wir hatten natürlich auch Spiele gegen ersatzgeschwächte Mannschaften wie in Lußberg beim 13:2 oder in Kichlauter beim 14:0." Dennoch: Großen Anteil am Aufschwung in Westheim hat definitiv Torjäger Elias Neto, der mit 23 Toren die Nummer zwei der Liga ist. "Aber auch Pascal Betz ist mit seinen gerade einmal 21 Jahren ein starker Antreiber im Mittelfeld", hat Schwab beobachtet. 

"Natürlich wollten wir uns nicht allzu lange in der B-Klasse aufhalten."
Christoph Schwab, Sportleiter des TSV Westheim

"Natürlich wollten wir uns nicht allzu lange in der B-Klasse aufhalten", gibt Schwab, der in der zweiten Mannschaft des TSV als eine Art Spielertrainer aktiv ist, zu, dass der Verein schon den Aufstieg in die A-Klasse im Blick hat. "Wir wollten in dem Jahr in der B-Klasse vernünftig gesunden, zu den Basics zurückkehren", umschreibt der 27-Jährige das primäre Ziel in Westheim.

Diesem Ziel hat sich der komplette Verein untergeordnet, was Schwab auch anhand der "sehr guten Trainingsbeteiligung" festmachen konnte. Bis zur Corona-Unterbrechung hätten die TSV-Kicker mit viel Spaß agiert und große Lust an den Tag gelegt.

Lieber zwei Schritte zurück

Doch war es nicht schwierig, die Spieler davon zu überzeugen, in einer Liga zu agieren, "in der Fußball nicht unbedingt zelebriert wird", wie Schwab die B-Klasse schmeichelhaft beschreibt? "Wir haben das damals offen kommuniziert. Unser Trainer Werner Rösler war das sehr wichtig. Auch er wollte lieber zwei Schritte zurückgehen, als in der Kreisklasse auf der Stelle zu treten." Verlassen haben den Verein damals nur einige wenige Spieler, deren Abgang aber schon vorher feststand.

Dass die Mannschaft gewillt ist und sich auch durch die Zwangspause nicht aufhalten lassen will, bekommt Schwab regelmäßig mitgeteilt. "Es kommen ständig Fragen der Spieler, ob wir was Neues wissen. Wann und ob es weitergeht. Die sind alle noch an Bord und werden es auch bleiben", ist er sicher.

Pascal Betz (rechts) ist trotz seiner Jugend schon der Antreiber im Westheimer Mittelfeld. 
Foto: René Ruprecht | Pascal Betz (rechts) ist trotz seiner Jugend schon der Antreiber im Westheimer Mittelfeld. 

Der Zusammenhalt, der die Westheimer auch in früheren Zeiten immer ausgezeichnet hat, besteht nach wie vor, ist Schwab überzeugt. "Wir haben halt sehr viele Westheimer in der Truppe, auch etliche, die nur wegen der Kameradschaft wieder in der Reserve mitspielen." Und der Verein pflegt diese Kameradschaft, hatte vor dem Lockdown immer wieder Bowling-Abende und vieles mehr veranstaltet. 

Dass derzeit gar nichts geht in Sachen Kameradschaftspflege, macht es natürlich auch dem Klub schwer. "Da leiden wir schon drunter", gibt Schwab zu. Nicht nur er vermisst die "dritte Halbzeit" im TSV-Sportheim. "Da blutet jede Woche das Herz." 

Im Fokus: Der Spaß am Fußball

Wie und ob es weitergeht, weiß auch Schwab nicht. "Am liebsten würde ich natürlich die Saison zu Ende spielen und dann die Meisterschaft feiern", gibt der Groß- und Außenhandelskaufmann zu, glaubt aber nicht wirklich daran. Die nächste Saison soll auf jeden Fall in der A-Klasse bestritten werden. "Wir haben sehr viele junge Spieler in der Mannschaft. Die gilt es weiterzuentwickeln. Der Sprung von den Reservemannschaften in der B-Klasse hin zu ersten Mannschaften in der A-Klasse ist natürlich ein großer Schritt. Da müssen wir uns dann erst einmal stabilisieren", erteilt er höheren Zielen derzeit noch eine Absage. Zugesagt hat hingegen Werner Rösler, der den Verein seit 2017 trainiert und dem TSV auch weiterhin erhalten bleibt.

Die guten Westheimer Zeiten, als der TSV in der Bezirksliga spielte, sind allerdings "sehr weit weg", betont Schwab. Wichtig ist ihm, "dass die Jungs Spaß haben, dass der Verein sich entwickelt. Der Spaß am Fußball ist bei uns aber absolut im Fokus. Der Erfolg wird sich dann von allein einstellen, wenn die Jungs ihr Potenzial abrufen."

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