Prappach

Warum Alexander Derra keine Auf- und Absteiger will

Kreisligist SG Prappach/Oberhohenried ist vom Abstieg bedroht. Spielertrainer Alexander Derra kennt die Gründe. Wie aber sieht es mit seinem angekündigten Wechsel aus?
Prappachs Spielertrainer Alexander Derra (rechts, hier im lockeren Zusammenspiel mit seinem Bruder Jan-Michael) macht sich mehr Sorgen um den Fußball im Allgemeinen als um seine SG Prappach/Oberhohenried.
Foto: Matthias Lewin | Prappachs Spielertrainer Alexander Derra (rechts, hier im lockeren Zusammenspiel mit seinem Bruder Jan-Michael) macht sich mehr Sorgen um den Fußball im Allgemeinen als um seine SG Prappach/Oberhohenried.

Wenn das Garagentor am Haus seiner Eltern nicht wäre, Alexander Derra hätte am 11. Oktober des vergangenen Jahres das letzte Mal gegen einen Ball getreten. Denn seitdem ruht der Fußball. Und der ist "mittlerweile soweit weg, dass es mir schwer fällt, zu sagen, wo wir jetzt eigentlich stehen", hat die lange Fußballlose Zeit auch beim Spielertrainer der SG Prappach/Oberhohenried ihre Spuren hinterlassen.

Seit drei Jahren arbeiten die beiden Haßfurter Stadtteile nun fußballerisch zusammen. Im ersten Jahr ging's noch gut, weiß Derra. Damals, am Ende der Saison 2017/18, stand die SG Prappach/Oberhohenried in der Kreisliga Schweinfurt 2 auf Platz fünf und holte damit "die zweitbeste Platzierung der Prappacher Geschichte". Nur unter Dieter Schlereth gab es zuvor einmal Platz drei. Aber da waren auch noch ein paar andere Kicker, unter anderem Michael Kraft und Harry Zenk, dabei, die "letzten Übriggebliebenen aus dem Aufstiegsjahr", wie Derra meint. Mittlerweile steht die SG auf dem vorletzten Tabellenplatz der Kreisliga, die Reserve ziert gar das Tabellenende der A-Klasse Schweinfurt 3.

Der lange Ausfall des Abwehrchefs

Der ehemalige Torjäger Michael Kraft ist längst Geschichte, und "zuletzt hatten wir halt auch immer wieder Verletzte." Vor allem der mittlerweile fast zwei Jahre andauernde Ausfall von Andi Knorz schmerzt. Ebenso wie einige Abgänge, "mit denen wir nicht gerechnet hatten" und die Derra immer noch ärgern. "Da kam einiges zusammen. Aber vom Potenzial her, auch angesichts der guten jungen Spieler auch aus Oberhohenried wie Peter Kaiser, Christoph Schirmer oder Fabian Barth, ist die Kreisliga für uns die richtige Klasse. Die müssen nur dranbleiben."

Aber genau das ist eins der Probleme in Prappach. Verlieren die jungen Spieler durch die Corona-Pause die Lust? "Da muss ich fast etwas lachen," wirkt Derra ein wenig frustriert. Weil Corona seiner Meinung nicht die Ursache für die manchmal etwas laxe Einstellung zum Fußball der jungen Kicker ist. "Auch vorher war schon viel Überzeugungsarbeit nötig, um die Jungs bei der Stange zu halten." Ein gerade mal 18 Jahre alter Spieler hätte gar um eine ein Jahr währende Pause gebeten.

"Keine Aufsteiger, keine Absteiger, das wäre für mich am fairsten, auch wenn selbst das nicht für alle gerecht wäre."
Alexander Derra, Spielertrainer SG Prappach/Oberhohenried

Dabei hat Derra vieles versucht, um gerade die jungen Spieler zu begeistern oder zumindest bei Laune zu halten. Einige Trainingseinheiten wurden durch Fahrradausflüge oder Biergarten-Besuche ersetzt – Abwechslung sollte für ein "Wir-Gefühl" sorgen, der Förderverein des TSV habe dafür sogar sein Sparschwein geöffnet.

Natürlich schert auch Derra, der als Maschinenbau-Techniker beim Haßfurter Stadtwerk angestellt ist, nicht die komplette Jugendgeneration über diesen Unlust-Kamm. Manuel Geus oder Luca Zösch seien zwei der Spieler, die immer da sind. Dazu kommen auch einige Ältere. "Und die müssen selber lachen, weil sie auf einmal wieder Kreisliga spielen." Insgesamt aber ist der Kader zu dünn, weshalb der Ausfall von Abwehrchef Andi Knorz Derra so weh tut: "Ob dann der Dominik Schirber hinten rein geht, oder ich - auf jeden Fall musst du einen vom Angriff zurückziehen. Da fehlt dann einfach ein Puzzleteil." 

November 2019: Prappachs Alexander Derra (rechts) duelliert sich im Derby mit dem Königsberger Jonas Knauer. Auch die drei Tore des SG-Spielertrainers halfen nicht, Prappach unterlag mit 3:4.
Foto: David Englert | November 2019: Prappachs Alexander Derra (rechts) duelliert sich im Derby mit dem Königsberger Jonas Knauer. Auch die drei Tore des SG-Spielertrainers halfen nicht, Prappach unterlag mit 3:4.

Dass die Pandemie ein weiteres Loch in seinen Kader reißen wird, glaubt  Derra indes nicht: "Die, die sonst da sind, kommen auch wieder, bleiben dabei", weiß der SG-Coach, auf wen er sich verlassen kann. Und das gilt auch für das Fithalten in Corona-Zeiten. Zwar gab es Ende Januar, Anfang Februar auch bei der SG eine Art Challenge, "die Rückmeldungen haben sich aber in Grenzen gehalten", verzichtete Derra auf entsprechende Nachweise. Im großen und ganzen aber vertraut der 31-Jährige auf dass Engagement seiner Spieler. 

Derra selbst hält sich allerdings regelmäßig fit, ob beim Laufen oder auf dem Fahrrad. "Schade ist nur, dass die Ziele bei den Fahrradtouren geschlossen hatten", trauert Alexander Derra den üblichen Besuchen im Biergarten nach.

Derra plädiert für einen Abbruch ohne Auf- und Absteiger

Dass die Saison noch zu Ende geführt wird, glaubt der ehemalige Landesliga-Spieler des FC Augsfeld nicht, hält es auch nicht für sinnvoll. "Nach drei Wechselperioden weiß man doch gar nicht mehr, gegen wen man eigentlich noch spielen muss." Derra spricht sich deshalb für eine komplette Annullierung der Saison aus. "Keine Aufsteiger, keine Absteiger, das wäre für mich am fairsten, auch wenn selbst das nicht für alle gerecht wäre."

Ein Eigeninteresse lässt sich in seinem Fall sogar ausschließen, denn die bei einer Saisonabsage greifende Quotientenregel würde der SG-Ersten den Klassenerhalt bescheren. Die zweite Mannschaft, aktuell Letzter in der A-Klasse 3, müsste so oder so in die B-Klasse. "Aber die Reserve ist ohnehin eine größere Baustelle", hat Derra schon länger ausgemacht.

Doppelbelastung

Und der Trainer selbst? Wie sieht die Zukunft Alexander Derras, der neben der SG auch noch die U 17 beim FC 05 Schweinfurt trainiert, aus? Zumindest die Aufgabe in Schweinfurt wird im Sommer "schweren Herzens" schon wieder beendet sein, für Derra ist die Doppelbelastung zu hoch. "Sieben Tage pro Woche auf dem Fußballplatz, zum Teil zwei Mal an einem Tag, das ist zu viel. Für ein Jahr konnte ich das mal machen, mehr aber nicht. Es sei denn, die Herren müssen mit dem Fußball noch ein Jahr aussetzen und die Jugend darf wieder spielen. Dann mach' ich in Schweinfurt weiter", hat Derra zumindest seinen Humor noch nicht verloren.

Auch nicht seine "Beziehung" zu Prappach. Eigentlich sollte bereits im vergangenen Sommer Schluss sein mit dem Trainerjob im Heimatdorf. Doch hat Corona auch hier für ein Umdenken gesorgt. "Man weiß ja gar nicht, was einen woanders erwartet und wann – oder ob – es überhaupt weitergeht." Deshalb habe ein Wechsel für ihn derzeit überhaupt keinen Sinn.

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