Kirchaich mit Nützelbach

Wie aus dem "Spaßfußballer" Dinis Ribeiro ein Spielertrainer wurde

Früher Bayernliga, heute Kreisklasse: Warum der 32-Jährige gern an die Vergangenheit denkt und vor seinem Abschied aus Kirchaich noch aufsteigen möchte.
Bringt Erfahrung und ganz viel Torgefahr ins Spiel des Kreisklassisten TSV Kirchaich: Dinis Ribeiro, der mittlerweile auch Hütchenspieler ist.
Foto: Steffen Krapf | Bringt Erfahrung und ganz viel Torgefahr ins Spiel des Kreisklassisten TSV Kirchaich: Dinis Ribeiro, der mittlerweile auch Hütchenspieler ist.

Vor drei Jahren hatten die Verantwortlichen des TSV Kirchaich einen spannenden Einfall: Wie wäre es, einen echten "Spaßfußballer" als Spielertrainer zu engagieren? Im Visier hatte der Kreisklassist damals Dinis Ribeiro vom Bayernligisten FC Sand. Für Endzwanziger, die sich im im gehobenen Freizeitfußball regional einen Namen gemacht haben, sind Spielertrainer-Offerten aus den unteren Ligen nichts Ungewöhnliches. Ribeiro hingegen ist ungewöhnlich - und eine ehrliche Haut: Er gibt unumwunden zu, dass der Spielertrainer-Job auch ein ganz nettes Zubrot ist. Gerade dann, wenn der Körper die Strapazen der höheren Spielklassen allmählich nicht mehr so recht mitmachen möchte, ist das eine gute Option für verdiente Szene-Kicker.

Der heute 32-Jährige war immer einer, der von seinen technischen Fertigkeiten lebte. Im athletischen Bereich habe er zu wenig investiert, gesteht er, ansonsten hätte es vermutlich auch aufwärts der Landesliga noch zu einer schillernden Karriere kommen können.

"Das ist manchmal vielleicht das Problem von uns Südländern", sagt der Deutsch-Portugiese und lacht. Schon im letzten A-Jugendjahr, damals beim FC Eintracht Bamberg, zog er die "Handbremse" und wechselte zurück zu seinem Heimatverein DJK Gaustadt, um mit seinen Kumpels kicken zu können. "Das war damals der Punkt, da galt Hopp oder top." Sein Talent war in der Jugend unübersehbar, einige Auswahlnominierungen waren der Lohn. "Entweder, du willst dann dein Leben dafür geben und es mit viel Disziplin probieren, oder du lässt es", lautet seine kleine Rückblende. "Ich war immer etwas zu bequem, Laufarbeit war nie so meins und ich hatte gerne mal zwei, drei Kilo mehr drauf".

Unvergessener Doppelpack gegen den Würzburger FV 

Wehmut entdeckt man in Ribeiros Erzählungen aber absolut keine. Der Sohn einstiger portugiesischer Gastarbeiter hatte seine Momente auf den Fußballplätzen, von denen er auch heute noch leidenschaftlich erzählt. Gleich nach der Jugend stieg er mit seiner DJK in die Kreisklasse auf, war daran mit 25 Treffern maßgeblich beteiligt und wechselte anschließend für vier Spielzeiten zum Lokalrivalen ASV Gaustadt.

"Das war vielleicht dann die schönste Zeit", blickt er auf die Jahre beim damaligen Bezirksoberligisten zurück, für den er 81 Tore in 113 Spielen erzielte. Ein Wahnsinnslauf, der ihm heute noch ein Strahlen ins Gesicht zaubert. "Knipsen ist doch das Geilste, oder?", fragt er. Man möchte ihm nicht widersprechen. In besonderer Erinnerung bleibt ihm aus den letzten zehn Jahren im Männerbereich vor allem aber sein einziger Bayernliga-Doppelpack, auswärts mit dem FC Sand gegen den Würzburger FV. "Anschließend ging es auf die Kerwa", ergänzt er vielsagend.

"Ich war immer etwas zu bequem, Laufarbeit war nie so meins und ich hatte gerne mal zwei, drei Kilo mehr drauf."
Kirchaichs Spielertrainer Dinis Ribeiro über seine Fußballer-Vergangenheit

Viele wichtige Tore durfte er vorher vor allem während der Landesliga-Zeit mit den Sandern bejubeln. Fünf Saisons lang war das Seestadion Ribeiros zweite Heimat. "Das war auch eine tolle Zeit dort." Mit dem FC konnte er auch den dritten Aufstieg seiner Fußballerlaufbahn feiern. Aufstieg Nummer zwei rührt aus seinem Jahr bei der Bamberger Eintracht - 2011/12. Im "heftigen Kader", wie ihn Ribeiro noch heute fast ehrfürchtig bezeichnet, blieb ihm meist nur die Jokerrolle. Den Sprung in die Regionalliga machte er nicht mit.

Zurück im Hier und Jetzt, sind die sportlichen Hürden an den Wochenenden für den Doppelstaatsbürger deutlich niedriger geworden. Nach einem Kreuzbandriss erreichte er zum Ende seiner Sander Zeit nicht mehr sein vorheriges Level, räumt er ein. Es folgte der Cut und die neue Karriere als Spielertrainer. Und natürlich "knipst" er auch in Kirchaich weiter: bislang 62 Mal in 62 Einsätzen. Unterfordert sieht er sich in der Kreisklasse, auch wenn es die Torquote vermuten lässt, nicht. "Da ist schon Pfiff drinnen. Es ist nicht so, dass es für mich langweilig auf dem Platz wird", betont er.

Am Sonntag steht ab 13 Uhr die Rückkehr ins Seestadion an. Gegen die dritte Mannschaft des FC Sand sind dann drei Punkte Pflicht, um mit dem TSV die Chancen auf den Relegationsplatz in der Kreisklasse Schweinfurt 3 noch zu wahren. Am Ende der Runde möchte er sich beim TSV am liebsten mit dem Aufstieg verabschieden. Nächste Saison wechselt er als Spielertrainer zum Bamberger Kreisligisten SpVgg Lauter. Ans Aufhören denkt er freilich noch lange nicht: "Fußball ist einfach mein Ding. Damit bin ich aufgewachsen."

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