Mountainbike

„Es heißt doch Eisbär“

Minus 16 Grad zeigte das Thermometer am Sonntagmorgen, doch gut 330 Mountainbiker ließen sich nicht abschrecken: Eingehüllt in Schals und teilweise mit Sturmhauben vermummt trotzten sie der eisigen Kälte und beteiligten sich mit ihren sportlichen Drahteseln an der vierten Auflage der „Ride - der Eisbär“ - Tour.
Kurz nach dem Startschuss: Teilweise vermummt machen sich um 9 Uhr die ersten gut 250 Mountainbiker auf den Weg.
Foto: FOTO Janosch Priebe | Kurz nach dem Startschuss: Teilweise vermummt machen sich um 9 Uhr die ersten gut 250 Mountainbiker auf den Weg.

Ist der Mensch ein rationales Wesen? Eine Frage, die die Philosophen seit tausenden von Jahren erhitzt, wird auch am Sonntagmorgen auf dem Marktplatz aufgeworfen, wo die Mountainbiker auf den Startschuss warten. Sport bei solchen Temperaturen – das kann doch nicht gesund sein, möchte man intuitiv meinen.



Doch gut 250 Menschen teilweise angereist aus dem weiteren Umland, scheint's nicht zu interessieren. Warum auch? Die Veranstaltung heißt ja „Ride - der Eisbär“ und nicht „Ein Sommermärchen“. Die Stimmung ist gut auf dem Marktplatz, das Veranstaltertandem Manfred Freitag und Dieter Göpfert ist in Hektik aber begeistert. „Wahnsinn, total imposant oder?“, ruft Freitag, selbst begeisterter motorisierter und nicht motorisierter Zweiradfahrer im Vorbeigehen.

Imposant ist das richtige Wort für die Szene, die sich da in der Fußgängerzone abspielt: Eine riesige Horde wartet in neonfarbene Radlerkleidung gehüllt auf den Startschuss. Nachdem sich Landrätin Tamara Bischof („Viel Spaß! Kommen Sie gesund zurück.“) und Kitzingens OB Siegfried Müller („Gott sei Dank muss ich nur den Startschuss geben und nicht mitfahren.“) kurz zu Wort gemeldet haben, geht's los: Am Rathaus vorbei läuft die Route raus auf die Hauptstraße. Mit jedem Meter wärmen sich die Glieder der Sportler sichtlich auf. Die Bewegungen werden runder, geschmeidiger. Drei Distanzen warten auf die Radler: 50, 75 oder 100 Kilometer. Die Strecke ist ruhig an Verkehr, aber an vielen Stellen ist der Weg von einem Eispanzer überzogen, etwa in Wiesenbronn, wo es nach der ersten Verpflegungsstation weiter auf den Schwanberg und nach Bullenheim geht. „Fahrt die gefährlichen Stellen bitte zu Zweit“, rät Göpfert den Leuten vor dem Startschuss. Doch für die Sicherheit ist bestens gesorgt: Enduros und Quads begeleiten den Track und passen auf, wo es geht. Größere Zwischenfälle bleiben auch aus.

Gegen 13 Uhr trudeln die ersten Radler von der kürzesten Tour am Ziel im Sickergrund ein. Bis 17 Uhr füllt sich die Halle, wo neben warmen Getränken und Essen auch eine Menge Stände rund ums Bike warten.

Zwar sieht der eine oder andere Teilnehmer ein bisschen geschafft aus, auf die Frage nach der Temperatur gibt's aber immer ähnliche Antworten: „Nach zehn Minuten ging's“, ist der wehleidigste Kommentar, den man in der Sickerhalle zu hören bekam. „Nee, das war total cool“, sagt ein Zwölfjähriger mit roter Nase und fügt schmunzelnd hinzu: „Es heißt doch Eisbär.“ Ein besonders dickes Fell scheint ein neongrün gekleideter Biker zu haben: „So muss es sein, ein bisschen hart, wir sind hier nicht auf der Rentnerfahrt“, sagt der Radler, während er sich die Sturmhaube vom Kopf zieht. Dass Sport bei der Kälte nicht unbedingt nur gesund ist, „kann schon sein, aber: Rauchen ist es auch nicht“, kontert der Teilnehmer.

Die Veranstalter sind zufrieden: „Wir hatten zwar schon 500, aber für das Wetter sind über 300 Spitze“, strahlt Hanne Freitag am späten Sonntagnachmittag, während sich die Sickerhalle weiterfüllt. Und auch Gefahren für die Gesundheit kann man teilweise eine Absage erteilen: Unter anderem die Internetpräsenz des Nachrichtenmagazins Focus berichtete vor einigen Tagen, dass zumindest Laufen bei Minus 15 Grad für Gesunde „meist unbedenklich“ sei.

Online-Tipp

Eine Bilderserie vom Mountainbike-Marathon „Ride - der Eisbär“ finden Sie im Internet unter: www.mainpost.de/sport/kitzingen

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