Castell

Faire Verlierer und strahlende Sieger

Siegreiches Frauen-Duo: Amelie Dornberger (links, 2.) und Gewinnerin Leoni Theis.
Foto: Hartmut Hess | Siegreiches Frauen-Duo: Amelie Dornberger (links, 2.) und Gewinnerin Leoni Theis.

Es schien, als ob die üblichen Verdächtigen den Sieg beim 34. Schwanberglauf unter sich ausmachen würden. Tatsächlich war der TV Ochsenfurt wie schon so oft mit Dominik Karl und Dominik Ziegler unter den besten Zehn vertreten, und auch der Altenschönbacher Bernd Dornberger mischte dort mit. Mit vorne lief auch der fünfmalige Sieger Philipp Zabel, der aber heuer nur auf Rang neun ins Ziel kam. Stattdessen schnappte sich mit dem Freiburger Julian Kern ein bislang in unseren Breiten unbekanntes Gesicht den Sieg.

Wie Streckensprecher Georg Will – Internet und Smartphone machten es möglich – in Erfahrung brachte, ist Kern ein ehemaliger Radprofi und Mitglied der U 23-Nationalmannschaft, der zuletzt in Diensten des französischen Profirennstalls AGRR stand, ehe er im Jahr 2014 keinen Profivertrag mehr bekam. Wie der 28-Jährige aus dem Breisgau zum Schwanberglauf kommt, ist schnell erklärt. Denn wie so oft ist eine Frau schuld. Seine Freundin heißt Nina Kammleiter und kommt aus dem Martinsheimer Ortsteil Gnötzheim.

„Der ist einfach davongelaufen und wir sind hinterher gerannt“, lautete die unorthodoxe Rennbeschreibung des Zweiten Leonardo Ortolano vom Würzburger Laufstil-Runningteam. Kerns Sieg nach 38,20 Minuten geriet nie in Gefahr. Auch in der Spitzengruppe waren die Plätze frühzeitig vergeben. Einzig Dominik Karl (TV Ochsenfurt) und Rene Amtmann (TSV Thüngersheim) duellierten sich über einen längeren Zeitraum um den dritten Platz. „Ich habe heute Spaß gehabt und die anderen können auch was“, kommentierte Philipp Zabel, der sich nach einer Verletzungspause im Frühjahr als fairer Verlierer gab, den Ausgang des Rennens.

Ebenfalls wie der Männersieger ist auch die Erste der Frauen, Leonie Theis (TV Ochsenfurt), 28 Jahre alt. Sie feierte im dritten Anlauf den ersten Sieg und war im Ziel glücklich. Mit 45:06 Minuten hatte sie über zwei Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte Amelie Dornberger (SV Altenschönbach). Die Tochter vom Organisator des Altenschönbacher Schlossberglaufs, Bernd Dornberger, war überrascht von ihrem guten Abschneiden und fand, beste Werbung für ihren Heimauftritt am kommenden Samstag gemacht zu haben. Theis und Dornberger hatten auf ihrer Rechnung Alma Goller von der LG Karlstadt-Gambach-Lohr ganz oben gehabt, doch die Kitzingerin musste sich mit Rang drei zufrieden geben. Die Läufer-Dynastie der Familie Karl vom TV Ochsenfurt war unter den zehn besten Frauen mit Sophie Karl, Christine Karl und Barbara Karl gleich dreifach vertreten.

Siegen ist eines, dabei sein nach dem olympischen Gedanken etwas anderes. Alleine die Herausforderung der über zehneinhalb Kilometer samt dem steilen Anstieg im den Iphöfer Julius-Echter-Berg und den Wald hinaus bis auf Schwanbergs-Plateau geschafft zu haben, war für viele schon ein Sieg. Und das Ziel unter dem Applaus der Zuschauer zu erreichen, überschwemmt viele Läufer innerlich mit Glückshormonen. Die rund 1 000 Teilnehmer entpuppten sich als heterogenes und illustres Feld, vom Ex-Radprofi bis zum jüngsten Teilnehmer, Johannes Graf zu Castell-Castell aus dem Geburtsjahrgang 2011. Keiner hat mehr Schwanbergläufe absolviert als der Schwarzacher Klaus Hornig. Er konnte es auch mit 82 Jahren noch nicht lassen und wurde mit Nordic-Walking-Stöcken nicht mal Letzter. Für ihn war es heuer eine Generationensache, denn sein Sohn Martin und sein Enkel Andreas bewältigten den Schwanberglauf ebenfalls. Dass allein schon das Ankommen zählt, war auch der Antrieb für den Vorsitzenden des größten Sportvereins in unserem Landkreis, Stephan Christmann (TG Kitzingen). Offensichtlich verletzt, schleppte sich Christmann humpelnd ins Ziel und wurde mit viel Applaus belohnt.

Hinterher gab es für die erwachsenen Läufer im Feld einen Gratis-Schoppen vom Casteller Fürsten Ferdinand auf dem Weinfest. Das Organisatoren-Trio Axel Girreser, Anja Sebastian und Markus Murk zeichnete die 126 Läufer des Unternehmens Knauf als größte Firmengruppe aus. Ebenfalls ein 50-Liter-Fass Kesselring-Bier verdienten sich die 27 Teilnehmer des TV Ochsenfurt als größte Vereinsmannschaft. Weitere Gewinner der Veranstaltung wird es hinterher noch geben, denn die einst von Franz Bosch aus der Taufe gehobene Veranstaltung hat auch den Benefiz-Gedanken inne. „Wir hoffen, dass am Ende wieder um die 5 000 Euro durch gespendete Startgelder übrig bleiben“, sagte Axel Girreser. Damit unterstützen die Veranstalter den Kitzinger Krankenhaus-Förderverein, die Lebenshilfe Kitzingen und ein regionales Projekt.

Julian Kern (von links) gewann den Schwanberglauf 2018 vor Leonardo Ortolano und Dominik Karl.
Foto: Hartmut Hess | Julian Kern (von links) gewann den Schwanberglauf 2018 vor Leonardo Ortolano und Dominik Karl.
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