Karlburg

Karlburgs Trainer im Interview: Lerneffekte und viele neue Gesichter

Warum der Überraschungsaufsteiger von 2019 weiter Bayernliga spielt, welcher Spieler im Team von Markus Köhler besonders wertvoll ist und welche Rolle den Würzburger Kickers zukommt.
Hier geht's lang: Markus Köhler gibt als Trainer am Spielfeld Anweisungen.
Foto: foto2press/Frank Scheuring | Hier geht's lang: Markus Köhler gibt als Trainer am Spielfeld Anweisungen.

Markus Köhler ist im dritten Jahr Trainer des TSV Karlburg, im dritten Jahr in der Fußball-Bayernliga. Dass dies so ist, dazu trug auch die Corona-Pandemie bei, wegen der 2020 die Runde bis Juni 2021 verlängert wurde. Im Frühjahr 2021 dann der Saisonabbruch, nach dem den Karlburgern als Tabellenvorletzten eine Relegation gegen den Abstieg erspart blieb, weil die Entscheidungsspiele gestrichen wurden. Im Interview verrät Markus Köhler, seines Zeichens 34-jähriger Steuerfachwirt, wie sich sein Verein mit bescheidenen Mitteln in der Klasse behaupten will und was sich verändert hat im Karlburger Team, das am Samstag, 24. Juli, beim SV Seligenporten in die Saison startet.

Frage: Eines Tages wird in der Trainervita von Markus Köhler stehen, dass er den TSV Karlburg mindestens drei Jahre lange in der Bayernliga gecoacht hat. Angesichts der für die Klasse eher bescheidenen Möglichkeiten des Vereins durchaus bemerkenswert. Oder doch nur ein Umstand, der eine Konsequenz von Corona ist?

Markus Köhler: Natürlich waren die Umstände in der Coronazeit anders als sonst. Aber viele haben etwas dafür getan, dass wir noch in der Bayernliga spielen. Vor allem auch von Seiten der Mannschaft und des Vereins. Die haben einfach in der Coronazeit ihre Aufgaben erledigt, zum Beispiel im Organisatorischen und durch die Erstellung von Hygienekonzepten. Sie haben daran gearbeitet, dass es weitergeht mit Sponsoren, und diverse andere wichtige Aufgaben erledigt, die besonders in der Coronazeit wichtig waren.

Seit Sie im Jahr 2019 das gerade überraschend aus der Landesliga aufgestiegene Team übernommen haben, hat sich das Gesicht der Mannschaft erheblich verändert.

Köhler: Seitdem haben uns elf Leute verlassen, die zum Teil langjährige Stützen der Mannschaft waren. Dafür sind auch Neue gekommen, vor allem junge Spieler. Die bringen zwar nicht die langjährige Erfahrung mit wie die Älteren, aber sind dafür gut ausgebildet.

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Eine Reihe der Neuzugänge kommt aus dem U-19-Bayernliga-Team des Drittligisten Würzburger Kickers. Ist der TSV Karlburg für solche Spieler eine passende Adresse, um den Einstieg in den Aktivenfußball zu schaffen?

Köhler: Gut möglich. Die Leute sind gut ausgebildet, haben in der Jugend viermal pro Woche trainiert. Deshalb trauen sie sich Dinge zu, die andere in ihrem Alter noch nicht machen. Das Niveau in der U-19-Bayernliga ist hoch. Ihr letztes U-19-Spiel haben Jari Heuchert, Adrian Winter, Jan Martin und Marco Kunzmann bei den Kickers gegen 1860 München gemacht – und mit 2:1 gewonnen. Aber ob ihre Leistung reicht, dass sie gestandene Bayernliga-Spieler werden, muss man sehen. Die Voraussetzung hierfür haben sie sich jedoch bereits erarbeitet. Schließlich sind da andere Dinge gefordert, wie Robustheit und Zweikampfhärte, als in der Jugend, wo viel Wert auf die technische Ausbildung gelegt wird.

Haben sich in der Coronazeit Gewinner und Verlierer im Team herauskristallisiert?

Köhler: Die früheren U-19-Spieler haben die Zeit genutzt, um sich körperlich zu verbessern. Friesi (Anm. d. Red.: Sebastian Fries, Karlburgs spielender Co-Trainer) hat während des Lockdowns zweimal wöchentlich Online-Training angeboten. Dazu haben viele selbst etwas getan. Fußballerisch gab es natürlich Rückschritte. Das Passspiel und alles, was mit Gefühl zu tun hat, haben natürlich gelitten. Aber mit jeder gemeinsamen Trainingseinheit wird es besser.

Kann man nach so einer langen Pause abschätzen, wie stark die Konkurrenz ist?

Köhler: Ich kenne natürlich vor allem die Mannschaften im näheren Umkreis am besten – und die haben sich sicher nicht verschlechtert. Zum Beispiel hat Abtswind jetzt weniger Spieler als früher, aber dafür eine Mannschaft, die eingespielt ist. Zum ATSV Erlangen sind drei Regionalliga-Spieler aus Bayreuth gekommen, und die DJK Vilzing ist für mich Favorit Nummer eins. Bei unserem Auftaktgegner Seligenporten gab es einen großen Fluss an Zu- und Abgängen, sodass eine Einschätzung hier schwierig ist.

In der im Frühjahr abgebrochenen Bayernliga-Premieren-Saison hat der TSV Karlburg in 25 Spielen nur 19 Tore erzielt. Die Mannschaft musste gegen meist spielerisch überlegene Gegner einen enormen Aufwand in der Defensive betreiben, worunter das Spiel nach vorne oft litt. Wenn Offensivaktionen so selten sind, fehlt da nicht der Spaßfaktor?

Köhler: Wenn Spieler zu uns kommen, wissen sie natürlich, dass viel Defensivarbeit auf sie zukommt und sie wenig Ballbesitz haben werden. Wir müssen eben mit unseren Mitteln dagegenhalten, die wir haben. Trotzdem haben wir uns mit dem Ball verbessert, was wir natürlich auch in den ersten Spielen bereits zeigen wollen.

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Ist es da positiv, dass nun fünf Wechsel erlaubt sind?

Köhler: Ich denke schon, dass das uns entgegenkommt. Wir müssen unheimlich viel laufen, sodass uns oft die Power für Aktionen nach vorne fehlt. Aber mit fünf Wechseln können wir es so machen, dass sich zu Beginn Spieler aufopfern müssen, damit andere später davon profitieren können. Da kommt es uns schon zugute, dass wir einen ausgeglichenen Kader haben.

Haben die Spieler seit 2019 dazugelernt?

Köhler: Nach dem Testspiel gegen die Kickers (Karlburg verlor Ende Juni mit 0:3 gegen den Drittligisten Würzburger Kickers) ist mit Maurice Kübert ein Spieler auf mich zugekommen, der schon lange dabei ist. Und der hat mir gesagt, dass es schon ein großer Unterschied zur Zeit vor zwei Jahren ist. Nicht, dass wir jetzt ein Top-Bayernliga-Team sind. Aber wir wissen besser, wie wir mit den Situationen umgehen. Wir haben uns dran gewöhnt, in der Klasse zu spielen, und wissen, was wir tun müssen, um einem spielerisch stärkeren Gegner Probleme zu bereiten.

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Welche Rolle spielt Sebastian Fries in diesem System, der ja als früherer Drittliga-Profi bei Carl Zeiss Jena Erfahrungen vorweisen kann wie kein anderer Karlburger Spieler?

Köhler: Was er für uns wert ist, kann man kaum ausdrücken. Er ist sich trotz seiner Qualität für keine Drecksarbeit zu schade. Und wenn einer einen Fehler macht, kommt kein böses Wort von ihm. Er bleibt immer positiv, selbst nach einem 0:5 in Sand. (Da hatte Karlburg bei einem direkten Konkurrenten trotz einer Zwei-Mann-Überzahl klar verloren, Anm. d. Red.).

Das letzte Karlburger Bayernliga-Tor hat am 30. November 2019 Andreas Rösch beim 1:1 gegen die SpVgg Bayern Hof gemacht. Im ganzen Jahr 2020 hat Karlburg keinen Treffer erzielt. Was muss der nächste Torschütze ausgeben?

Köhler: Das ist eigentlich kein Thema. Wir hatten 2020 nur drei Spiele – und das gegen den späteren Meister, den Zweiten und den Vierten. Beim 0:0 gegen Vilzing haben wir einen Punkt geholt, beim 0:1 gegen Großbardorf waren wir nah dran. Deshalb machen wir uns da keinen Kopf. Wenn wir Sachen richtig machen, wird das nächste Tor fallen. Egal, wer es dann schießt.

 Testspiele, Aufgebot und Saison-Termine  des TSV Karlburg

Bevor die Karlburger am Samstag, 24. Juli, mit einem Auswärtsspiel in Seligenporten in die Saison starten, absolvierten sie an diesem Wochenende ihre letzten beiden Testspiele. Am Samstag bezwangen sie den Landesligisten FC Geesdorf mit 3:1 (Torschützen Paul Karle, Pascal Jeni, Jan Wabnitz), am Sonntagabend gab es beim Landesligisten TSV Kleinrinderfeld ein 1:1, wobei die Karlburger beide Torschützen stellten. Kleinrinderfeld ging nach einem Eigentor des Karlburgers Julian Meyer in Führung, Marco Kunzmann glich zum Endstand aus.
Das Aufgebot, Abgänge: Johannes Gold (Laufbahn beendet), Dominik Höfling, Hendrik Ruppert (pausieren beide), Luca Pfister, Marco Schiebel (beide TuS Frammersbach), Sebastian Stumpf (SG Sommerhausen/Winterhausen).
Zugänge: Maximilian Franz (FV Wernfeld/Adelsberg), Fabio Gobbo (Würzburger FV U19), Marco Kunzmann (FC Bayern Alzenau), Jonas Leibold (TSV Duttenbrunn), Julian Meyer (TSV Lengfeld).
Spielerkader, Tor: Marvin Fischer-Vallecilla, Jonas Kohlhepp.
Abwehr: Cedric Fenske, Maurice Kübert, Julian Meyer, Patrick Plawky, Marvin Schramm, Jan Wabnitz Adrian Winter.
Mittelfeld: Steffen Bachmann, Sebastian Fries, Co-Trainer, Fabio Gobbo, Jari Heuchert, Paul Karle, Andreas Köhler, Jonas Leibold, Jan Martin, Andreas Rösch.
Angriff: Maximilian Franz, Andreas Hetterich, Pascal Jeni, Marco Kunzmann, Max Lambrecht.
Trainer: Markus Köhler (seit 2017). Saisonziel: Klassenerhalt. Meistertipp: DJK Vilzing. Internet: www.tsvkarlburg.de
1. Spieltag, Freitag, 23. Juli, 19 Uhr: SC Feucht – Don Bosco Bamberg, DJK Ammerthal – Würzburger FV; Samstag, 24. Juli, 14 Uhr: SpVgg Ansbach – DJK Gebenbach, SV Seligenporten – TSV Karlburg, 15 Uhr: SpVgg Bayern Hof – ASV Neumarkt, 16 Uhr: TSV Abtswind – Vatan Spor Aschaffenburg, ASV Cham – ATSV Erlangen, FC Sand – FC Eintracht Bamberg, TSV Großbardorf – DJK Vilzing.
2. Spieltag, Dienstag, 27. Juli, 18.30 Uhr: TSV Karlburg – TSV Großbardorf, ASV Neumarkt – SV Seligenporten, Mittwoch, 28. Juli, 18.30 Uhr: DJK Ammerthal – ASV Cham, ATSV Erlangen – SpVgg Ansbach, DJK Gebenbach – SC Feucht, Vatan Spor Aschaffenburg – Würzburger FV, DJK Vilzing – TSV Abtswind, 19 Uhr: FC Eintracht Bamberg – SpVgg Bayern Hof.
3. Spieltag, Freitag, 30. Juli, 18.30 Uhr: Würzburger FV – DJK Vilzing, Samstag, 31. Juli, 14 Uhr: SC Feucht – FC Sand, SpVgg Ansbach – DJK Ammerthal, SV Seligenporten – FC Eintracht Bamberg, 15 Uhr: SpVgg Bayern Hof – Don Bosco Bamberg, 16 Uhr: ASV Cham – Vatan Spor Aschaffenburg, TSV Abtswind – TSV Karlburg, DJK Gebenbach – ATSV Erlangen, 17 Uhr: TSV Großbardorf – ASV Neumarkt.
Quelle: urs/bfv
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