Bad Königshofen

Abdel-Kader Salifou und dem TSV Bad Königshofen fehlen nur Nuancen

Abdel-Kader Salifou (im Bild) blieb in seinem ersten Heimspiel im Trikot des TSV Bad Königshofen ein Sieg verwehrt.
Foto: Rudi Dümpert | Abdel-Kader Salifou (im Bild) blieb in seinem ersten Heimspiel im Trikot des TSV Bad Königshofen ein Sieg verwehrt.

Tischtennis

Bundesliga Männer

TTF Ochsenhausen – TSV Bad Königshofen abg.
ASV Grünwettersbach – 1. FC Saarbrücken 3:2
TSV Bad Königshofen – TTC Schw. Bergneustadt 2:3
SV Werder Bremen – Borussia Düsseldorf 0:3
ASV Grünwettersbach – TTC Fulda Maberzell 3:1
TTF Ochsenhausen – Post SV Mühlhausen abg.

1. (1.) Borussia Düsseldorf 4 4 0 0 12 : 1 8 : 0
2. (5.) ASV Grünwettersbach 5 4 0 1 12 : 8 8 : 2
3. (4.) TTC Schw. Bergneustadt 4 3 0 1 9 : 6 6 : 2
4. (2.) TTF Ochsenhausen 2 2 0 0 6 : 2 4 : 0
5. (3.) 1. FC Saarbrücken 4 2 0 2 9 : 6 4 : 4
6. (6.) TTC Neu-Ulm 1 1 0 0 3 : 1 2 : 0
7. (7.) TSV Bad Königshofen 3 1 0 2 6 : 6 2 : 4
8. (9.) Post SV Mühlhausen 3 1 0 2 4 : 7 2 : 4
9. (8.) SV Werder Bremen 4 1 0 3 5 : 10 2 : 6
10. (10.) TTC Fulda Maberzell 4 1 0 3 5 : 11 2 : 6
11. (11.) TTC Zugbrücke Grenzau 3 0 0 3 3 : 9 0 : 6
12. (12.) TTC OE Bad Homburg 3 0 0 3 2 : 9 0 : 6
Die nächsten Spiele, Donnerstag, 19 Uhr: Bremen – Grenzau, Samstag, 19 Uhr: Düsseldorf – Fulda, Sonntag, 15 Uhr: Bad Königshofen – Neu-Ulm, Bad Homburg – Grenzau

Die vier Bad Königshöfer Spieler hatten nach dem Matchball für die Gäste aus dem Bergischen Land die Köpfe unten, doch die etwa 100 Zuschauer, es war noch Platz, spendeten stehende Ovationen nach dem 2:3 des TSV gegen Schwalbe Bergneustadt. Wie passt das zusammen? In dieser Shakehands-Arena schon, vor allem, wenn alles an einem seidenen Faden hing und hochklassiger Sport geboten wurde.

Einer muss ja gewinnen. Nur, wenn es Doppel am Schluss gibt, sind das, mit wenigen Ausnahmen, die Gäste. Die wussten schon, warum sie sich den alten Fuchs Stefan Fegerl (32), Team-Europameister mit Österreich 2015, von Ochsenhausen ins Boot geholt haben. Zusammen mit dem Vize-Weltmeister in dieser Disziplin, Alvaro Robles, dürften die beiden nur schwer schlagbar sein in dieser Liga.

Bad Königshofen schien die längste Zeit auf der Siegerstraße

Die längste Zeit schienen sich die Einheimischen auf der Siegerstraße zu befinden. Bastian Steger dominierte im Duell der Erfahrensten gegen Fegerl, legte im ersten Satz und mit seinem 3:1-Sieg einen Bilderbuch-Start hin, sorgte für die Führung und für Stimmung. Die 100, allen voran die Ping-Pong-Ultras, versuchten das Defizit an weiteren 500 Zuschauern auszugleichen. Es war aber nur „fast wie gehabt“, als alles noch unbeschwert und ohne Mund-Nase-Masken war. Dennoch: Die Hygiene stimmte streng bayerisch. Die Lüftung bekam kaum jemand mit – von wegen warme Socken und Jacken. Spannend machte es Basti Steger nur, weil er den dritten Satz abgab und im vierten zwei Matchbälle brauchte.

Jetzt folgte das Debüt von Abdel-Kader Salifou in dieser Halle im TSV-Trikot. Der Franzose bekam Benedikt Duda vorgesetzt, den Einser der Gäste, die Numer 4 in Deutschland hinter Boll, Ovtcharov und Franziska. Er zeigte den Zuschauern seine Klasse, aber Duda war zu stark für ihn. Dennoch fehlten nur Nuancen. Wer gegen so einen Spieler mit hoher Tischtennis-Intelligenz, der für jeden Gegner einen passenden Matchplan hat, einen Satz gewinnt (den dritten 11:8), im ersten (12:14) einen Satzball hat und im vierten (13:15) sogar zwei, der sollte den Bad Königshöfern noch helfen können. Im zweiten Satz führte er 7:2, dann schien es, als hätte Duda den Stecker gezogen – 7:11. Dabei gewann in der Regel Salifou die langen, spektakulären Distanz-Ballwechsel. Duda machte es mit Köpfchen, holte sich die kurzen, schlampig aussehenden, zwang Salifou durch ständige Wechsel von Länge, Seite, Härte und Spin zu Fehlern und bestrafte sie total humorlos.

Unglaublich starke Vorstellung von Kilian Ort

Dann folgte eine unglaublich starke Vorstellung von Kilian Ort. Ein paar Zuschauer, die ihn von Kindesbeinen an kennen, sprachen von „seinem besten Spiel hier in der Halle.“ Mag sein, vielleicht auch nicht. Aber er spielte maximal selbstbewusst, am Limit konzentriert und fokussiert, mitunter Tischtennis wie im Rausch. Top motiviert ist ein Kilian Ort ja immer. Doch gegen diesen Robles hatte Ort Wahnsinns-Schläge in seinem Repertoire. Nicht nur zwischendurch mal, sondern so gehäuft, dass der keineswegs schwache, sondern auf Augenhöhe mitspielende Spanier am Ende die Segel streichen musste.

Wer weiß, wie oft sich die beiden Einser Steger und Duda schon im Training in Düsseldorf und bei Lehrgängen bekämpft haben. Am Sonntag profitierte Duda mehr davon. In den ersten zwei Sätzen spielte der ein ganz anders Tischtennis als gegen Salifou, nahm die knallharten, spektakulären Ballwechsel nicht nur an, sondern eröffnete sie sogar – mit Erfolg (12:10 und 11:6). Im dritten wurde es etwas weniger rassig, dafür umso nerviger mit Schupf-Kleinkrieg, sorgfältigem Vorbereiten, wenn sich nicht durch Auf- oder Rückschlag gleich der Angriff anbot. 12:10 für Steger und rein in den vierten, in dem der Lokalmatador ständig bis 9:7 führte. Dann spielten die beiden Tischtennis-Schach der kurzen Wege. Beim Matchball zum 9:11 für Duda touchierte der Ball höchstens ein Staubkorn auf der Tischkante von Stegers Seite. Wie gehabt ehrlich dessen Reaktion: Den Finger an die Stelle, „dein Punkt, gratuliere“.

Im Schluss-Doppel wehrten sich Ort/Zeljko gegen Robles/Fegerl nach Kräften und steigerten sich von Satz zu Satz. Man sah aber, wer da die Rechts-Links-Kombination ist und wer die Spezialisten sind. Wenn die TSV-Spieler nach 0:3 noch einmal von vorne hätten anfangen dürfen, mit drei Sätzen zum Einspielen, hätte es vielleicht gereicht. Zwei Satzbälle bei 10:8 im dritten machten Hoffnung. Aber Düsseldorf und Zagreb liegen halt doch zu weit auseinander für ein regelmäßiges Doppel-Training.

Die Statistik des Spiels

Tischtennis, Bundesliga

TSV Bad Königshofen –

Schwalbe Bergneustadt 2:3

Bastian Steger – Stefan Fegerl 3:1 (11:5, 11:9, 4:11, 12:10)

Abdel-Kader Salifo – Benedikt Duda 1:3 (12:14, 7:11, 11:8, 13:15)

Kilian Ort – Alvaro Robles 3:0 (11:8, 11:7, 11:6)

Steger – Duda 1:3 (10:12, 6:11, 12:10, 9:11)

Ort/Filip Zeljko – Robles/Fegerl 0:3 (6:11, 8:11, 12:14)

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