Bad Königshofen

Bundesligist TSV Bad Königshofen: Prognosen sind kaum möglich

Ein unerwarteter Abgang, ein Corona-Fall und ein Auftakt in die vierte Bundesliga-Saison am Sonntag ohne Zuschauer. Beim TSV Bad Königshofen sind zuletzt einige Pläne wie Seifenblasen geplatzt.
Was bringt die Saison 2020/21 dem Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen? Das fragen sich Filip Zeljko (von links), Abdel-Kader Salifou, Manager Andy Albert, Trainer Koji Itagaki, Kilian Ort und Bastian Steger.
Foto: Rudi Dümpert | Was bringt die Saison 2020/21 dem Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen? Das fragen sich Filip Zeljko (von links), Abdel-Kader Salifou, Manager Andy Albert, Trainer Koji Itagaki, Kilian Ort und Bastian Steger.

An diesem Sonntag beginnt für den TSV Bad Königshofen die vierte Saison in der Tischtennis-Bundesliga TTBL. Zu Gast in der Shakehands-Arena ist ab 15 Uhr der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Es wird ein Spieljahr werden, in dem vieles anders sein wird als gewohnt. Nicht nur für den Verein aus dem Grabfeld.

Der Cheftrainer: Koji Itagaki
Foto: Rudi Dümpert | Der Cheftrainer: Koji Itagaki

Endlich einmal verletzungsfrei durch die Saison kommen, dann könnte die Mannschaft von Cheftrainer Koji Itagaki wirklich mal die Play-off-Plätze der Tischtennis-Bundesliga TTBL in Angriff nehmen. Dazu das Quartett Bastian Steger (39), Mizuki Oikawa, Kilian Ort (24), Filip Zeljko (23) durch einen fünften Mann ergänzen. Am besten einen Linkshänder für das Schlussdoppel.

Die Pläne des TSV platzten wie Seifenblasen

Wie Seifenblasen platzte seit Mitte März ein Plan nach dem anderen beim Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen. Oikawa blieb wegen Corona in seiner Heimat. Wie groß die Spuren des kleinen Mannes aus Japan sind, wird sein Nachfolger Abdel-Kader Salifou (30) aus Frankreich zu spüren bekommen. Den fünften Mann, um bei der Aufstellung bzw. bei Ausfällen auch einmal - wie die Konkurrenten - adäquat reagieren zu können, konnte man sich nicht mehr leisten. "Es wird wohl doch eher eine Übergangssaison. Unsere Zuschauer werden dennoch wieder großartigen Sport geboten bekommen", versprach Manager Andy Albert im Frühjahr. Der immer positiv drauf ist, immer bemüht, die Stimmung hoch zu halten.

Keine Zuschauer und ein Corona-Fall

Doch Mitte letzter Woche kamen zwei Hiobsbotschaften hintereinander, fast gleichzeitig. Erst die Nachricht vom Landratsamt. Das genehmigte zwar die Durchführung des ersten Spiels an diesem Sonntag gegen den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, allerdings ohne Zuschauer. Dann die Nachricht, dass ein TSV-Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden ist und in Quarantäne geschickt wurde.

Keine Fans in der Halle, ausgerechnet beim TSV Bad Königshofen, dem Verein aus der kleinsten Bundesliga-Stadt mit dem zweitgrößten Zuschauerdurchschnitt der letzten drei Spielzeiten. Der mit der größten Fanunterstützung, wie alle Gastmannschaften bestätigen. Die beiden Geschäftsführer der TT Bad Königshofen GmbH, Andy Albert und Udo Braungart, das Organisationsteam und viele Helfer hatten Schwerstarbeit geleistet, sich auf jede neue pandemiebedingte Vorgabe eingestellt und sie umgesetzt.

Der Neue: Abdel-Kader Salifou
Foto: Rudi Dümpert | Der Neue: Abdel-Kader Salifou

Albert: "Mit Platz sechs bis zehn zufrieden"

Albert schätzt die sportliche Situation derzeit ganz realistisch ein: "Eine Prognose abzugeben, was wir vorhaben und was ich unserer Mannschaft zutraue in dieser ganz speziellen Saison, ist ganz schwierig. Sie ist ja nicht wirklich planbar. Ich wäre am Ende mit einem Mittelfeldplatz zwischen sechs und zehn zufrieden. Da kann noch so viel in dieser Saison auf uns einprasseln, auf die anderen Mannschaften natürlich auch."

Viele Fragen seien offen. Zum Beispiel? "Können die ausländischen Spieler der Teams zu den Spielen anreisen? Müssen sie in Quarantäne? Können die Asiaten überhaupt kommen?" Da wirke der Abgang von Mizuki Oikawa auf einmal gar nicht mehr so schlimm. "Im Gegensatz zu mehreren anderen Vereinen sind unsere Spieler ja alle aus Deutschland oder der unmittelbaren Nähe", sagt Albert.

Spiel wird live ins Internet gestreamt 

Albert setzt eindeutige Prioritäten. Das bewies er schon, als er Oikawa aus dem laufenden Vertrag entließ: "Vorrang hat die Gesundheit der Spieler und unserer Fans. Deshalb haben wir ein lückenloses Hygiene-Konzept entwickelt, sehen aber dennoch ein, dass wir zunächst noch ohne Zuschauer spielen müssen. Es ist für uns aber ein riesiger Nachteil, denn keine andere Mannschaft bekommt so viel Unterstützung wie unsere." Die eigenen Spieler bestätigen es ihm immer wieder, "dass die Fans für zwei bis drei Bälle pro Satz gut sind." Jetzt müssten sich die Spieler selber pushen. "Wir hoffen, dass wir ihnen wenigstens im Livestream auf sportdeutschland.tv spannende Spiele liefern können“, sagt Albert.

Alberts Ziel? "Sportlich, gesundheitlich, finanziell durchkommen"

Der Spitzenspieler: Bastian Steger
Foto: Rudi Dümpert | Der Spitzenspieler: Bastian Steger

Man lebe natürlich ständig in der Furcht, dass sich ein Spieler irgendwo ansteckt. Sie trainieren ja in Düsseldorf, Saarbrücken und Zagreb und kommen immer erst zwei bis drei Tage vor den jeweiligen Partien zusammen. "Da kann natürlich sehr viel passieren. Für mich zählt dieses Jahr durchzukommen: sportlich, gesundheitlich und finanziell." Albert schaut aber auch über den Tellerrand hinaus. "Wer weiß, wie sich die ganze Sponsoren-Situation entwickelt, wenn Tischtennis mehr von der Fläche verschwindet. Wenn in der Öffentlichkeit und den Medien nur noch über Fußball und da nur über Profi-Fußball geredet wird und alle anderen Sportarten hintenrunter fallen."

Wenn der Sport weiter ruhen würde, wäre das "für uns tödlich. Deshalb wollte die TTBL ja auch unbedingt mit dem Ligabetrieb anfangen, um im Gespräch zu bleiben. Ich hoffe, dass uns diese Entscheidung nicht auf den Fuß fällt." Außerdem hoffe er, "dass uns die lokale Politik, sprich Bad Neustadt, doch mal entgegenkommt, da unser Landkreis in Sachen Corona ja vergleichsweise gut dasteht und wir ein sehr gutes Hygiene-Konzept erstellt haben."

Der Aufstrebende: Filip Zeljko.
Foto: Rudi Dümpert | Der Aufstrebende: Filip Zeljko.

Vor 200 oder 250 Zuschauern spielen zu dürfen, "wäre ja besser als gar nichts". Die Spieler seien alle heiß und gut drauf, hat Albert beobachtet. Der Kroate Filip Zeljko habe in Ochsenhausen wieder ein sehr starkes Turnier gespielt. "Er ist in der Form seines Lebens."

Ort findet die Spielplangestaltung "komisch"

Kilian Ort, der Lokalmatador, findet ebenfalls, dass "keine Prognosen für diese Saison möglich sind. Komisch finde ich auch, dass der Spielplan erst für die Vorrunde steht, weil man Rücksicht nehmen will auf internationale Turniere, die es 2021 hoffentlich wieder gibt." Und noch etwas treibt ihn um: "Ich weiß nicht, ob es das schon mal gab, dass zur Winterpause ein Spieler den Verein wechseln darf. Das ist ja auch eine nicht uninteressante Option."

Auf seine Mannschaft bezogen, befürchtet er, "dass wir uns im Vergleich zur letzten Saison personell einen Tick verschlechtert haben. Mizuki hatte eine total positive Bilanz, Abdel eine negative. Dennoch denke ich nicht, dass uns jemand unterschätzt, zumal wir mit Bastian einen erfahrenen Mann vorne dran haben. Dann sind eben Filip und ich speziell gefordert, dass wir besser spielen als letztes Jahr." Er hoffe, dass Zeljko "gehörig Druck" mache und "versucht, Abdel und mich vorrangig auf die Bank zu verbannen. Das kann nur gut sein für uns."

Die Mannschaft muss zusammenrücken

Der Lokalmatador: Kilian Ort
Foto: Rudi Dümpert | Der Lokalmatador: Kilian Ort

Er selbst sei schließlich viel verletzt gewesen. "Das hoffen wir, mit unserem neuen Physio-Team minimieren zu können". Mannschaftsintern verstünden sich die Spieler sehr gut. "Jetzt müssen wir noch ein Stück mehr zusammenrücken, bitte nicht wörtlich nehmen, und über den Teamgeist kommen", fordert der 24-Jährige. "Die Zuschauer werden uns natürlich sehr fehlen, während die meisten anderen Vereine, mit kleineren Hallen als wir, vor Zuschauern spielen dürfen.“

Eine Wettbewerbsverzerrung wittert Ort nicht. Er fragt sich aber, "ob das so wirklich okay ist. Es gibt aber für die Politiker wichtigere Themen als den TSV Bad Königshofen. Uns fehlt jedenfalls jeder einzelne Zuschauer. Es beeindruckt sonst die Gäste schon, wenn sie wissen, es wird bei uns stimmungstechnisch ungemütlich für sie."

Bundesliga-Lizenzen für Vyborny und Itagaki 

"Es ist wichtig", sagt Kilian Ort, "dass wir gesund bleiben, dem Virus so weit wie möglich ausweichen und uns nicht verletzen. Wir müssen uns gegenseitig so heiß machen, dass wir den Nachteil der fehlenden Zuschauer kompensieren können". Und für den Fall, dass doch einmal mehr als ein Spieler ausfallen sollte, hat Udo Braungart nachträglich zwei weitere Spieler-Lizenzen bei der TTBL beantragt, für einen Oldie und einen Mini: Richard Vyborny (49) und Akito Itagaki (15).

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