Bad Königshofen

Chaotische Zustände beim ersten WTT-Turnier in Katar

Bad Königshofens Tischtennis-Profi Filip Zeljko (Archivbild) kritisiert die Organisation des WTT-Turniers in Doha.
Foto: Rudi Dümpert | Bad Königshofens Tischtennis-Profi Filip Zeljko (Archivbild) kritisiert die Organisation des WTT-Turniers in Doha.

Die Premiere der World-Tour-Nachfolgeserie WTT (World Table Tennis) im internationalen Tischtennis hat für heftige Kritik auf Seiten der Spieler und Trainer gesorgt. Grund hierfür waren große organisatorische Mängel und ein wenig ausgefeiltes Hygienekonzept. 300 Spielerinnen und Spieler waren in der aktuell hochsensiblen und schwierigen Zeit in die katarische Hauptstadt Doha geflogen, um zum Auftakt der neuen Turnier-Serire um Hohe Prämien und Weltcup-Punkte zu spielen. Von den vier Spielern des TSV Bad Königshofen wollte bzw. konnte nur Filip Zeljko dabei sein.

Bastian Steger, Kilian Ort und Abdel-Kader Salifou verzichteten oder wurden vom Verband erst gar nicht gemeldet. So entgingen sie dem, was ihr Teamkollege Filip Zeljko sowie die deutschen Profis Dmitrij Ovtcharov, Timo Boll und Patrick Franziska beim Star Contender, einem 600-Punkte-Turnier, erlebten. So gab es beispielsweise keinerlei Informationen über Auslosungen, Spielansetzungen und die Gruppeneinteilung.

Schwarze Böden und Tische

Der deutsche Bundestrainer Jörg Roßkopf hatte jede Menge zu monieren. „Die Corona-Vorkehrungen finde ich grenzwertig“, sagte er der dpa. „Es graut einem fast, in die Halle zu gehen, so eng tummelt sich alles aufeinander. Es verstärkt sich leider der Eindruck, dass es für die WTT das Wichtigste ist, dass die Lichter blinken und die Musik wie in einer Disco dröhnt.“ Waren bei allen nationalen und internationalen Wettbewerben die Tischtennis-Tische bisher blau und der Bodenbelag rot, so entschied sich die WTT in Doha für schwarze Tische und einen schwarzen Boden, was bei dem dunklen Hallenlicht wie ein Bumerang zurück fiel. Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp war ungehalten, weil „Spielerinnen bei der Auslosung ganz vergessen wurden.“

Da Filip Zeljko vom kroatischen Verband gemeldet wurde, überlegte er natürlich keine zwei Mal. Hinterher ist er klüger. Im Gespräch mit dieser Redaktion berichtet er aus erster Hand von seinen Erlebnissen im fernen Katar. Vom Sportlichen her war es ein Misserfolg, „den ich mir aber selber zuzuschreiben habe.“

Alle wollen auf einmal trainieren

Gegen den Weißrussen Khanin Aliaksandr verlor er sein Auftaktmatch mit 0:3 und schon war das Turnier für ihn beendet. Außer Spesen nichts gewesen. „Ich ging schon mit einem unguten Gefühl ins Match“, bekennt der 24-Jährige, der von Haus aus eigentlich ein Positivdenker und Optimist ist. „Es war dann auch nicht mein Tag.“

Von den total ungewohnten Umständen vor und bei so einem Turnier erzählte Filip Zeljko zunächst einmal gar nichts. Dann aber sprudelte es aus ihm heraus: „Bevor wir von Zagreb aus nach Doha aufbrachen, mussten wir sieben Tage lang täglich getestet werden, dann noch einmal zwei Tage vor dem Start. Am 24. Februar landeten wir in Doha und wurden gleich noch einmal getestet.“ Anschließend ging es für den Bundesliga-Spieler des TSV Bad Königshofen für zwei Tage in Quarantäne, wobei das Zimmer nicht verlassen durften. „Während des Turniers durften wir die Hotelhalle und das Hotel außer zum Transfer zur Halle nicht verlassen.“ Für all das bringt er auch im Nachhinein noch jede Menge Verständnis auf, weil er sich dadurch auf der sicheren Seite sah. Das sollte aber letztlich nur eine Vermutung sein.

„Am letzten Tag vor dem Turnier und nach zwei Tagen Quarantäne wollten wir natürlich mal in die Halle und wieder einen Schläger in die Hand nehmen, ein bisschen trainieren. Das wollten natürlich alle, die Lichtverhältnisse, die schwarzen Tische und den schwarzen Boden testen. Das ist ja schon ein erheblicher Unterschied zu dem, was wir gewohnt sind“, sagt Zeljko. Von Seiten der WTT gab es jedoch keinen Zeitplan, wann welche Nation an welchem Tisch wie lange trainieren darf. Mit dem Ergebnis, dass alle 300 Spielerinnen und Spieler zur selben Zeit nach dem Frühstück in der Trainingshalle waren und um einen Platz an den Tischen rangen.

„Es waren durchschnittlich acht Spieler pro Tisch, alle natürlich ohne Maske. Glücklicherweise habe ich bis heute nichts von positiven Tests unter den Spielern gehört“, sagt Zeljko. „Im Moment weiß ich nicht, ob, wann und wo das nächste WTT-Turnier stattfindet und ob ich überhaupt teilnehmen darf.“ Von der im Vorfeld gepriesenen Professionalisierung im Tischtennis-Sport konnte bei der Premiere der neuen Turnier-Serie jedenfalls keine Rede sein.

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