Eichenhausen

Das Erfolgsrezept des SV Eichenhausen/Saal

Die Mannschaft erringt den Meistertitel in der A-Klasse Rhön 2. Warum Erfolgstrainer Sebastian Schmitt ideale Arbeitsbedingungen vorfindet.
Der SV Eichenhausen/Saal kam aus dem Jubeln gar nicht heraus und errang in der abgebrochenen Saison 19/21 die Meisterschaft in der A-Klasse Rhön 2. Hier jubeln (von links) Tobias Doser, Kapitän Sebastian Bayer (mit 24 Treffern Torschützenkönig der A-2),  Maximilian Bürger und Martin Seifert über den 6:2-Sieg  beim FSV Hohenroth am 27. September 2020.
Foto: Anand Anders | Der SV Eichenhausen/Saal kam aus dem Jubeln gar nicht heraus und errang in der abgebrochenen Saison 19/21 die Meisterschaft in der A-Klasse Rhön 2.

Was wäre das für eine Meisterschaftsparty geworden? Sicher eine mit Pauken und Trompeten, mit Jubelstürmen, Umarmungen, Feiern mit den Fans. Wenn es Corona nicht gäbe. Stattdessen wurde der SV Eichenhausen/Saal ein "stiller" Meister der Fußball-A-Klasse Rhön 2. "Schon eine komische Situation", sagt Erfolgs- und Spielertrainer Sebastian "Sebbo" Schmitt (41), obwohl sich der Abbruch der Saison und die Entscheidung über den Aufstieg nach der Quotienten-Regelung abgezeichnet hatten. So wurden der Freude und den Emotionen eben über die Social Media Ausdruck verliehen.

"Die Feier werden wir auf jeden Fall nachholen", wird auf dieses Highlight so bald wie möglich gebührend angestoßen. Die Mannschaft macht's bereits an diesem Samstag. "Wir fahren mit dem Zug nach Forchheim in einen großen Biergarten, lassen dort, natürlich unter Einhaltung der Hygiene-Regeln, die Sau raus und danach geht's wieder heim."

Sehr lernwillig, hoch motiviert und mit viel Potenzial

Worin liegt das Geheimnis des Höhenfluges, der mit der Rückkehr in die Kreisklasse nach vierjähriger Abstinenz gekrönt wurde? Da gerät Schmitt, der im April 2019 Wolfgang Goldbach als Trainer ablöste, ins Schwärmen. Als "sehr lernwillig, hoch motiviert und mit viel Potenzial" bezeichnet er sein junges Team, das "gerne auf dem Platz spielen will" – mit der Betonung auf dem Wort spielen. Etwa zehn Spieler bilden einen kompletten Fußball-Jahrgang, der gemeinsam groß geworden ist und die einzelnen Jugendteams durchlaufen hat. Ein weiterer für ihn ganz entscheidender Faktor: "Die Kameradschaft ist überragend." Da sei es leicht als Trainer zu arbeiten. "Die Jungs ziehen und motivieren sich gegenseitig." Jeder im Team akzeptiere seine Rolle, auch bei kürzeren Einsatzzeiten. "Alle sind im Training immer voll bei der Sache."

In der nun abgebrochenen Saison 19/21 legte der SV Eichenhausen/Saal einen Start-Ziel-Sieg hin und hängte die Konkurrenz bis zum Abbruch ab. In 17 absolvierten Partien (insgesamt wären es 22 gewesen) stieß der SV 14 Mal auf einen Sieg an, zweimal teilte er sich die Punkte. Das einzige Mal ins Straucheln geriet der Meister am 4. Oktober 2020 bei der 1:2-Heimniederlage gegen den TSV Rothhausen/Thundorf. Meisterlich das Torverhältnis von 49:17 mit einem herausragenden Stürmer Sebastian Bayer, der sich mit 24 Treffern überlegen die Torjägerkrone der A-2 sicherte.

Mit Sebastian Schmitt (in Rot, hier im Spiel des SV Rödelmaier gegen den VfL Spfr. Bad Neustadt im Jahr 2016) kam der Erfolg zum SV Eichenhausen/Saal. 'Sebbo' führte den SV zum Titelgewinn in der A-2.
Foto: Anand Anders | Mit Sebastian Schmitt (in Rot, hier im Spiel des SV Rödelmaier gegen den VfL Spfr. Bad Neustadt im Jahr 2016) kam der Erfolg zum SV Eichenhausen/Saal. "Sebbo" führte den SV zum Titelgewinn in der A-2.

Auswärts fühlt sich der SV heimisch

Sebastian Schmitt erinnert sich an gerne an viele überzeugende Auftritte, die bewiesen, dass der SV zu Recht ganz oben steht. Stark sei der Teamgeist beim 3:1-Sieg im Spitzenspiel bei der SG Sulzfeld/Merkershausen (Zweiter) gewesen. "Wie da die Spieler gefightet haben und gerannt sind." Oder die Begegnung bei der TSVgg Hausen (Dritter), wo man beim 3:2-Erfolg spielerisch voll überzeugt habe. "Wie wir dort aufgetreten sind, hat mir imponiert. Da merken die Spieler, dass sie es auch können", freute sich Schmitt nicht nur über den Erfolg, sondern auch über eine weitere Stärkung des Selbstbewusstseins. Überhaupt fühlten sich die Eichenhäuser und Saaler Recken auf fremdem Terrain richtig heimisch. Das Prädikat "auswärtsstark" verdienten sie sich mit acht Siegen und einem Remis bei einer 27:8-Trefferquote. Auch ein Verdienst der vielen, treuen Fans, denen Schmitt ein Dankeschön für ihre Unterstützung zollt. Für sie gilt ebenfalls: Die Riesensause ist nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.

Sebastian Schmitt kann sich frei entfalten

Der Zukunftsplan des Sebastian Schmitt? "Ich freue mich auf die Kreisklasse und würde gerne weitermachen." Letzteres wird sicher nur Formsache sein. Personell werde sich nicht viel verändern. Mit Hannes Gensler stößt ein Spieler aus der Jugend dazu. "Ich bin vollkommen zufrieden mit dem Kader." Das Umfeld lobt er sehr. "Das gestaltet sich problemlos. Wir gehen ehrlich miteinander um. Ich genieße volles Vertrauen, kann mich ganz auf den sportlichen Bereich konzentrieren und mich frei entfalten." Ob er sich selbst weiter das Trikot überstreift? Dazu Schmitt: "Ich werde eventuell noch ein bisschen eingreifen."

So hatte er seinen Spielern für die im April geplante Wiederaufnahme des Spielbetriebs als Vorbereitung im März Trainingspläne an die Hand gegeben mit dem Schwerpunkt Grundlagenfitness (Sprinten, Ausdauer, Kondition). Dem leisteten die Akteure mit 1100 absolvierten Jogging-Kilometern Folge. Im April sollte die Konzentration auf dem Rasen ausschließlich auf Technik und Taktik liegen. "Das hat sich dann ja leider zerschlagen." Wenn die Spieler im Moment die Zügel etwas schleifen lassen sollten, "bin ich nicht böse", zeigt Schmitt Verständnis. "Vielleicht ist die Motivation ein bisschen weg." Aber er weiß auch: "Wenn es wieder losgeht, ist sie ruckzuck wieder da. Wir freuen uns auf den Platz. Dann können wir wieder dem nachgehen, was wir mögen und lieben und wofür wir gerne unsere Freizeit opfern." 

Fünf Jahre beim FC Schweinfurt 05

Sebastian Schmitt, ein waschechter Rödelmairer, war in seiner Schüler- und Jugendzeit in Spielgemeinschaften ("für eine eigene Jugendmannschaft hat es in Rödelmaier nicht gereicht") am Ball. Als 14-Jähriger wechselte er zum FC Schweinfurt 05, blieb dort fünf Jahre und kehrte mit 18 Jahren zurück zu seinem SV Rödelmaier – damals, wie auch zur Zeit, Bezirksligist. Es folgten 17 Jahre beim SV mit zahlreichen Pokalerfolgen und Bezirksoberliga-Zugehörigkeit ("eine richtig geile Zeit"), ehe er mit 35 Jahren seine Laufbahn beim SV Rödelmaier beendete, nur einmal, mit 36, noch mal aushalf. Unvergessen sind ihm Spiele, als "teilweise elf Rödelmairer auf dem Platz standen".

Nach seinem Traineramt beim FC Reichenbach (ab 2016) übernahm er im April 2019 den SV Eichenhausen/Saal. Ideal für ihn auch deshalb, da er es von Rödelmaier, wo er mit seiner Frau und den drei Kindern wohnt, nicht weit zu den Sportplätzen in Eichenhausen bzw. Saal hat. Zwei Vereine, die bereits auf eine 17-jährige gemeinsame Fußball-Spielgemeinschaft zurückblicken. Der TSV Saal schloss mit einer letztmals eigenständigen Mannschaft die Saison 2003/04 auf dem achten Platz in der A-Klasse Rhön-Grabfeld 2 (niedrigste Klasse) ab. Der SV Eichenhausen stieg in der gleichen Runde aus der Kreisliga Nord ab, sodass die gemeinsame sportliche Zukunft in der Kreisklasse Rhön-Grabfeld 2 begann und zwischendurch auch in die Kreisliga geführt hatte.

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