Ostheim

Der Ostheimer Johann Urban gibt seine historischen Laufschuhe ab

Der 84-jährige Sportsmann Johann Urban (links) übergibt seine historischen Rennschuhe an Eberhard Helm (rechts), den Vorsitzenden des SC Ostheim. Hier dienen sie in Zukunft als Vorbild für sportliche Betätigung und Gesunderhaltung.
Foto: Ali Louzri | Der 84-jährige Sportsmann Johann Urban (links) übergibt seine historischen Rennschuhe an Eberhard Helm (rechts), den Vorsitzenden des SC Ostheim.

Nach einer erfolgreichen Sportlerkarriere kommt irgendwann der Zeitpunkt, die Schuhe an den Nagel zu hängen. Dieser Zeitpunkt scheint für Johann Urban aus Ostheim nun gekommen zu sein. Der rüstige Rentner ist 84 Jahre alt, seine  historischen Laufschuhe hängt er aber nicht an irgendeinen Nagel, sondern stellt sie dem SC Ostheim zur Verfügung. "Was für eine Ehre", wie SC-Vorstand Eberhard Helm findet.

Anders als bei vielen anderen war Johann Urban die Begeisterung für den Sport nicht in die Wiege gelegt worden. "Mein Vater hatte keine Idee dafür", erklärt Urban, der am 13. November seinen 85. Geburtstag feiern wird. Im zarten Alter von sieben Jahren musste Urban mit seiner Familie, inklusive seiner sieben Geschwister, das deutschsprachige Königsfeld in den ungarischen Karpaten verlassen. Auf der Flucht in den Westen wurde er schließlich im Jahr 1945 in Ostheim ansässig.

Sportfest des TSV Ostheim als Initialzündung

Die Initialzündung für Urbans sportliche Begeisterung war sechs Jahre später das große Sportfest anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des TSV Ostheim. Dadurch inspiriert fand der junge Leichtathlet großen Gefallen am Mittel- und Langstreckenlauf. Während seiner Ausbildung zum Metzger ging es bereits frühmorgens los, so dass am Nachmittag Zeit zum Sporttreiben blieb. Johann Urban unternahm ausgedehnte Ausflüge rund um Ostheim im Heidelberg und im Höhn. Auch zum Dachsberg und auf die Lichtenburg führten seine Trainingsläufe. Gut erinnern kann sich der rüstige Rentner an seinen früheren Ostheimer Trainer Emil Amthor. Ein systematisches Training, wie es heute stattfindet, gab es damals jedoch noch nicht. "Man hat sich selbst geholfen", stellt Urban fest.

Sie waren rot, hatten Spikes und waren von Puma: Die historischen Rennschuhe von Johann Urban waren kurz nach dem zweiten Weltkrieg ziemlich die ersten Rennschuhe, die es überhaupt auf dem Markt gab.
Foto: Eberhard Helm | Sie waren rot, hatten Spikes und waren von Puma: Die historischen Rennschuhe von Johann Urban waren kurz nach dem zweiten Weltkrieg ziemlich die ersten Rennschuhe, die es überhaupt auf dem Markt gab.

Die roten Puma-Laufschuhe mit Spikes an den Sohlen, die ihm damals sein Freund Herbert Langenbrunner besorgt hatte, waren "die ersten Rennschuhe überhaupt." Diese konnten auch nur auf der Aschenbahn benutzt werden. Auch das Design der Firma Rudolf Dassler aus Herzogenaurach war noch nicht ausgereift. Der charakteristische Streifen seitlich am Schuh war nämlich noch nicht erfunden. Von 100 Metern bis 3.000 Metern war Johann Urban mit seinen Schuhen in allen Wettbewerben ein von seinen Gegnern respektierter und geachteter Läufer.

Mit dem Fahrrad zu den Wettkämpfen in Schweinfurt und Würzburg

"Auch bei den Trainingsanzügen war man damals noch bei Null", erinnert sich der rüstige Sportler an die Nachkriegszeit. Es sei kein Geld da gewesen und alles noch im Aufbau. Von seinem kargen Lehrlingsgehalt habe er sich dann seinen ersten Trainingsanzug gekauft. "Meist bin ich mit dem Fahrrad zu den Wettkämpfen gefahren", sagt Urban. Da führten die Touren vor dem Rennen durchaus mal nach Schweinfurt oder Würzburg. Speziell die 1.500 Meter lief er mit Vorliebe. Genau in Erinnerung ist ihm noch seine Bestzeit von  9:24 Minuten über die 3.000 Meter. Für die damaligen Umstände war das in Unterfranken eine absolute Spitzen-Zeit. "Die sportliche Zeit bis 1955 war ein sehr schöner Abschnitt meines Lebens, den ich nicht mehr missen möchte", sagt Urban rückblickend.

Wie so viele Ostheimer musste er ab 1955 eine Arbeitsstelle auswärts im hessischen Offenbach annehmen. Er schloss sich dem dortigen Sportverein an und betrieb außer Mittelstreckenlauf auch noch Rudern im Vierer mit Steuermann. Boxen und Ringen waren weitere Sportarten, für die er sich begeistern konnte. Auch beruflich war er aufgrund seiner soliden Ausbildung in Ostheim sehr erfolgreich. Ab 1960 lebte Urban in Frankfurt und lernte dort auch seine Ehefrau Monika kennen. Der Vater von Monika besaß eine Konditorei und aufgrund seiner sportlichen Aktivitäten kann sich Johann Urbans Ehefrau an den sehr guten Appetit ihres Ehemanns erinnern.

Großes Interesse an der Laufszene in der Region

Dem heute 84-Jährigen kam seine Zielstrebigkeit im Sport auch beruflich zugute. Zusammen mit seiner Ehefrau wurde er als Metzger- und Küchenmeister ein erfolgreicher Gastronom und führte jahrzehntelang ein hervorragend laufendes Hotel. Im Rentenalter zog es die Familie dann wieder zurück nach Ostheim, wo sich beide sehr wohl fühlen. Sohn Peter trat in die Fußstapfen seines Vaters und führte von 2004 bis 2010 das Gasthaus "Zur Krone" in Ostheim. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei auch von seinen Eltern.

Interessiert beobachtet Johann Urban die sportliche Laufszene in der Region. Mit Freude übergab er daher die historischen Laufschuhe an Eberhard Helm und Ali Louzri, die beiden Vorsitzende des SC Ostheim. Bei der Übergabe waren sich alle drei einig, dass sportliche Betätigung für die eigene Gesundheit sehr wichtig ist, gerade in Corona-Zeiten. "Deswegen raus an die frische Luft", fordert Eberhard Helm und fügt an: "Auch mal alleine unterwegs sein. So wie Johann Urban vor 70 Jahren."

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