Eußenhausen

Olympia? Trap-Schützin Sarah Bindrich hat das Thema abgehakt

Es müssten schon Pech, Glück und Können zusammenkommen, damit es für die 23-Jährige aus Eußenhausen noch mit Tokio klappt. Sie schätzt die Situation lieber realistisch ein.
Es müsste einiges zusammenkommen, damit es noch mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio klappt. Sarah Bindrich (im Bild) glaubt nicht mehr an ihre Minimalchance.
Foto: Fred Rautenberg | Es müsste einiges zusammenkommen, damit es noch mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio klappt. Sarah Bindrich (im Bild) glaubt nicht mehr an ihre Minimalchance.

Die Situation ist vertrackt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das gewünschte Ergebnis eintritt, geht gegen null. Und spielt in den Gedanken von Sarah Bindrich auch keine Rolle mehr. Die Trap-Schützin aus Eußenhausen wird bei den Olympischen Spielen im Sommer in Tokio nicht dabei sein, ist sie sich sicher. Dabei besteht – zumindest auf dem Papier – noch eine klitzekleine Chance. Die speist sich aus dem Dreiklang Pech, Glück und Können.

Die Ausgangslage ist wenig verheißungsvoll: Die deutschen Frauen haben bislang noch keinen Quotenplatz genannte Startberechtigung für Tokio erzielen können. Ein Wettkampf verbleibt, um daran etwas zu ändern: die Europameisterschaft Ende Mai in Osijek. Für die ist Sarah Bindrich freilich nicht nominiert. Falls eine der drei vorgesehenen Deutschen Pech hat und in Kroatien nicht starten könnte, hätte Ersatzschützin Bindrich Glück und dürfte nachrücken.

Fehlt noch der Faktor Können: die Eroberung des Quotenplatzes durch eine deutsche Schützin sowie mindestens die Finalteilnahme für Bindrich. Sehr viel Konjunktiv also. Zu viel für die 23-Jährige. Sie schätzt die Lage lieber realistisch ein und sagt zum Thema Olympia: "Das habe ich abgehakt".

In der Endabrechnung fehlen drei Scheiben

Bei den internen Qualifikationswettkämpfen, die jüngst in Frankfurt/Oder und Suhl angestanden waren, war es jeweils die erste Runde von 25 Schuss, die Bindrich die Teilnahme an der Europameisterschaft kostete. In Frankfurt/Oder startete sie mit 18 Treffern, in Suhl mit 20. Als am Ende die Scheiben zusammengezählt wurden, "haben mir leider drei Treffer gefehlt", sagt Bindrich. Beim Trap werden von den Flintenschützen in einer Runde jeweils fünf Wurfscheiben von fünf unterschiedlichen Positionen aus beschossen.

"Ich war sehr aufgeregt", gesteht Bindrich sich ein. Woran das lag? An der Unkenntnis über den Leistungsstand der Konkurrenz und der im Hinterkopf sitzenden Frage, ob man selbst genug trainiert hat, sagt sie. Und auch an der langen, über ein Jahr dauernden Wettkampfpause. "Ich hatte mir fest vorgenommen, mich für die Europameisterschaft zu qualifizieren und bin traurig, dass es nicht geklappt hat. Ich ärgere mich sehr, dass ich bei beiden Wettkämpfen in den ersten beiden Runden ins Leere gegriffen habe", resümiert sie.

2018 gewann Sarah Bindrich (Mitte) Silber im Teamwettbewerb der Europameisterschaft.
Foto: DSB/Jürgen Heise | 2018 gewann Sarah Bindrich (Mitte) Silber im Teamwettbewerb der Europameisterschaft.

Trainiert werden Sarah Bindrich, die als Steuerfachangestellte in Mellrichstadt arbeitet, und ihr jüngerer Bruder Jonas, der ebenfalls dem Trap-Perspektivkader des Deutschen Schützenbunds (DSB) angehört, von ihrem Vater Karsten Bindrich. Seines Zeichens Trap-Weltmeister 2003 und viermaliger Olympia-Teilnehmer. Neben zahlreichen internationalen Medaillen bei Juniorinnen-Wettbewerben gewann Sarah Bindrich 2018 mit dem deutschen Frauen-Team Silber bei der Europameisterschaft in Österreich.

Der letzte internationale Wettkampf war vor über einem Jahr

Nach dem Weltcup auf Zypern im März 2020 war wegen der Corona-Pandemie erst einmal fast zweieinhalb Monate kein Sport und auch kein Training möglich. Mitten in der Saison wurden Bindrich und die anderen Trapschützen aus den gewohnten Abläufen herausgerissen. "Da ist man erst einmal konfus", erinnert sie sich. Im Herbst standen immerhin einige Leistungsüberprüfungen der Kaderschützen an, "dabei konnten wir zumindest noch etwas Wettkampfroutine erfahren."

Und dann wurde es auch noch am Trainingsort ungemütlich. Wind und Minusgrade kennzeichneten die Bedingungen oben im Schießsportzentrum am Friedberg in Suhl. "Das ist eher kontraproduktiv beim Trapschießen", sagt Bindrich und schmunzelt. Zeitweise mussten die Bindrichs auf den Schießstand im 20 Kilometer nordwestlich von Erfurt gelegenen Bad Tennstedt ausweichen. "Wir mussten sehr flexibel sein", sagt sie. Eine optimale Vorbereitung auf eine Saison sieht definitiv anders aus.

Beim Weltcup in Lonato ist Sarah Bindrich dabei

Immerhin: Nächste Woche findet im italienischen Lonato ein Weltcup statt, für den Sarah Bindrich von Bundestrainer Uwe Möller nominiert worden ist. Zum ersten Mal nach 14 Monaten wird sie dort die Gelegenheit haben, sich mit der internationalen Konkurrenz zu messen. Zuvor steht das erste von zwei Ranglisten-Schießen der Nationalmannschaft an. Ein wichtiger Termin, weil er auch ausschlaggebend ist für die weitere Kader-Zugehörigkeit.

Fest eingeplant ist weiterhin die Teilnahme am Bindrich-Sport-Cup in Berlin, einem Einladungsturnier ihrer Eltern, die in Eußenhausen einen Laden für Schießsportbedarf betreiben, sowie die an der deutschen Meisterschaft im August in München. "So es Corona zulässt", schränkt Sarah Bindrich ein.

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