Saal

Treffsicher trotz Wind und Regen

Valentina Umhöfer wartet darauf, dass die Scheiben vor ihr auftauchen.
Foto: Förderkreis Wurfscheibe/Ralf Müller | Valentina Umhöfer wartet darauf, dass die Scheiben vor ihr auftauchen.

Wenn hierzulande dieses Jahr über Hitze, Trockenheit oder über Wetterkapriolen diskutiert wird, kann Valentina Umhöfer wohl nur müde lächeln. Die Skeet-Schützin aus Saal hat in den vergangenen Wochen alle Widrigkeiten des Wetters erlebt und auch erfolgreich durchlebt: Der Weltcup in Malta wurde fast vom Winde verweht. Und auch der jüngste Wettkampf im amerikanischen Tucson bot fast die komplette Wetterbandbreite: Über 35 Grad Hitze in der Wüste Arizonas, dazu orkanartige Regenfälle mit starkem Blitzschlag. „Aber die Bedingungen sind ja für alle gleich. Da müssen alle durch“, berichtet die 20-Jährige völlig entspannt auf der Terrasse im heimischen Garten in Saal sitzend.

Früh weg von Zuhause

So entspannt und gelöst war Valentina Umhöfer in ihrer noch jungen Sportlerkarriere aber nicht immer. Schon früh in der Kindheit war klar, dass es etwas mit Sport sein soll für die Saalerin. Mit zwölf Jahren ging es weg von Zuhause – weg vom Elternhaus und dem gewohnten Umfeld. Die ersten sportlichen Schritte machte Umhöfer dann im Sportinternat im thüringischen Oberhof – und zwar in der Deutschen liebsten Wintersportart Biathlon. Dort, wo auch schon spätere Weltmeister und Olympiasieger ihre ersten Fußstapfen hinterließen. In dem für Grabfelder Verhältnisse eher ungewöhnlichen Sport fasste die Sportlerin auch schnell Fuß.

Mit 15 Jahren gelang in der Chiemgau-Arena von Ruhpolding überraschend der erste Karrieresieg in ihrer Altersklasse. Während in Sachen Laufleistung auf der Strecke noch Luft nach oben war, zeigte sich schon im Teenageralter in der zweiten Teildisziplin des Biathlons, dem Schießen, die große Stärke von Umhöfer. Mit nur einem Fehler bei vier Schießübungen ließ sie all ihre anderen Kontrahentinnen hinter sich. Der erste Schritt zu einer verheißungsvollen Karriere – mochte man meinen. „Doch dann gab es auch ein paar Ungereimtheiten mit den Trainern“, ließ sie durchblicken. Vater Dieter, der in Saal eine Kfz-Werkstatt betreibt, wird noch deutlicher, spricht von Mobbing während der Biathlonzeit und dass seine Tochter auch einmal im tiefsten Winter bei Schnee und Eis nach Hause geholt wurde.

Olympische Disziplin

Da das Schießtalent aber zweifelsohne vorhanden war, wagte die 20-Jährige dann den Wechsel hin zum Schießsport, genauer gesagt zum Skeet. „Und wie man sieht, läuft's. Ich bin ganz froh, den Schritt gemacht zu haben. Und Schießen liegt mir einfach mehr, ist wahrscheinlich genetisch veranlagt“, lacht sie inzwischen über die damals zwischenzeitlich schwierigen Zeiten. Aber was ist Skeet überhaupt? Skeet, im Volksmund auch unter Tontaubenschießen bekannt, ist neben Trap oder Doppeltrap eine weitere olympische Disziplin des Präzisionssports. Nach einer genau vorgegebenen Abfolge muss der Schütze auf insgesamt acht Stationen – angeordnet in einem Halbkreis – sowohl Einzelscheiben, als auch Dubletten beschießen. Pro Durchgang sind es 25 Stück. Im Gegensatz zum Trap kann man sich keine Fehler leisten – jeder Schuss und damit auch Fehlschuss zählt. An einem Stand gilt es jeweils zwei Tontauben zu erwischen, die gleichzeitig vor dem Visier des Schützen auftauchen.

„Man muss also nach dem ersten Schuss sofort den Blick lösen auf die zweite Scheibe. Ansonsten hat man keine Chance mehr“, erklärt Umhöfer, die jeweils nicht genau weiß, wann die Scheiben vor ihr auftauchen. Die also nötige Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit erkannte die Trainerin auch schnell bei der Saalerin, die ihr das Skeet als etwas beweglichere Disziplin ans Herz legte. Keine schlechte Entscheidung, da sich das Nachwuchstalent auch von möglichen Psychotricks ihrer Gegner selten beeinflussen lässt. Und so zeigte die Formkurve der 20-Jährigen in den vergangenen Jahren immer weiter nach oben.

Bronze bei Europameisterschaft

Einer der größten Erfolge gelang bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Baku, bei der sie im Team der Sprung aufs Bronzepodest schaffte. Weitere wertvolle Erfahrungswerte folgten dann in diesem Sommer bei den Weltcups in Malta und den USA, für die sich Umhöfer durch erfolgreiche, interne Trainingsausscheidungen qualifizierte. Gerade der Abstecher vor zwei Wochen in die Wüste Arizonas sorgt bei Umhöfer noch jetzt für strahlende Augen. „Das war schon richtig krass. Beim Betreten der Anlage staunt man erst einmal. In Deutschland sind fünf Schießstände üblich. Dort waren es 50“. Da passte es ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, dass auch die Dimensionen außerhalb des Schießplatzes mit Verhältnissen hierzulande überhaupt nicht zu vergleichen sind. „Da reisen dann die Familien der Sportler mit Riesenwohnwägen an. Die findest du hier nicht“, schwärmt Umhöfer über die unvergesslichen Erfahrungen. Und wahrscheinlich auch, weil neben Training und Wettkämpfen auch etwas Zeit für Sightseeing und Shopping in Tucson blieb.

Ab September bei Bundespolizei

Lange Zeit in Erinnerungen zu schwelgen und den Sommer im Grabfeld zu genießen, bleibt für die Noch-Juniorin nicht. Seit dieser Woche beginnen die Vorbereitungen für die Europameisterschaft im österreichischen Leobersdorf. Und die dürften bei der Schützin nun deutlich befreiter vonstattengehen. Schließlich hat sie seit Mai ihr Abitur in der Tasche und kann sich nun ohne Lern- und Prüfungsstress den Vorbereitungen widmen, ehe im September ein weiterer, neuer beruflicher Lebensabschnitt beginnt. In Kienbaum startet Umhöfer ihre Ausbildung bei der Bundespolizei. „Das lässt sich in der Sportfördergruppe dann sehr gut vereinbaren mit dem Schießtraining und den rund 16000 Schuss pro Jahr“, so die sympathische Sportlerin, die zudem bald in den B-Kader aufrücken wird, was auch für die finanzielle Förderung nicht unerheblich ist.

Ihre sportlichen Ziele für die Zukunft? „Erst bei der EM gut abschneiden, damit es hoffentlich auch für die WM reicht. Dann mich in der Damenklasse neu behaupten. Und natürlich irgendwann auch mal eine Teilnahme bei Olympia.“ Vielleicht ja schon in zwei Jahren bei den Spielen in Tokio. Mit dem japanischem Klima dürfte Valentina Umhöfer nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen dann wohl die wenigsten Probleme haben.

Entspannt: Ihr Abitur hat Valentina Umhöfer in der Tasche, im Herbst startet sie eine Ausbildung. Auch sportlich hat sie große Pläne für die Zukunft.
Foto: Christian Hüther | Entspannt: Ihr Abitur hat Valentina Umhöfer in der Tasche, im Herbst startet sie eine Ausbildung. Auch sportlich hat sie große Pläne für die Zukunft.
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