Bad Königshofen

TSV Bad Königshofen: Das Rechnen hat vorzeitig ein Ende

Kilian Ort (Archivbild) verlor sein Match gegen Tiago Apolonia mit 1:3, woran auch Probleme mit dem Aufschlag ihren Anteil hatten.
Foto: Rudi Dümpert | Kilian Ort (Archivbild) verlor sein Match gegen Tiago Apolonia mit 1:3, woran auch Probleme mit dem Aufschlag ihren Anteil hatten.

Wer am letzten Spieltag der Hauptrunde der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) zwei Spiele - via Livestream mit Konferenzschaltung oder per Liveticker - parallel verfolgte, das in Pfaffenhofen an der Roth zwischen dem TTC Neu-Ulm und dem TSV Bad Königshofen und jenes in Karlsruhe zwischen dem ASV Grünwettersbach und dem Post SV Mühlhausen, für den hatte das Rechnen mit Punkt-, Spiel- und sogar Satz-Verhältnissen sehr vorzeitig ein Ende. Das Wunder, dass der TSV Bad Königshofen doch noch als Tabellenvierter in die Halbfinal-Play-offs gegen Borussia Düsseldorf einziehen würde, kam nicht zustande.

Die Konkurrenten kommen mit der Situation besser zurecht

Es hätten ja gleich vier Mannschaften im Sinne der einen aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld spielen müssen. "Es schien, als sei es den drei anderen besser gelungen als uns, mit der Situation umzugehen", gab sich Bad Königshofens Manager Andy Albert nach der 0:3-Niederlage seiner Mannschaft sehr schnell geerdet. "Wir mussten es doch realistisch sehen: Die Chancen lagen im tiefen einstelligen Prozentbereich."

Nein, eine Enttäuschung sei das nicht, bekannte er, wobei keinerlei Wehmut im Unterton festzustellen war. "Dass wir bei unseren Bedingungen überhaupt bis zum letzten Spieltag im Gespräch waren, das war nicht absehbar. Wenn das Halbfinale gegen Düsseldorf auch dieser unserer besten und spannendsten Saison die Krone aufgesetzt hätte, bin ich überaus zufrieden bei all den Schwierigkeiten vor und während dieser Runde."

Eine Runde, in der die Liga ausgeglichen war wie lange nicht. "Wir hatten Mizuki Oikawa verloren und mussten darauf hoffen, dass Kilian Ort und Filip Zeljko noch eine Schippe drauflegen. Das ist ihnen zum Glück gelungen, und auch Bastian Steger hat eine bessere Runde gespielt als letztes Jahr", sagte Albert. Und ergänzte auch im Namen seines Geschäftsführer-Kollegen Udo Braungart: "Die Mannschaft ist mit ein bisschen Abstand zufrieden, unsere Fans sind es und die zwei Geschäftsführer auch. Ganz Tischtennis-Deutschland hatte bis zuletzt Bad Königshofen auf der Rechnung."

Albert: "Ich bin schon mitten in der neuen Runde"

Dass man mit anstatt ohne Zuschauer Sport-Feste hätte feiern können bei diesen Leistungen, "mag ich schon gar nicht mehr hören. Es ist so, es war nicht zu ändern, basta. Ich hatte diese Runde schon vor diesem Spiel abgehakt, bin schon mitten in der neuen". Stand Sonntag haben die Leistungen der Mannschaft die Partner und Sponsoren überzeugt, weiterhin ein Teil des Projekts "Weltklasse in Bad Königshofen" zu sein.

Natürlich boten die Neu-Ulmer ihre drei Europameister auf. Im zweiten Jahr nach der Vereinsgründung mit dem Team aus der Retorte in die Play-offs einzuziehen, war auch für sie höchst motivierend. Dass der TSV-Coach Koji Itagaki Kilian Ort auf 1 und Bastian Steger auf 2 stellte, hatte wohl auch mit dem Plan zu tun, dass Steger am ehesten einen Sieg vorlegen könnte, der das Team zu einer Sensation pusht.

Dass es am Ende mit 0:3 und 2:9 Sätzen so viel klarer als beim Hinspiel (2:3, 8:11) ausging, mag Statistiker und manchen Fan enttäuschen. In Hochform spielte keiner vom ersten bis zum letzten Ballwechsel. Besser haben sie alle schon gespielt. In einigen Phasen war die Rolle der Nerven unübersehbar: Wenn zum Beispiel ein Filip Zeljko nach einer 6:0-Führung im zweiten Satz plötzlich 6:9 zurück liegt und der Absturz noch nicht einmal durch eine Auszeit zu bremsen versucht wird.

Steger lehnt von Itagaki beantragte Auszeit ab

Oder wenn Bastian Steger zwei Punkte vor Satzende, für ihn bei seiner Bärenruhe zwei Tage nach seinem 40. Geburtstag völlig untypisch, mit den Schiedsrichtern heftig diskutiert, weil er eine von Itagaki beantragte Auszeit ablehnt und weiter spielen will, diese aber den Antrag als angenommen werten. Die Regeln werden es schon so vorsehen. Nach dieser etwa zweiminütigen Diskussion waren in ein paar Sekunden der Satz 5:11 und sein Spiel verloren. Überhaupt nicht unverdient von Emmanuel Lebesson, der Neu-Ulm Richtung Russland verlässt, als Abschiedsgeschenk gewonnen. Da kämpfte Steffen Mengel drüben in Karlsruhe – auch für Bad Königshofen – Wang Xi gerade mit 3:2 nieder und legte jenen Grundstein für die mögliche Sensation, den Steger nicht legen konnte.

Also hätten fortan die nächsten drei Einzel gewonnen werden müssen. Was aber schon Kilian Ort gegen Tiago Apolonia nicht gelingen mochte. Auf welcher Augenhöhe mit dem WM-Dritten im Doppel 2019 Ort spielte, zeigen die drei 8:8-Zwischenstände in den ersten drei Sätzen. Orts Vorhand war überragend. Doch seine Rückhand-Flips und ein paar Aufschlagfehler machten ihm alles kaputt. Als er gerade den dritten Satz für sich entschieden hatte, vollendete Mengel gegen Grünwettersbach die Steilvorlage. Dann ging aber bei Ort gar nichts mehr. Um 16.08 Uhr war der Traum vom Halbfinale ausgeträumt.

Auch im Dreier-Einzel hatte der Russe Sidorenko die Nerven besser im Griff. Im zweiten Satz aber zündete Zeljko die Rakete zur 6:0-Führung. Und plötzlich lag er 6:9 hinten. Woran es lag? Der an solchen Tagen hauptverantwortliche, der Kopf, löste eine Kettenreaktion aus und es ging gar nichts mehr. Nach 95 Minuten ohne Pause hatte Neu-Ulm, die bessere Mannschaft, von sich aus alles getan, was Bad Königshofen tun wollte, um Platz 4 zu erreichen. Die bayerischen Schwaben gingen letztlich ebenfalls leer aus, weil Grünwettersbach doch noch gewann. 

Ergebnisse:

Emmanuel Lebesson - Bastian Steger 3:1 (13:11, 11:7, 11:13, 11:5)

Tiago Apolonia - Kilian Ort 3:1 (11:8, 11:8, 8:11, 11:5)

Vladimir Sidorenko - Filip Zeljko 3:0 (11:9, 11:7, 11:6)

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