Sennfeld

Ironman Hawaii: Wie sich David Kiesel einen Lebenstraum erfüllt

Der 37-Jährige Triathlet aus Sennfeld hat die Qualifikation für den härtesten Wettkampf der Welt geschafft. Warum er aber vier Wochen auf die ersehnte E-Mail warten musste.
David Kiesel läuft als Vierter in seiner Altersklasse M 35 beim Ironman Italy ins Ziel. Dass er damit die Qualifikation für Hawaii geschafft hatte, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Foto: FinisherPix | David Kiesel läuft als Vierter in seiner Altersklasse M 35 beim Ironman Italy ins Ziel. Dass er damit die Qualifikation für Hawaii geschafft hatte, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Anders als viele Deutsche denkt der Sennfelder David Kiesel nicht an weiße Strände, wenn das Stichwort "Hawaii" fällt. Er denkt an an die Ziellinie beim "Ironman". Von der träumt er seit etwa zehn Jahren. 2011, beim Main-Post-Triathlon in Bad Kissingen, hat Kiesel erstmals die Strapazen dieses Dreifach-Wettkampfes auf sich genommen. Und nun, zehn Jahre später, ist es soweit: Die Qualifikation für Hawaii ist geschafft, der 37-Jährige startet im Oktober nächsten Jahres beim wohl härtesten Wettkampf der Welt.

Einmal im Jahr ist Hawaii der Treffpunkt mehrerer tausend Extremsportler. Sie treffen sich auf der Pazifikinsel, um die Besten im Triathlon zu küren, die sogenannten "Ironman" – frei übersetzt "Menschen aus Stahl". Für Kiesel geht mit der Teilnahme "ein Lebenstraum in Erfüllung", wie er sagt. Die Begeisterung über die geschaffte Qualifikation hat beim Triathleten auch Wochen später noch keinen Deut nachgelassen.

"Ich wollte eigentlich schon ins Bett und hab nur noch mal in die Mails geschaut. Und da stand dann 'Congratulations for the ironman-World-Championchip'."
David Kiesel über die erlösende E-Mail

"Das ist quasi die Weltmeisterschaft im Triathlon", unterstreicht Kiesel die Bedeutung des weltweit wohl bekanntesten Ironman. "Das besondere daran ist, dass sowohl Profis als auch Altersklassen dabei sind." Kiesel selbst startet in der M 35, absolviert auf Hawaii zur gleichen Zeit die gleichen Strecken wie die professionellen Sportler. "Das gibt es in kaum einer anderen Sportart."

Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft holte sich der Unterfranke beim Ironman Italy, genauer gesagt in der Region Emilia-Romagna. Dort kam er im September als Vierter seiner Altersklasse ins Ziel. Neun Stunden, drei Minuten und 41 Sekunden brauchte er für die 3,8 Kilometer im Wasser, 180 Kilometer auf dem Rad und 42 Kilometer zu Fuß. Nur drei Minuten und 41 Sekunden über seinem selbst gesteckten Ziel, unter neun Stunden zu bleiben.

Unterwegs in der Region Emilia Romagna. 4:42:32 Stunden brauchte David Kiesel für die 180 Kilometer auf dem Rad.
Foto: FinisherPix | Unterwegs in der Region Emilia Romagna. 4:42:32 Stunden brauchte David Kiesel für die 180 Kilometer auf dem Rad.

"Ich hatte allerdings im Vorfeld gar nicht mit der Chance gerechnet, mich in Italien für Hawaii qualifizieren zu können, weil die Startplätze massiv beschränkt wurden. Eigentlich gab es maximal zwei Plätze in meiner Altersklasse. Als Vierter hatte ich dann keine großen Hoffnungen, dass es klappt." Dass es doch geklappt hat, lag daran, dass mehrere Wochen nach dem Rennen die Zahl der Startplätze für Hawaii doch noch einmal erhöht wurde, weil es 2022 zwei Ironman auf der Pazifik-Insel geben wird.

Normalerweise werden nach den Rennen im Rahmen der Siegerehrung auch gleich die Qualifikationsplätze vergeben. Pandemiebedingt fiel das in Italien allerdings aus. Also hieß es warten auf die erlösende E-Mail aus Hawaii, ob er er als Nachrücker dabei sein kann. "Zwei Wochen lang hatte ich Hoffnung", erinnert sich Kiesel. Nachdem aber keine Nachricht kam, "hatte ich das ganze schon abgehakt".

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Weitere zwei Wochen später kam dann spätabends doch noch die erhoffte E-Mail. "Das hat mich dann fast umgehauen. Ich wollte eigentlich schon ins Bett und hab nur noch mal in die Mails geschaut. Und da stand dann 'Congratulations for the ironman-World-Championchip'. Dann hat mein Herz angefangen zu klopfen. Die Nacht war entsprechend kurz. Dass es doch noch geklappt hat, unglaublich. Die Tage danach waren einfach nur schön."

48 Stunden hatte er danach Zeit, seine Teilnahme zu bestätigen. "Für mich selbst war sofort klar, dass ich das mache. Es ist mein Traum, ich will da unbedingt einmal über die Ziellinie laufen." Klar war ihm aber auch, dass er den Trip nicht allein bewältigen kann. "Man braucht ein Team um sich rum, man braucht die Familie, wichtige Menschen, die einen unterstützen." Und die hat der Abteilungsleiter der Triathlonabteilung bei der TG Schweinfurt. Lebensgefährtin Katharina Scholl, selbst auch Triathletin, sein Vater und seine Schwester wollen auf jeden Fall dabei sein, wenn es Anfang Oktober ins Flugzeug geht.

Ironman Roth zum "Warmlaufen"

Bis dahin heißt es: Training, Training, Training. "Seit Mitte November bin ich im Aufbautraining für die kommende Saison, allerdings noch moderat." Moderat heißt für den Triathleten etwa zehn Stunden pro Woche. Anfang Juli dient dann der Ironman in Roth als Vorbereitungswettkampf auf das große Ziel. Nach einer kurzen Regeneration "geht es dann für acht, neun Wochen unmittelbar in die Vorbereitung auf den Ironman Hawaii".

Und das Ziel? "Es sind die Weltmeisterschaften mit den besten Athleten jeder Altersklasse. Insofern ist es schwer, eine Platzierung zu nennen. Im Blick habe ich  aber schon die Top Ten in meiner Altersklasse. Ob das realistisch ist, kann ich nicht einschätzen. Aber ein Ziel brauche ich, um meine Motivation hochzuhalten."

Vier Runden à gut zehn Kilometer im italienischen Küstenort Cervia: Den Marathon bewältigte David Kiesel in 3:16:23 Stunden.
Foto: FinisherPix | Vier Runden à gut zehn Kilometer im italienischen Küstenort Cervia: Den Marathon bewältigte David Kiesel in 3:16:23 Stunden.

Und auch eine Zeitvorgabe ist schwierig, weiß Kiesel, weil auf Hawaii ganz andere Bedingungen herrschen. "Geschwommen wird im Pazifik ohne Neoprenanzug, das kostet Zeit, beim Radfahren muss man mit starkem Wind rechnen und beim Laufen kämpfst du mit der hohen Luftfeuchtigkeit. Bestzeiten sind daher kaum möglich. Trotz alledem: Es ist das Highlight meiner Karriere, für das ich zu eintausend Prozent brenne. Ich will da meine bestmögliche Leistung abrufen."

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Was in knapp einem Jahr in Sachen Corona auf der Pazifik-Insel los sein wird, blendet der 37-Jährige hingegen aus. "Wenn ich mich jetzt damit beschäftige, würde mich das zu sehr ablenken. Ich habe im Kopf, dass der Wettbewerb stattfindet. Ich lege meine Kraft, meine Energie, meinen Fokus auf den 8. Oktober." Den Tag, an dem sein Lebenstraum in Erfüllung gehen wird.

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