Schweinfurt

Hörmann und Kaidel: Gefrorenes Lächeln

Sportpolitik Berlin Velodrom 27 06 2018 DOSB PARLAMENTARISCHER ABEND DES DEUTSCHEN SPORTS Alfons HOE       -  Der eine gibt sein Amt am 1. Dezember aus freien Stücken auf, der andere wird am gleichen Tag vielleicht abgewählt: Siegfried Kaidel (rechts), Sprecher der olympischen Spitzensportverbände, und Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Foto: Imago | Der eine gibt sein Amt am 1. Dezember aus freien Stücken auf, der andere wird am gleichen Tag vielleicht abgewählt: Siegfried Kaidel (rechts), Sprecher der olympischen Spitzensportverbände, und Alfons Hörmann, der ...

Siegfried Kaidel muss diplomatisch sein. Wäre er nur Präsident des Deutschen Ruderverbandes, könnte er seine Meinung unverblümter kundtun. Aber der 67-jährige Schweinfurter ist seit knapp vier Jahren auch Sprecher aller 38 olympischen Spitzensportverbände in Deutschland. Und Kaidels Kollegen aus den anderen Verbänden sind vermutlich nicht alle gleich unzufrieden mit der Amtsführung von Alfons Hörmann, dem 58-jährigen Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) aus Kempten.

Doch aus den Reihen der Opposition, die momentan auf immerhin 15 bis 20 Verbände geschätzt wird, dürfte es ziemlich sicher einen Gegenkandidaten geben, wenn Hörmann sich – wie er am letzten Freitag ankündigte – bei der DOSB-Mitgliederversammlung am 1. Dezember in Düsseldorf zur Wiederwahl stellen wird. Vorangegangen war ein einstimmiges Votum der Konferenz der Landessportbünde für ihn.

Die besten Chancen, mit der Mehrheit der Spitzenverbände gewählt zu werden, hätte wohl Thomas Weikert, der Präsident des Tischtennis-Weltverbandes. Der 56-jährige Jurist aus dem hessischen Limburg wurde im Mai einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als er bei der Tischtennis-WM in Schweden im Zuge der politischen Annäherung spontan und unbürokratisch eine gemeinsame Mannschaft von Nord- und Südkorea zuließ.

Weikert muss jedoch abwägen, ob er das DOSB-Amt wirklich mit dem des Weltpräsidenten, das er nicht aufgeben will, seinem Beruf und seiner Familie vereinbaren kann. Bei einem Treffen der Sprechergruppe der olympischen Spitzenverbände an diesem Dienstag in Frankfurt, das Kaidel leitet, wird sich Weikert eventuell schon äußern, ob er seinen Hut in den Ring wirft. Ein zweiter möglicher Kandidat aus den Reihen der Hörmann-Dissidenten wäre Martin Engelhardt, der Präsident der Deutschen Triathlon-Union. Der 58-jährige Orthopäde aus Osnabrück ist jedoch derzeit in Urlaub und nimmt an der Sitzung in Frankfurt, zu der auch Hörmann stoßen wird, nicht teil.

Kaidel mag vorsichtig sein, aber so viel sagt er schon: „Da Unzufriedenheit mit Herrn Hörmann besteht und er lange offen gelassen hat, ob er noch einmal kandidiert, ist es verständlich, dass es eine Suche nach einem Nachfolger gibt.“

Seit Monaten gibt es kaum mehr als Begrüßungsformeln

Kritiker werfen Hörmann vor, dass aufgrund seines rigiden Führungsstils, seines unangemessenen, forschen Umgangstons und seiner Sturheit in Sachfragen eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei. Besonders im Zuge der Entwicklung und Umsetzung der Leistungssportreform gab es viel Streit zwischen dem DOSB-Chef und den Spitzenverbänden.

„Es geht um seine Art und Weise des Umgangs“, sagt Kaidel. Der Schweinfurter hat seine Erfahrungen mit Hörmann gemacht. Vor zwei Jahren warf Hörmann dem Verbändesprecher vor, „hinterhältige Spielchen“ zu betreiben, um die Reform hintertreiben zu wollen. Erst nach einem Krisengespräch konnte der Konflikt beigelegt werden. Aber Freunde sind der Ruderer und der ehemalige Chef des Deutschen Ski-Verbandes, der seit 2013 Nachfolger von Thomas Bach als DOSB-Chef ist, nicht mehr geworden. Seit Monaten soll Hörmann mit Kaidel kaum mehr als Begrüßungsformeln ausgetauscht haben. Vermutlich hält er ihn für den Rädelsführer der Opposition. Doch als den sieht sich Kaidel nicht.

Sympathien verspielte Hörmann auch in Berlin. Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung klagte er über die mangelnde Unterstützung der Politik und auch von Kanzlerin Angela Merkel. Auch im Zuge der Konzeption und Umsetzung der Spitzensportreform kam Hörmanns Tonart im Ringen mit den Bundespolitikern nicht immer gut an. Dass nach dem Wechsel im Bundesinnenministerium von Thomas de Maiziere (CDU) auf Horst Seehofer (CSU) der Abteilungsleiter Sport im BMI, Gerhard Böhm, abgelöst wurde, soll auch auf Betreiben des DOSB-Chefs erfolgt sein. Beide hatten nicht selten Streit über die Bedingungen für die Finanzierung und die Reformschritte. Zur Kritik an seiner Person will sich Hörmann nicht äußern. Er sehe „der weiteren Entwicklung ganz gelassen entgegen“, sagte er am Montag.

Für Kaidel werden die letzten Monate als Verbändesprecher noch einmal turbulent. Zum 1. Dezember gibt er sein Amt ab, weil er nur noch für zwei weitere Jahre als Ruderverbandschef antreten will, der Sprecher aber stets für vier Jahre gewählt wird.

Mit Material von dpa

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