Würzburg

0:2 gegen Duisburg: Die Kickers schlagen sich selbst

Vorne leichtsinnig, hinten nachlässig: die Rothosen offerieren dem Gegner die drei Punkte auf dem Silbertablett.
Strflich ungedeckt: Lukas Daschner köpft zum 2:0 für den MSV Duisburg ein. Kicks-Keeper Vincent Müller bleibt nur das Nachsehen.
Foto: Frank Scheuring | Strflich ungedeckt: Lukas Daschner köpft zum 2:0 für den MSV Duisburg ein. Kicks-Keeper Vincent Müller bleibt nur das Nachsehen.

"Wir machen einen Haken dran", sagte Gäste-Trainer Torsten Lieberknecht nach dem 2:0 seines MSV Duisburg bei den Würzburger Kickers kurz und knapp. Allzu viele Worte wollte er über den Auftritt seines Teams am Dallenberg nicht verlieren: "Das Spielglück" sei auf Seiten des Ruhrpott-Klubs gewesen, stellte er unumwunden fest: "Wir haben ein Spiel 2:0 gewonnen, das nicht so ausgehen muss. Es ist immer schwer am Dalle zu spielen."

So kann man dieses Fußball-Drittligaspiel aus Sicht aus Duisburger Sicht durchaus zusammenfassen. Am Ende musste der neue Tabellenzweite nicht einmal sein ganzes Können zeigen, um in Würzburg zu siegen. Die Kickers offerierten dem Gegner den Dreier auf dem Silbertablett, der MSV musste nur noch zugreifen. Duisburgs Goalgetter Moritz Stoppelkamp stand bei seinem elften Saisontreffer derart frei im Strafraum, dass er trotz einer liederlichen Ballannahme gar nicht daneben schießen konnte (17.). Beim 2:0 der Gäste musste Lukas Daschner den Ball aus kurzer Distanz nur noch einköpfen, ohne dass ein Würzburger Abwehrmann auch nur in der Nähe war (45.). 

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Als Kickers-Coach Michael Schiele nach der Partie gefragt wurde, was aus Trainer-Sicht schlimmer sei, das schlechte Abwehrverhalten vor den Gegentoren oder die vielen ausgelassenen Torchancen, sagte er: "Das geht natürlich beides nicht." Und fasste seinen Anspruch an sein Team zusammen: "Kaltschnäuziger" sollen seine Spieler werden. Vize-Kapitän Daniel Hägele wollte indes gar nicht mehr in die alte Debatte über die vielen Gegentore und Abwehrfehler einsteigen. "Das Thema wurde schon so oft angesprochen. Wir müssen einfach ein Tor mehr schießen als der Gegner. Dann ist alles andere scheißegal."

Tatsächlich hätten die Rothosen gut und gerne auch die beiden leichtfertig verursachten Gegentore verkraften können, wenn sie nur ihre eigenen hochkarätigen Torchancen genutzt hätten: Dave Gnaase (10.), Luca Pfeiffer (29.), Patrick Sontheimer (35.) und Albion Vrenezi (38.) vergaben schon vor dem Pausenpfiff allesamt Gelegenheiten, die man gemeinhin mit dem Zusatz "hundertprozentig" versieht. Es waren Nachlässigkeiten vorne wie hinten, die den Kickers an diesem Tag alle Siegchancen raubten. Fußballerisch, spielerisch, taktisch hatten die Gastgeber - zumindest in der ersten Halbzeit - nicht viel falsch gemacht. Da waren die Kickers dem Zweitliga-Absteiger mehr als ebenbürtig. In Sachen Effizienz zeigte sich aber der entscheidende Unterschied. Duisburg gewann die Partie letztlich im Stil einer Spitzenmanschaft, die nicht mehr tat, als unbedingt nötig.

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"Das war heute so ein Spiel, in dem wir noch ewig hätten weitermachen können, ohne zu treffen. Die Chance waren da, um 3:2 zu gewinnen. Aber wir haben die Dinger einfach nicht gemacht", so Kickers-Akteur Robert Herrmann. Tatsächlich fehlte den Kickers in der zweiten Spielhälfte auch das Zutrauen in die eigene Stärke, um den Gegner noch einmal in ernsthafte Bedrängnis zu bringen. Duisburg brachte die Partie recht nüchtern in trockene Tücher, während sich die Kickers vergeblich abrackerten. Auch bei einem vermeintlichen Foul an Rothosen-Angreifer Pfeiffer blieb die Pfeife von Schiedsrichter Eric Müller stumm. Eine vertretbare Entscheidung.

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Unterm Strich steht nun also die siebte Saisonniederlage für die Kickers. Nur Schlusslicht Jena hat in dieser Spielzeit noch häufiger verloren als die Rothosen, die mit 31 Gegentoren auch die löchrigste Defensive der Liga stellen. Alles Zahlen, die Anlass zur Sorge geben, bevor es nun in Kaiserslautern und Chemnitz gegen zwei Teams aus der unteren Tabellenregion in der Fremde zur Sache geht. Und auswärts haben die Würzburge in dieser Saison erst einmal gewonnen. "Das sind direkte Kontrahenten", sagt Trainer Schiele mit Blick auf den folgenden Auswärts-Doppelpack. Die Kickers müssen sich in der Tabelle erst einmal nach unten orientieren. Wie kaltschnäuzig ein Spitzenteam auftritt, da hat Duisburg am Samstag am Dallenberg Anschauungsunterricht gegeben. Aber mit der Drittliga-Spitze haben die Kickers einstweilen nichts zu tun.

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