Würzburg

6:0 in Großaspach: Die Kickers feiern höchsten Drittligasieg

Die Mannschaft von Trainer Michael Schiele feiert beim Vorletzten Großaspach ihren höchsten Drittliga-Sieg - und Debütant Maximilian Breunig schreibt ein Fußballmärchen.
Das war der dritte Streich: Maximilian Breunig jubelt mit Torschütze Dominic Baumann, Leroy Kwadwo und Patrick Sontheimer über das 3:0.
Foto: foto2press/Frank Scheuring | Das war der dritte Streich: Maximilian Breunig jubelt mit Torschütze Dominic Baumann, Leroy Kwadwo und Patrick Sontheimer über das 3:0.

Die Würzburger Kickers haben ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Mit 6:0 (2:0) haben die Rothosen ihr Auswärtsspiel bei der heillos überforderten und über die komplette Spielzeit völlig desolat und nicht ligatauglich auftretenden SG Sonnenhof Großaspach gewonnen und ihren höchsten Sieg als Fußball-Drittligist gefeiert.

Kein Neuzugang in der Startelf - dafür Breunig

Dreimal hatten die Kickers in der letzten Woche noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. In der Startelf waren dann aber weder Jonas David (Hamburger SV) noch Niklas Hoffmann (FC St. Pauli) oder Saliou Sané (Karlsruher SC) zu finden. Das Trio saß erst einmal auf der Bank. Dafür hatte Rothosen-Coach Schiele eine ganz andere Überraschung auf Lager: Maximilian Breunig, Stürmer, gebürtiger Würzburger und Hoffnungsträger gab sein Startelf-Debüt in der Dritten Liga. Ein paar Minuten hatte der 19-Jährige schon mal im Rothosen-Trikot in dieser Spielklasse spielen dürfen. Am letzten Spieltag der Saison 2017/18 war das, am letzten Spieltag in Erfurt. Es folgte eine für ihn erfolgreiche Saison in der Junioren-Bundesliga beim FC Ingolstadt. Nach einem schweren Autounfall im  Mai, kurz vor der vereinbarten Rückkehr zu den Rothosen, stand dann allerdings seine ganze Karriere auf der Kippe. Breunig kämpfte sich zurück - und jetzt, nach der Gelb-Rot-Sperre für Angreifer Luca Pfeiffer, durfte er vom Start weg ran.

Es lief die 53. Minute im seit neuestem mit dem ungewöhnlichen Sponsorennamen "WIRmachenDRUCK Arena" benannten Stadion am Rand des schwäbischen Drittliga-Örtchens Großaspach, da stimmten die mitgereisten Kickers-Anhänger lauthals im Chor an: "Maxi Beunig, du bist der beste Mann." Dieses Spiel schrieb eine Geschichte, die man gemeinhin als Fußballmärchen bezeichnet - im Grunde zu kitschig und zu emotional, als dass man sie sich hätte ausdenken können.

Traumhafter Einstand für Breunig

Der letzte gebürtige Würzburger, der für die Kickers im Profibereich kickte und ein Tor erzielte, war Manuel Duhnke. Im ersten Jahr unter Trainer Bernd Hollerbach war das - in der Regionalliga. Und nun also Breunig.  Im Stile eines Torjägers hatte sich der in Theilheim im Landkreis Würzburg aufgewachsene Kicker in der 23. Spielminute im Strafraum durchgesetzt und den Ball zum 1:0 für die Kickers versenkt. Besser konnte seine Premiere nicht laufen. "Er hat immer an sich geglaubt, fleißig gearbeitet und sich jetzt auch belohnt", freute sich Trainer Michael Schiele mit seinem Schützling.

Schiele hatte seine Formation im Vergleich zu den meisten Partien dieser Saison verändert und mit Dominic Baumann und Breunig zwei statt wie üblich nur eine Sturmspitze aufgeboten. Die Kickers standen im Auswärtsspiel beim Tabellenvorletzten unter Erfolgsdruck nach den Resultaten der Konkurrenten am Wochenende. Nur noch drei Punkte betrug bei Anpfiff der Vorsprung vor der Abstiegszone. Nun sind es wieder sechs. Mit viel Offensivgeist wollten die Rothosen bei den Schwaben, denen zum Neustart nach der Winterpause mit einem 0:0 auf dem Kaiserslauterer Betzenberg immerhin ein Achtungserfolg gelungen war, vom Start weg das Heft des Handelns an sich reißen. Ein Plan, der aufgehen sollte. Und das auch noch besser als erhofft.

Rein damit: Fabio Kaufmann entwischt dem Großaspacher Dan-Patrick Poggenberg (links) und markiert das 2:0.
Foto: foto2press/Frank Scheuring | Rein damit: Fabio Kaufmann entwischt dem Großaspacher Dan-Patrick Poggenberg (links) und markiert das 2:0.

Auch beim zweiten Würzburger Treffer hatte Breunig seine Füße im Spiel. Er leitete den Ball im Mittelfeld zu Simon Rhein weiter. Der Leihspieler vom 1. FC Nürnberg bediente mit einem wunderbar präzisen Zuspiel Fabio Kaufmann, der Torhüter Maximilian Reule im Großaspacher Kasten tunnelte und die Kickers bereits 20 Sekunden nach Breunigs Führungstreffer mit 2:0 in Führung brachte. Die Partie rollte wie auf Schienen in genau jene Richtung, in der es sich Schiele und die Kickers gewünscht hatten.

Gelb-Rot für Ex-Würzburger Ünlücifci

Auf Großaspacher Seite agierte ein alter Bekannter: Onur Ünlücifci, der vor der Saison in Würzburg aussortiert worden war, stand erstmals in dieser Saison zum zweiten Mal in Folge in der Startelf der Hausherren. Er hätte sich gewiss ein schöneres Wiedersehen gewünscht. Der gebürtige Frankfurter war am Ende der Akteur, der symbolisch stand für einen aus Großaspacher Sicht völlig missratenen Abend im schwäbischen Dauerregen. Kurz vor der Halbzeitpause hatte Unlücifci sehr vehement bei Schiedsrichterin Riem Hussein einen Elfmeter gefordert. Kickers-Kapitän Sebastian Schuppan hatte zuvor Daniel Hägele den Ball aus kurzer Distanz an den angelegten Arm geschossen. Unlücifcis Protest war der Unparteiischen offenbar eine Spur zu heftig und unwirsch und somit gelbwürdig. Und da die Ex-Rothose bereits kurz zuvor nach einem Foulspiel verwarnt worden war, sah Unlücifci Gelb-Rot (45.+1).

Mit einer 2:0-Führung im Rücken und einem Mann mehr auf de Feld starteten die Kickers also in die zweite Halbzeit und sorgten schnell und erneut mit einem Doppelschlag für glasklare Verhältnisse: Breunigs Sturm-Kollege Baumann, auch er war in der Hinrunde nach einem Knöchelbruch monatelang ausfallen, erzielte nach einer Flanke von Luke Hemmerich sein erstes Saisontor und erhöhte auf 3:0 (48.). Fabio Kaufmann gelang mit einer Direktabnahme ein besonders schönes Tor (50.). Und dann durften sich auch noch die eingewechselten Neuzugänge in die Torschützenliste eintragen: Saliou Sané (58.) und Niklas Hoffmann (86.) sorgten mit ihren Premierentreffern dafür, das sich die Würzburger Torbilanz deutlich verbesserte. "Auch für in 6:0 gibt es nur drei Punkte", sagte Kickers-Coach Schiele trotzdem: "Es kommt nun darauf an, dass dieser Erfolg nachhaltig ist."

Die PK in voller Länge:

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