Würzburg

Corona bei den Baskets: Die positiven Spieler durften sich freitesten

Steffen Liebler, Geschäftsführer von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg, blickt auf turbulente Tage zurück – und in die Zukunft. Die Corona-infizierten Spieler durften nach Tests die Quarantäne verlassen.
In der aktuellen Situation der Baskets ist guter Rat teuer: Geschäftsführer Steffen Liebler.
Foto: Heiko Becker | In der aktuellen Situation der Baskets ist guter Rat teuer: Geschäftsführer Steffen Liebler.

Die Anzahl der Corona-Fälle rund um die Partie zwischen Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg und medi Bayreuth vor nun knapp zwei Wochen ist insgesamt von 13 auf 15 gestiegen, weil sich zwei weitere Personen aus dem direkten Umfeld der Baskets infiziert hatten. Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler blickt in diesem Gespräch noch einmal auf turbulente Tage zurück und auch ein bisschen in die nähere Zukunft.

Frage: Sie waren bereits ganz am Anfang dieser Pandemie im März 2020 mit dem Coronavirus infiziert. Sind Sie beim aktuellen Ausbruch bei Ihrem Klub erneut betroffen?

Steffen Liebler: Stimmt. Aber nein: Ich bin nicht infiziert. Mir geht es soweit gesundheitlich auch gut, wenngleich die gesamte Lage bei uns gerade natürlich besser sein könnte.

Und wie geht es den infizierten Spielern?

Liebler: Mittlerweile allen wieder soweit ganz gut. Wir hatten Spieler, die krank und bettlägerig waren, aber das hat sich inzwischen zum Glück wieder gegeben.

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Haben die neuen Richtlinien, die Bund und Länder unlängst beschlossen haben, Einfluss auf Ihre Betroffenen, die vom Würzburger Gesundheitsamt ja in 14-tägige Quarantäne befohlen wurden?

Liebler: Sehr kurzfristig, ja. Wir haben am Mittwoch vom Gesundheitsamt mitgeteilt bekommen, dass alle positiv Getesteten sich nach der neuen Verordnung am gestrigen Donnerstag freitesten durften. Was sie auch getan haben. Und mir, Stand Donnerstagabend, ist auch kein erneuter positiver Test bekannt.

Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler (links) und der Manager Sport and Scouting des Klubs, Kresimir Loncar bei einem Heimspiel in der vergangenen Saison.
Foto: Heiko Becker | Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler (links) und der Manager Sport and Scouting des Klubs, Kresimir Loncar bei einem Heimspiel in der vergangenen Saison.
Am 23. Januar müssen die Baskets laut Spielplan in Frankfurt antreten. Die Voraussetzungen für die Vorbereitung auf so ein wichtiges Spiel gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf könnten trotz der jüngsten für Sie ja positiven Entwicklung rosiger sein.

Liebler: Die positiv getesteten Spieler haben sich in der Quarantäne so gut wie irgendwie möglich „fit“ gehalten, unter anderem über Videotraining mit unserem Athletiktrainer Philipp Burneckas mit Yoga- und Dehnübungen, da sie ja nicht richtig Sport treiben konnten und durften. Spieler, die negativ waren, haben natürlich ein strafferes Programm zu Hause absolviert. Aber auch, wenn nun zwar alle die Quarantäne verlassen durften, müssen wir sie nun erst Schritt für Schritt wieder an die 100 Prozent heranführen. Selbstverständlich ist das alles aber etwas ganz anderes, als wenn du die ganze Zeit im Trainings- und Spielbetrieb bist.

"Für unsere aktuelle sportliche Lage sind wir selbst verantwortlich."
Steffen Liebler, Geschäftsführer bei den Baskets
Auch wenn die Voraussetzungen für so ein wichtiges Spiel tatsächlich idealer sein können, könnten Kritiker Ihnen nun vorhalten: Ja, jetzt hat er schon im Vorfeld eine Ausrede, wenn das Spiel verloren geht.

Liebler: Mir ist extrem wichtig klarzustellen: All das, was wir jüngst erlebt haben, darf und soll keine Ausrede für unsere aktuelle sportliche Situation und unseren Tabellenstand sein. Vielleicht mit Ausnahme des Spiels gegen Bayreuth, das würde ich tatsächlich etwas ausnehmen, weil ich davon überzeugt bin, dass wir das mit einer vollständigen und gesunden Mannschaft vielleicht gewonnen hätten. Aber für unsere aktuelle sportliche Lage sind wir selbst verantwortlich. Wir haben in dieser Saison bislang einfach zu wenige Spiele gewonnen. Aber es hilft ja nichts. Wir sind in einer schwierigen Situation, das wissen wir. Die ganzen Umstände machen sie nun halt noch schwieriger.

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Stichwort: Bayreuth-Spiel. Lassen Sie uns kurz zurückblicken auf die Zeit zwischen Silvester, als die Baskets in Berlin antraten, und dem 3. Januar, als s.Oliver Würzburg 13 positive Corona-PCR-Tests melden musste, nachdem das Spiel am Sonntag, dem 2., von der Liga erzwungen worden war. Nach dem ersten positiven Schnelltest an Neujahr haben Sie Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um möglichst schnell PCR-Tests zu organisieren.

Liebler: In dieser so unklaren Situation vor dem Spiel sprachen so viele Fakten dafür, dass es bei uns einen Corona-Ausbruch gab. Meiner Meinung nach hätte man von Ligaseite aus sagen müssen: Die Gesundheit aller Beteiligten ist jetzt wichtiger als ein Basketballspiel. Das nun glücklicherweise keiner unserer Spieler einen wirklich schweren Verlauf hatte, wusste man da noch nicht. Das wissen wir erst jetzt im Nachhinein. Und: Sowohl die Bayreuther als auch unsere Spieler wollten nicht spielen, weil ihnen das Risiko zu groß war. Zum Glück hat sich ja offensichtlich kein Bayreuther angesteckt.

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Was ja tatsächlich erstaunlich ist, womöglich eine glückliche Fügung und letztlich ja nur damit zu erklären, dass die acht tags darauf positiv getesteten Würzburger, die in der Halle waren, zum Zeitpunkt des Spiels noch nicht sehr infektiös waren. Nachdem bisher auch aus Hamburg, wo Berlin, das elf Corona-Fälle meldete, an jenem Sonntag spielte, auch noch keine Fälle bekannt sind, kann die Liga jetzt freilich sagen: Alles okay! Eine Spielverlegung in Würzburg hätte auch nichts geändert.

Liebler: Das könnte sie jetzt sagen. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Nur: Wir waren am 1. und am 2. Januar eben nicht in dieser komfortablen Situation und wussten erst einmal noch gar nichts Genaues und wollten alle Beteiligten schützen. Das war unsere Intention.

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Bei der Tagung der Bundesliga und ihrer 18 Vereine vor einer Woche war der "Fall Würzburg" natürlich auch Thema. Sie haben sich für eine Anpassung der Statuten ausgesprochen – stießen letztlich aber weitestgehend auf taube Ohren.

Liebler: Na ja, wir haben schon diskutiert. Aber die Statuten wurden dann letztlich weitestgehend so bestätigt. Zumindest wurde die Regel, dass eine Mannschaft nach einer Quarantäne nicht schon nach zwei Tagen wieder spielfähig sein muss, dahingehend geändert, dass es nun drei Tage sind. Das ist gut, dass diese Frist verlängert wurde. Ich habe dennoch betont, dass dies in einem Fall, bei dem vielleicht ein, zwei oder drei Spieler betroffen sind, so auch in Ordnung ist, aber wenn praktisch eine ganze Mannschaft, wie wir jetzt, betroffen ist, ist dieser Zeitraum viel zu kurz. Für solche Fälle hätte ich mir gewünscht, diese Frist zu verlängern, oder eben eine Einzelfall-Entscheidung zu ermöglichen, um die Frist zu verlängern, damit die Wettbewerbsgleichheit gewährleistet bleibt. Aber natürlich ist es tatsächlich so, dass etwa von Corona betroffene Klubs anders argumentieren als nicht betroffene.

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Und dabei geht es doch unterm Strich vor allem um die Gesundheit aller Beteiligten. Die Liga hat sich über ihren Hygienebeauftragten Florian Kainzinger zu Wort gemeldet – der die Bundesligaspiele übertragende Internetsender produzierte eine 40-minütige Sonderausgabe seines regelmäßigen Podcasts, in der der Berliner Arzt der einzige Gast war. Sie oder eine Stimme der Baskets kamen dabei nicht zu Wort.

Liebler: Ich finde es sehr schade, dass wir dabei leider nicht zur Wort kamen und einige Tatsachen einfach nicht 100-prozentig korrekt wiedergegeben wurden.

Die Genauigkeit blieb da in der Tat auf der Strecke, obwohl der "Fall Würzburg" sehr ausführlich diskutiert wurde. Die Details würden diesen Rahmen hier sprengen. Deshalb: Lassen Sie uns noch kurz in die nähere Zukunft blicken: Was sehen Sie da in der Glaskugel?

Liebler: Jeder Spieler wird in den nächsten Tagen sportmedizinisch durchgecheckt, damit er Schritt für Schritt wieder an die hohe Belastung gewöhnt werden kann. Wir reden hier ja nicht von Hobby-, sondern von Leistungssport. Da geht ja jeder in jedem Training und in jedem Spiel an sein körperliches Limit. Da dürfen wir natürlich keinerlei Risiko eingehen.

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Na ja, das Ans-Limit-Gehen war jetzt nicht bei jedem Spieler in den jüngsten Begegnungen so augenfällig . . . Nach dem Abschied von Nachverpflichtung Tomasz Gielo: Was tut sich bei der Suche nach neuen Spielern? Vor allem ein Center täte der Mannschaft ja gut.

Liebler: Wir sind auf der Suche nach dem einen oder anderen neuen Spieler, aber da ist noch nichts spruchreif.

Das Programm der Baskets in der näheren Zukunft

Das für diesen Sonntag geplante Spiel der Baskets in Chemnitz wurde natürlich verlegt, ein Nachholtermin steht noch nicht fest. Die Termine (mit unter anderem fünf Spielen in den ersten 14 Tagen nach der Quarantäne) bis zur Länderspielpause Mitte Februar (H = Heimspiel, A = Auswärtsspiel):
23.1., 15 Uhr: Frankfurt (A)
26.1., 19 Uhr: Bamberg (A)
30.1., 15 Uhr: Berlin (H)
3.2., 19 Uhr: Braunschweig (A)
6.2., 15 Uhr: Bamberg (H)
11.2., 20.30 Uhr: Hamburg (A)
16.2., 19 Uhr:  Bonn (H)
Quelle: BBL
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