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Corona-Regeln: Was Sinn macht im Sport - und wo Wirrwarr entsteht

Keine Tischtennis-Doppel, während es beim Handball körperbetont wie eh und je zugeht oder Eishockeyspieler Bodychecks fahren: Manche Corona-Regeln wirken widersprüchlich.
Profihandball mit Masken? Klingt unvorstellbar, war aber Realität bei der Partie in der ersten spanischen Liga zwischen Ademar Leon und Balonmano Sinfin. Grund war ein Beschluss der Regionalregierung von Kastilien und León.
Foto: J.Casares, Imago | Profihandball mit Masken? Klingt unvorstellbar, war aber Realität bei der Partie in der ersten spanischen Liga zwischen Ademar Leon und Balonmano Sinfin.

Dass die deutsche Bürokratie beim Umgang mit den Coronavirus im Sport gelegentlich kuriose Blüten treibt, hat das ATP-Tennisturnier in Köln gezeigt. Trotz eines Sieben-Tage-Inzidenzwertes von 66,3 durften am Montag etwa 500 Zuschauer die Spiele in der 18 500 Personen fassenden Lanxess-Arena anschauen. Das Hygienekonzept habe gegriffen und war abgesegnet worden, so der Veranstalter. Tags darauf: Kommando zurück! Für die anstehenden Doppel muss die Zuschauerzahl auf 250 Personen reduziert werden. Der Grund: Doppel zählen zum Team-, Einzel zum Einzelsport.

Dass sich beim Doppel dann nur zwei Personen mehr in der riesigen Halle befinden würden - egal. Bei Teamsportarten sind Fans emotional deutlich stärker involviert, so der Grundgedanke. Ob die am Montag noch "artig mit Mundschutz auf ihren Plätzen sitzenden Zuschauer" auch weiterhin "nicht gröhlen, nur klatschen" würden (so der Kölner "Express"), auch wenn plötzlich vier statt zwei Athleten die gelbe Filzkugel beackern? Besser kein Risiko eingehen. Der geneigte Zuschauer kann da nur mit dem Kopf schütteln - aber nicht, weil er den Tennisball von links nach rechts verfolgt.

Handballspiel mit Masken

Für den wohl bizarrsten Vorfall hat die erste spanische Handballliga am vergangenen Wochenende gesorgt. Bei der Partie von Ademar Leon gegen Balonmano Sinfin mussten Spieler und Schiedsrichter auf Anordnung der Regionalregierung von Kastilien und León eine Maske tragen - während des ganzen Spiels. "Leute, die so etwas entscheiden, das derart an der Realität vorbeigeht, sind einfach nur Idioten", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi Erwin Feuchtman hinterher. Der Deutsch-Chilene spielt für Ademar Leon und befand: "Dümmer geht es einfach nicht."

Es sind Beispiele wie diese, die Stirnrunzeln verursachen. Selbstverständlich hat die Gesundheit aller Beteiligten oberste Priorität. Dazu sind Hygienekonzepte, Verhaltensregeln und deren konsequente Einhaltung unbedingt nötig. Und, soviel vorweg: Die im Amateurbereich oft unter großen Mühen und unentgeltlich nach Feierabend erarbeiteten Vorgaben sind meistens schlüssig und helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Ausreißer gibt es dennoch. Ein Überblick, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Aktualität erhebt - viele der Vorgaben ändern sich fortlaufend und werden angepasst, ergänzt oder gänzlich gestrichen.

Dünsten statt Duschen

Grundsätzlich ist Amateursportlern das Duschen nach dem Training oder Spielen erlaubt. Dazu müssen Vereine aber ein eigenes Konzept vorlegen und beispielsweise bei Gemeinschaftsduschen die Anzahl der Plätze reglementieren. Aufwand, den sich etliche Vereine sparen - was wiederum Peter Engert, Abteilungsleiter des Fußball-Landesligisten TSV Kleinrinderfeld ärgert. „Ich musste mit neun verschwitzten Spielern im Kleinbus nach Hause fahren. Wie das zu den Hygienevorschriften passt, soll mir mal einer erklären“, sagte Engert nach der 0:5-Niederlage seines TSV beim FC Coburg Anfang Oktober. Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden, der Verband empfiehlt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Aber nicht wegen des Geruchs...

Keine Doppel beim Tischtennis

An der Tischtennisplatte entfallen inzwischen die Doppel. Die seien laut bayerischer Staatsregierung zwar prinzipiell erlaubt. Doch einigen Vereinen im Freistaat machen lokale Auflagen einen Strich durch die Rechnung. Ergo: "Wir haben uns für den kleinsten gemeinsamen Nenner im Freistaat entschieden und der sagt: kein Doppel", so Gunther Czepera, Vizepräsident des Bayerischen Tischtennis-Verbands. Bei vielen Aktiven stößt das auf Unverständnis - erst recht, wenn in einer Halle nach einer Tischtennis-Partie die Handballer mit vollem Körpereinsatz aufeinander losgehen. Oder Volleyballer bei jedem Block dicht zusammenkommen. Immerhin: "Fremde" Bälle müssen die Tischtennisspieler nicht mehr ausschließlich "mit Fuß oder Schläger" zurückspielen - diese Regel ist inzwischen hinfällig.

Noch ein Blick zum Volleyball, speziell Beachvolleyball. In den Übergangsregeln des Deutschen Volleyball-Verbandes wird für den Wettkampfbetrieb im Sand empfohlen, keine Aufschläge in die Mitte auszuführen. So soll der direkte Kontakt der gegnerischen Sportler auf der anderen Seite des Netzes vermieden werden.

Fußballer sollen - obgleich sie sich während der 90 Minuten im Zweikampf oft näher kommen als es vor allem den Stürmern lieb sein dürfte - auf Spielerkreise, Abklatschen und gemeinsames Jubeln verzichten. Auch das Einlaufen und Aufstellen vor Spielbeginn soll unter Mindestabstand erfolgen. Dass das nicht immer funktioniert, hat das U21-Länderspiel Deutschlands gegen Bosnien-Herzegowina am vergangenen Wochenende gezeigt. Als die Nationalhymnen liefen, standen die einen vorbildlich unter Einhaltung der anderthalb Meter nebeneinander, die anderen so eng beisammen, als würden sie schon vor Anpfiff eine geschlossene Freistoßmauer bilden.

Vorbildlich:  Jochen Herrmann, Abteilungsleiter des Handball-Bezirksoberligisten TSV Partenstein, reinigt bei der Partie gegen den TV Marktsteft mit Desinfektionsspray die Tore.
Foto: Yvonne Vogeltanz | Vorbildlich:  Jochen Herrmann, Abteilungsleiter des Handball-Bezirksoberligisten TSV Partenstein, reinigt bei der Partie gegen den TV Marktsteft mit Desinfektionsspray die Tore.

Eishockey ohne Bodychecks?

Und noch einmal zum direkten Kontakt: Während Eishockeyspieler hierzulande wie gewohnt ihr Spiel auf- und ihre Gegenspieler rannehmen dürfen, will die kanadische Ontario Hockey League (OHL) Bodychecks komplett verbieten, was dem Spiel ein zentrales Element nimmt. Weniger drastisch, dafür umso penibler sind die Vorkehrungen, die der Deutsche Eishockey Bund (DEB) festlegt: Spieler müssen in ihrer Sporttasche einen Einweg-Plastikbeutel mit zu Trainingseinheiten oder Spielen bringen, um ihr benutztes Handtuch nach dem Duschen darin wieder mit nach Hause zu nehmen.

Wer diese Maßnahme ziemlich speziell findet, der darf gerne in das Nachbarland Baden-Württemberg blicken. Dort verbietet das Hygienekonzept für den Amateurfußball ausdrücklich Maskottchen. In dem der Handballverbände ist festgelegt, dass der Wischmop vor jedem Spiel zu desinfizieren ist. Wie das genau erfolgen soll, bleibt allerdings offen. Möglicherweise so, wie es Jochen Herrmann, Abteilungsleiter des Handball-Bezirksoberligisten TSV Partenstein (im Bild), vormacht: Bei der Partie gegen den TV Marktsteft (in Frammersbach) mussten in der Pause nicht nur die Auswechselbereiche desinfiziert werden - Herrmann persönlich reinigte die Tore mit Desinfektionsspray.

Sie haben Fragen zu einer Corona-Regel: Wir helfen!

Welche Vorschrift bei den Hygienekonzepten lässt Sie ratlos zurück? Welche Corona-Regel ist Ihnen unklar? Egal, ob Sie Amateursportler oder Vereinsvertreter sind. Wir versuchen, zu helfen, mit Ihnen (oder für Sie)  zu recherchieren. Fragen und Hinweise bitte per E-Mail an red.sport@mainpost.de
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