SCHALDING/WÜRZBURG

Die Kickers sind am Ziel ihrer Träume

SV Schalding-Heining - FC Würzburger Kickers       -  Da ist das Ding - für die Würzburger Kickers: Kapitän Ricardo Borba hält den Henkeltopf in die Höre, rechts BFV-Präsident Dr. Rainer Koch; Fußball, Finale des Bayerischen Toto-Pokalwettbewerbs, SV Schalding Heining (Regionalliga Bayern) - FC Würzburger Kickers (Regionalliga Bayern), Bayerischer Fußball-Verband (BFV), Toto-Pokal, Pokal, Finale, 14.052014, Schalding-Heining (Lkr. Passau, Niederbayern); (c) Fabian Frühwirth/FAF
Foto: Fabian Fruehwirth/www.faf-presse | Da ist das Ding - für die Würzburger Kickers: Kapitän Ricardo Borba hält den Henkeltopf in die Höre, rechts BFV-Präsident Dr.
Fußball-Regionalligist FC Würzburger Kickers kann feiern. Das Team von Trainer Dieter Wirsching hat am Mittwochabend im Passauer Vorort Schalding-Heining regionale Fußball-Geschichte geschrieben. Durch den 6:4  (0:1, 2:2)-Erfolg nach Elfmeterschießen gegen den Liga-Rivalen aus Niederbayern haben sich die Kickers nämlich als erstes unterfränkisches Team den seit 1997 ausgetragenen Toto-Pokal gesichert, stehen zum ersten Mal seit 1981 wieder einmal im DFB-Pokalwettbewerb und können sich dort garantiert auf ein Heimspiel gegen einen Erst- oder Zweitligisten freuen.

Es ist Zahltag am Dallenberg: Für den Pokalsieg gab es fast schon bescheidene 5000  Euro, wenn man bedenkt, dass der Einzug in die DFB-Pokalhauptrunde 100 000 Euro garantiert, nicht inbegriffen die Einnahmen aus dem Spiel, das Mitte August stattfinden wird.
Achterbahnfahrt der Gefühle

Davor freilich stand eine Nervenschlacht, eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die am Ende direkt hinein führte ins große Fußball-Glück. Doch beginnen wir von vorne: Am Anfang nämlich war rein gar nichts zu sehen vom unbedingten Willen dieser Würzburger Mannschaft, von dem Dieter Wirsching im Vorfeld oft gesprochen hatte. Eine „Endspiel-Mannschaft“ sei seine, hatte der Trainer vor der Partie gesagt. Was auch immer er damit meinte, die Art des Auftritts in der ersten halben Stunde ganz gewiss nicht. Ängstlich und unsicher wirkten die Gäste zu Beginn und auch irgendwie beeindruckt von der Wucht, mit der die Schaldinger immer wieder das Gehäuse der Gäste berannten.

Letztlich mussten sich die Würzburger bei Torhüter André Koob, der den Vorzug vor Spielführer Daniel Tsiflidis erhalten hatte, bedanken, dass sie nicht schon frühzeitig hoffnungslos hinten lagen. „Schading hat alles auf eine Karte gesetzt, wollte das Spiel früh entscheiden. Und wir haben versucht, Fußball zu spielen. Das war bei den wirklich unwürdigen Platzverhältnissen ein Fehler“, erklärte Dieter Wirsching später. Die Hausherren hatten reihenweise Großchancen, doch André Koob stand immer wieder im Weg. Einmal freilich war auch er machtlos, als der herausragende SV-Akteur Michael Pillmeier den Ball im Mittelfeld erkämpfte, gedankenschnell auf Josef Eibl passte und der zum 1:0 versenkte (18.).

Die über 2000 Zuschauer auf der engen Schaldinger Sportanlage veranstalteten nun ein riesiges Spektakel, und die Kickers drohten ein Debakel zu erleben. Es dauerte lange, ehe sich die Würzburger freischwimmen konnten, etwas Struktur in ihr Spiel brachten. Niklas Weißenberger hatte mit einem Latten-Kopfball noch vor der Pause die große Chance zum Ausgleich (44.).

„In der Halbzeit habe ich dann noch einen letzten Trumpf gezogen“, berichtet Wirsching über die Art der Pausenansprache, bei der auch das ein oder andere derbe Wort gefallen sei. „Die Jungs mussten das Hirn ausschalten“, sagt er über die Spielweise, die nun gefragt war. Was auch immer Wirsching gesagt hatte, die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Plötzlich kämpften, rackerten, grätschten die Würzburger, die kurz zuvor noch so leidenschaftslos und ängstlich in die Zweikämpfe gegangen waren. Und plötzlich war auch Schalding beeindruckt. Das Geschehen verlagerte sich immer weiter in die Hälfte der Gastgeber. Weil aber den Kickers-Offensivkräften die zündenden Ideen fehlten, musste eine Standardsituation her, um den Bann zu brechen: Peter Endres traf per Freistoß zum Ausgleich (63.), und hernach schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Rothosen die wankenden Hausherren zu Fall bringen würden.

Doch mitten in die Phase größter Kickers-Überlegenheit hinein kam der nächste Rückschlag. Ein Abschlag von SV-Keeper Christian Wloch flog über den ganzen Platz direkt zu Pillmeier, und der brachte die Hausherren äußerst überraschend erneut in Führung (84.). Doch die Kickers ließen die Köpfe nicht lange hängen und schlugen noch einmal zurück. Der Treffer war kurios: Eine Freistoßflanke des eingewechselten Daniel Diroll flog aus gut 40 Metern an Freund und Feind vorbei – mittenrein ins niederbayerische Gehäuse.

Die Dramaturgie einer aufregenden Partie erreichte ihren Höhepunkt im Elfmeterschießen. Dabei hatten die Kickers die besseren Nerven: Der sonst so starke SV-Stürmer Pillmeier traf die Latte, und Koob wurde durch seine Parade gegen Florian Stecher endgültig zum Helden des Tages. Mit dem letzten Elfmetertreffer durch Adrian Graf – sein erster Ballkontakt nach der Einwechslung kurz vor Schluss – brachen bei den Kickers und ihren 200 mitgereisten Fans alle Dämme. „Ich freue mich riesig für meine Mannschaft. Sie hat sich diesen Erfolg so sehr verdient“, sagte Wirsching freudestrahlend.

Triefend nass von Bierduschen

Der Pokal stand kurz darauf schon bereit. Die Spieler nahmen die Glückwünsche entgegen, da lagen sich etwas abseits drei Männer in den Armen: Michael Schlagbauer, Kickers-Vorstandsvorsitzender, Thorsten Fischer, Inhaber er Online-Druckerei „flyeralarm“ und wichtigster Mäzen und Gönner des Vereins, und Dieter Wirsching. Das Trio war triefend nass von den Bierduschen, die ihm die Spieler zuvor immer und immer wieder verpasst hatten. Klitschnass, aber glücklich. Die Kickers sind am Ziel – zumindest für diese Saison.

Die Statistik des Spiels

Schalding-Heining –
Würzburg 4:6 (2:2, 1:0)
nach Elfmeterschießen

Schalding-Heining: Wloch – Buchinger
(90. Stecher), Zacher, Gashi, Escherich – Wirth (84. Aringer), R. Huber – Brückl, Eibl M. Huber (76. Süß) – Pillmeier.


Würzburg: Koob – Vollmer, Mensah, Weißenberger, Bieler – Karsanidis (90. Graf), Endres (75. Murphy) – Behrens (57. Diroll), Haller, Borba – Bieber.


Tore: 1:0 Eibl (18.), 1:1 Endres (63.), 2:1 Pillmeier (84.), 2:2 Diroll (88.).


Elfmeterschießen: Pillmeier trifft die Latte, 2:3 Haler, 3:3 Eibl, 3:4 Bieler, 4:4 Süß, 4:5 Bieber, Koob hält gegen Stecher, 4:6 Graf.


Schiedsrichter: Perl (München).


Zuschauer: 2070.
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